22.10.2002 12:47 Uhr

Steinigung: 15.000 Bürger fordern die Bundesregierung zum Handeln auf

Bundesregierung zu internationaler Initiative aufgerufen - Neue Steinigungen im Iran - Islamische Verbände sollen für Ächtung barbarischer Strafen eintreten




Frankfurt/M. (22. Oktober 2002) - Immer neue Fälle vollzogener Steinigungen und Verurteilungen zum Tod durch Steinigung werden bekannt. Dagegen kämpft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deren Appell an die Bundesregierung bereits 15.000 Bürger unterschrieben haben. Wie die IGFM berichtet, wurden am 25. September im Iran neue Steinigungen vollzogen. Dies zeigt nach Auffassung der IGFM, dass der seit 1997 regierende Präsident Khatami nicht die Kraft oder nicht den Willen besitzt, diese barbarische Tötung von Menschen zu verhindern. In Khatamis Regierungszeit wurden 25 Steinigungen bekannt. Siebzehn der Opfer waren Frauen. Im Norden Nigerias sind fünf Menschen zum Tod durch Steinigung verurteilt, darunter die junge Mutter Amina Lawal, deren Steinigung wegen angeblichem Ehebruch im Januar 2004 stattfinden soll, wenn ihr drittes Kind 18 Monate alt wird.

Die Ächtung der Steinigung ist ein Gebot der Menschlichkeit, denn Steinigung ist die barbarische Verknüpfung von Folter, öffentlicher Demütigung und Todesstrafe. Steinigungsurteile sind aus Nigeria, dem Iran, Pakistan und dem Sudan bekannt. In Teilen von Indonesien und Malaysia steht die Einführung der Scharia auf der Tagesordnung. Die Ächtung der Steinigung wird nach Auffassung von Karl Hafen, dem geschäftsführenden Vorsitzenden der IGFM nur möglich, wenn moderate Muslime und die Staaten mit säkularer (nicht religiöser) Rechtsordnung gemeinsam für dieses Ziel eintreten. Die IGFM appelliert daher erneut an die islamischen Verbände in Deutschland, sich weltweit bei ihren Glaubensbrüdern für die Abschaffung der Steinigung und anderer Körperstrafen der Scharia einzusetzen.
IGFM: Schönheitsköniginnen nicht in Gefahr bringen

Aus Protest gegen Steinigungsurteile im Norden Nigerias haben neun Schönheitsköniginnen, darunter die Miss Frankreich und die Miss Belgien, ihre Teilnahme an den diesjährigen Wahlen zur Miss World in Nigeria abgesagt. Die IGFM begrüßt diesen Boykott. Karl Hafen erläutert: "Durch den Boykott helfen die Schönheitsköniginnen, die Öffentlichkeit - vor allem in den EU-Staaten - auf das Schicksal von Amina Lawal und anderer Opfer hinzuweisen. Zugleich begeben sie sich nicht unnötig in Gefahr und lassen sich nicht im Ausland als Ersatzpolitikerinnen missbrauchen!" Hafen weiter: "Die öffentliche Debatte in Deutschland und anderen europäischen Staaten ist Voraussetzung dafür, daß die Regierungen der EU wirklich massiv auf Nigeria einwirken. Die EU-Staaten haben großen politischen Einfluss auf die Entwicklung in Nigeria, denn sie sind der wichtigste Handelspartner des bevölkerungsreichsten Staates in Afrika und sie sind Geberstaaten im Rahmen der Entwicklungshilfe."

Agbani Darego, die noch amtierende Miss World, stammt aus Nigeria. Ihre Wahl hat im vergangenen Jahr in Nigeria keinen Fortschritt im Kampf gegen die Steinigung bewirkt - im Gegenteil! Auch durch die Anwesenheit von ausländischen Schönheiten werden die Machthaber in den zwölf Scharia-Staaten des Nordens ihre Politik nicht ändern. Sie wollen ihr System im gesamten Nigeria durchsetzen und haben bereits dafür gesorgt, dass die Misswahlen in ihrem direkten Machtbereich nicht vom Fernsehen gezeigt werden können. Extremistische Islamisten kündigten darüber hinaus "Störungen" der Wahlveranstaltung an.

Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation will im Rahmen ihrer Kampagne mindestens 100 000 Unterschriften für eine Initiative zur Ächtung der Steinigung in den Vereinten Nationen sammeln und der Bundesregierung vorlegen. Die IGFM wird ihre Jahreshauptversammlung am 6. und 7. April 2003 unter das Motto "Barbarische Strafen ächten - Menschenrechte gelten weltweit!" stellen. Zu den von der IGFM bekämpften barbarischen Strafen zählen nicht nur Steinigungen im Rahmen von Scharia-Urteilen, sondern auch rituelle Tötungen von Menschen nach "Familienurteilen", Hexenverbrennungen im südlichen Afrika oder öffentliche Hinrichtungen in China. Als barbarisch und daher nicht tolerierbar bezeichnete die IGFM aber auch Auspeitschen sowie Amputationsstrafen, die von Scharia-Gerichten ausgesprochen werden. Die IGFM: Eine Ächtung Steinigung durch die Vereinten Nationen ist der Durchbruch zur Abschaffung barbarischer Strafen.






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