22.03.2006 13:57 Uhr

Kuba: Das Gesetz 88 erdrosselt die Meinungsfreiheit

IGFM: Weiterer Journalist soll zum Schweigen gebracht werden



Presse- und Meinungsfreiheit auf Kuba. Collage: PRIMA-News

 

Frankfurt am Main / Havanna (22. März 2006) - Während der Hungerstreik von Guillermo Fariñas seit 51 Tagen anhält, soll ein weiterer kubanischer Journalist zum Schweigen gebracht werden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) soeben erfahren hat, wurde der staatsunabhängige Journalist Luis Cino zur Polizeistation des Bezirks Marianao zitiert, wo ihn Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes mit einer dreißigjährigen Haftstrafe bedrohten, sollte er seine Arbeit fortsetzen. Er müsse auch mit Vergeltung rechnen, die von der Kommunistischen Partei befohlen werde. Cino hatte immer wieder kritisch über die kubanische Regierung berichtet.

Mitarbeiter der kubanischen Staatssicherheit erklärten Luis Cino, es sei ein Leichtes, ihn wegen seiner journalistischen Tätigkeit hinter Gitter zu bringen. Sie drohten dem 48jährigen, dass gegen ihn das Gesetz 88 angewendet werden könne.

Das Gesetz 88 - ein Mittel der Repression

Dieses gefürchtete Gesetz wendet das Castro-Regime an, um unliebsame Oppositionelle zum Schweigen zu bringen. Bereits im März 2003 wurden auf der Grundlage dieses Gesetzes und im Schatten des Irak-Krieges 75 Dissidenten verhaftet und in Schnellverfahren wegen "Gefährdung der nationalen Unabhängigkeit und der nationalen Wirtschaft" zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Repressalien gegen jeden, der sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt, halten seitdem an und verschärfen sich seit Beginn diesen Jahres sogar noch weiter, so die IGFM.

Desolater Zustand der Presse- und Meinungsfreiheit

Auf der Karibikinsel gibt es eine einzige Tageszeitung, die von der Kommunistischen Partei kontrolliert wird. Sämtliche andere Publikationen unterliegen einer strengen Zensur. Staatsunabhängige Journalisten, die trotz allem den Versuch unternehmen, kritisch über die Situation auf Kuba zu berichten, sind wie Cino dauernden Repressalien, in manchen Fällen sogar tätlichen Übergriffen ausgesetzt und leben in ständiger Furcht, inhaftiert zu werden.

Hungerstreik für das Recht auf freien Zugang zum Internet

Von dem brutalen Vorgehen der Regierung sind auch diejenigen Journalisten betroffen, die mithilfe des Internets ihre Artikel der Außenwelt zugänglich machen wollen. Jüngstes Beispiel ist der Fall der staatsunabhängigen Nachrichtenagentur "Cubanacán Press" der die Benutzung eines öffentlichen Internetzugangs am 23. Januar untersagt worden war. Der Leiter der Agentur, der Journalist Guillermo Fariñas, ist aus Protest in Hungerstreik getreten. Er liegt auf der Intensivstation und schwebt zum jetzigen Zeitpunkt in Lebensgefahr, weil die kubanischen Behörden sich weigern, seiner Forderung nach einem erneuten Internetzugang für die Agentur zu entsprechen. Unter diesen Umständen kann von Meinungs- Presse- und Informationsfreiheit auf Kuba keine Rede sein, urteilt die in Frankfurt ansässige IGFM.

Die neuesten Drohgebärden des Castro-Regimes sind Ausdruck einer immer brutaleren Repression gegen unabhängige Berichterstattung. Die Presse- Meinungs- und Informationsfreiheit wird auf Kuba damit mit Füßen getreten, so die IGFM heute in Frankfurt.


****************************


Die IGFM lädt zu einer internationalen Konferenz über Meinungs- und Pressefreiheit auf Kuba
am  5.- 6. Mai 2006 in Königsstein/Taunus ein.
Im Rahmen der Konferenz berichten Betroffene, Angehörige, Zeugen und Experten über die Perspektiven eines demokratischen Wandels auf der Insel.
Das aktuelle Programm der Konferenz ist ab sofort online verfügbar.






 Kuba: 20. Mai - Nationalfeiertag kubanischer Demokraten - 19-05-09 15:52
 Kuba: Zwei "Damen in Weiss" vorübergehend festgenommen - 25-02-09 16:15
 Kuba: Schwer kranker Gefangener vom Hospital in die Todeszelle - 09-06-08 13:27
 Kuba-Wanderausstellung: "Discover (the real) Cuba" - 05-12-07 15:43
 Kuba: Inhaftierter Gewerkschafter Villarreal Acosta in äußerst kritischer Verfassung - 31-10-07 13:47
 Kuba: Gewalt und Terror gegen Regimekritiker - 12-06-07 12:28
 Kuba: Staatssicherheit misshandelt Bürgerrechtler und unabhängigen Journalisten - 09-03-07 13:10
 Kuba: Bürgerrechtler wegen Teilnahme an Gedenkveranstaltung im Jahr 2005 verurteilt - 01-03-07 12:35
 Kuba: Castro-Regierung entzieht drei Auslandskorrespondenten die Akkreditierung - 26-02-07 12:07
 23.11.2006 - Internationaler Tag "Journalisten hinter Gittern" - 22-11-06 15:50
 Kuba: Journalist zu zwei Jahren Hausarrest wegen "gesellschaftlicher Gefährdung" verurteilt - 16-11-06 15:50
 Kubas bekanntestem Journalisten Reise nach Weimar verboten - 15-11-06 16:58
 Kuba: Gewissensgefangene warten seit über einem Jahr auf ein Prozessdatum - 06-10-06 16:05
 Kuba: Genötigt, verhaftet und drangsaliert ? unabhängige Journalisten unter Raul Castro - 29-09-06 14:10
 Kuba: Gasanschlag auf fünfjähriges Kind - 06-09-06 12:11
 Kuba: Journalist beendet Hungerstreik - 01-09-06 17:10
 Deutschland/Kuba: IGFM dankt Weimar - "Menschenrechtspreis für Fariñas Hernández ist das richtige Signal an Castro" - 13-07-06 18:47
 Kuba: Karibische Urlaubsinsel mit 320 politischen Gefangenen - 11-07-06 17:13
 Kuba: Hungerstreikender Journalist seit fünf Tagen ohne Bewusstsein - 08-06-06 14:04
 Kuba: Hungerstreik und künstliche Ernährung - 31-05-06 14:50
 Kuba: Erneut Hungerstreik eines Dissidenten - 04-05-06 18:05
 Kuba: 45 Tage Hungerstreik. Akute Lebensgefahr für Journalisten Fariñas - 16-03-06 12:30
 Kuba: Jorge Oliveras Offener Brief an die politischen Führer der USA, Kanada und der EU - 16-03-06 12:25
 Kuba: Gewalt gegen Bibliothekare  - 23-02-06 14:27
 Kuba: Hungerstreik für freien Zugang zum Internet - 08-02-06 13:32
 Kuba: EU muss sich entschiedener für Menschenrechte auf der Insel einsetzen - 24-11-05 10:30
 Kuba: Systematische Schikanen gegen unabhängige Journalisten - 31-10-05 12:15
 Kuba: Journalist Hernández González erneut in Gefängnishospital verlegt - 23-06-05 12:00
 Kuba: Inhaftierter Journalist gefoltert und mit TBC infiziert - 03-05-05 12:00



<- zurück zur Übersicht

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

designed by WIV-GmbH