08.09.2004 12:00 Uhr

Kuba: Politische Gefangene sind Opfer von Gesinnungsmedizin

Erkrankte Gefangene werden vernachlässigt, Mangelernährung und katastrophale hygienische Zustände führen zu Neuerkrankungen



Castros "Gesundheitswesen" wird politischen Gefangenen verweigert.


Düsseldorf / Havanna / Frankfurt (8. September 2004) - Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) besitzt Informationen über 300 politische Gefangene, die unter extremen Bedingungen in kubanischen Haftanstalten leiden. "Heute, 45 Jahre nach Amtsantritt des kubanischen Machthabers Fidel Castro, werden Hunger, Vernachlässigung und verweigerte medizinische Hilfe systematisch eingesetzt, um die Gefangenen seelisch zu brechen", erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. Im Falle von politischen Gefangenen werden elementare Bedürfnisse wie Hygiene, Essen und medizinische Betreuung bewusst verweigert, stellt die IGFM fest. Die Haftbedingungen sind so entsetzlich, dass immer wieder selbst bereits erkrankte Gefangene in den Hungerstreik treten, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

Stellvertretend für viele steht der Langzeitgefangene Jorge Luis García Pérez, genannt Antúnez. Er wird im Jahre 1983 im Alter von 21 Jahren zum ersten Mal verhaftet. Der Grund dafür ist seine kritische Einlassung zu einer Rede, die der Diktator Fidel Castro gehalten hatte. Kurz darauf wird Antúnez  auch wegen anderer "Oppositionsaktivitäten" verfolgt und zu mehreren Gefängnisstrafen verurteilt. Zuletzt erhält er im Jahre 1990 wegen "Förderung von feindlicher Propaganda" 20 Jahre Gefängnis. Die medizinische Versorgung des schwer erkrankten Gefangenen wird vernachlässigt. Er erhält keine Medikamente und keine ärztliche Untersuchung. In Gefangenschaft wird er immer wieder misshandelt. In Anwesenheit von Familienangehörigen wird er im Juli 2004 von Gefängniswärtern zusammengeschlagen, weil er einen Gefängnisoffizier gebeten hatte, ihm Solidaritätsbriefe auszuhändigen. Anschließend werden seine Arme in Handschellen gefesselt und er wird durch die Gänge geschleift.

Ähnlich ergeht es Pablo Pacheco Ávila, einem ehemaligen Turnlehrer, der als Journalist tätig war. Im Rahmen einer Repressionswelle wird er zusammen mit 74 Dissidenten im März 2003 verurteilt. Er erhält 20 Jahre Haft wegen "Respektlosigkeit". Zuvor war Pacheco Ávila mehrmals wegen sogenannter "feindlicher Propaganda" verhaftet worden. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich in Folge der Haft zusehends. Er hat bereits über 24 Pfund Gewicht verloren und erhielt nie die Möglichkeit, die Sonne zu sehen.

Dr. Oscar Elias Biscet,  Kubas bekanntester Menschenrechtsverteidiger und selbst Arzt der inneren Medizin, ist ebenfalls Opfer der kubanischen "Gefängnismedizin". Zuvor wurde er in den letzten sechs Jahren fast dreißig Mal willkürlich festgenommen, zuletzt im März des Jahres 2003 ebenfalls zusammen mit 74 Dissidenten. Einen Monat später wird er zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, u.a. wegen "Respektlosigkeit gegenüber den nationalen Symbolen und Anstiftung zum Ungehorsam". Dr. Biscet leidet unter Bluthochdruck, geschwollenem Zahnfleisch und Schlaflosigkeit. Er hat in den letzten Monaten sechzig Pfund (!) Gewicht verloren und es wird befürchtet, dass er die Haft nicht überleben wird. Er erhält keine bzw. unzureichende medizinische Versorgung.

 






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