|
Chinesische Volkspolizei nimmt bei Razzien Hunderte Tibeter fest - Lhasa und andere Teile des Landes von den chinesischen Behörden abgeriegelt
 Chinesische Truppen in Lhasa. Bildausschnitt. Bild: Andy Wong
Lhasa / Frankfurt am Main (17. März 2008) ? Bei den seit dem 10. März andauernden Protesten in Tibet sollen bereits 300 Menschen umgekommen sein, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die chinesischen Behörden haben den Protestierenden ein Ultimatum gestellt, sich bis Montag Mitternacht freiwillig zu stellen. Währenddessen hatten sie bereits am gestrigen Sonntag mit Razzien in Lhasa begonnen. Lhasa wurde von der chinesischen Polizei mittlerweile abgeriegelt, Telefon- und Internetverbindungen unterbrochen. Eine Ausgangssperre sowie zahlreiche Kontrollpunkte an den Zufahrtswegen zur Stadt und das weitere Aufstocken der chinesischen Truppen sollen das Aufkommen neuer Proteste verhindern. Das kompromisslose Vorgehen der chinesischen Polizei ähnele fatal an die Situation in Lhasa 1989, als wegen der Proteste der Unabhängigkeitsbewegung das Kriegsrecht verhängt worden war, so die IGFM. Die IGFM fordert das IOK auf, nach einem alternativen Austragungsort der Olympischen Spiele zu suchen.
Unter den 300 Toten befinden sich hauptsächlich Mönche aus den Klöstern Sera und Drepung. Man hörte ununterbrochen Schüsse in der Nähe der Klöster, berichteten Exiltibeter. Von diesen außerhalb von Lhasa gelegenen Klöstern aus begannen am 10. März, dem 49. Jahrestags des missglückten Volksaufstandes gegen die chinesische Besatzung, die zunächst friedlichen Proteste. Das gewaltsame Vorgehen der chinesischen Volkspolizei gegen die friedlichen Demonstranten rief zahlreiche weitere Proteste hervor, die an Intensität zunahmen. Ende letzter Woche war der Protest dann schließlich umgeschlagen und Polizeiwagen wurden angezündet. Seitdem kam Tibet und vor allem Lhasa nicht mehr zur Ruhe.
Informationsfluss aus Tibet unterbrochen Auf den Straßen sollen nach Augenzeugenberichten zahlreiche Tote liegen, weil die chinesischen paramilitärischen Truppen wahllos auf Tibeter schießen. Zudem wurden Hunderte festgenommen. Das Reisen innerhalb Tibets ist verboten. Ausländer sollten bereits am Wochenende Tibet verlassen. Die VR China versucht den Informationsfluss über die kritische Lage zu unterdrücken. Seit Sonntagmorgen sind Telefon- und Internetverbindungen in der Stadt und in anderen Teilen Tibets teilweise unterbrochen. Trotz des massiven und gewaltsamen chinesischen Vorgehens kam es am Wochenende noch zu vereinzelten Demonstrationen in Tibet.
Bald Kriegsrecht in Lhasa? Die Proteste sind die Größten seit der Unabhängigkeitsbewegung in Lhasa 1987-1989. Damals wurde über Lhasa das Kriegsrecht verhängt. Noch steht Lhasa nicht unter Kriegsrecht, jedoch ähneln sich das brutale Vorgehen durch die Volkspolizei und die Umstände der Situation von 1989. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte verurteilte die chinesische Unterdrückungs- und Vertuschungspolitik in Tibet und forderte den Boykott der Olympischen Spiele in Peking.
|