|
IGFM: Blutige Botschaft gegen Hrant-Dink-Bewegung
 Am 19.01.2007 wurde in Istanbul Hrant Dink, Schriftsteller und Chefredakteur der armenischen Zeitung AGOS, ermordet. Bild: Getty Images
Frankfurt/M. (18.04.2007) - Mit der Ermordung eines deutschen Christen am Geburtsort des im Januar ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink ist seit Jahresbeginn erstmals ein Ausländer Opfer nationalistischer Kräfte geworden. Mit dem Schnitt durch die Kehle schickten die Mörder nach Meinung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) eine klare Botschaft an alle, die in der Hrant-Dink-Bewegung gegen eine Präsidentschaftskandidatur des als verkappt islamistisch geltenden Ministerpräsidenten Erdogan demonstrieren. Die IGFM befürchtet vor den Präsidentschaftswahlen einen deutlichen Rechtsruck, eine anti-europäische Bewegung und eine Polarisierung der politischen Flügel.
Im ersten Quartal 2007 bekam die christliche Minderheit das Wirken nationalistisch-extremistischer Kräfte in der Türkei deutlich zu spüren. Eine Gruppe "Türkische Rachebrigade" drohte, das Redaktionshaus von Hrant Dinks armenischer Zeitung "Agos" in die Luft zu sprengen. Morddrohungen erhielt auch der armenische Patriarch Mesrob II, der seit der Ermordung des katholischen Priesters Andrea Santoro am 5.2.2006 in Trabzon wie andere Religionsführer in der Türkei von Leibwächtern der Polizei geschützt werden muss.
Besonderes Ziel sind die Priester freikirchlicher Gemeinden, weil ihnen öffentliche Missionierung vorgeworfen wird. Nachdem der freikirchliche Pastor Orhan Picaklar in Samsun an der Schwarzmeerküste Morddrohungen erhalten hatte, wurden am 28.1.2007 die Fenster seiner Agape-Kirche mit schweren Steinen zerstört. Am 17. März 2007 wurde auf den Gemeindevorsitzenden der syrisch-orthodoxen Kirche in Midyat (Tur Abdin) ein nächtlicher Bombenanschlag verübt, der glücklicherweise ohne Personenschäden blieb. In der Zwischenzeit mehren sich die Berichte von Anschlägen gegen Christen in der Südosttürkei.
Als deutliches Zeichen einer Radikalisierung national-islamischer Kräfte wertet die IGFM die sogenannten Gedenkveranstaltungen der Refah-Parteianhänger zu Ehren des als "Armenier-Schlächters" bekannten Abdulhamit I. oder der "Grauen Wölfe", die auf der Istanbul vorgelagerten Insel Kmali schwarze Spruchbänder an die Kirche anbrachten, in der das Sechswochenamt gegen Hrant Dink begangen werden sollte. Keine ultranationalistische Gruppierung wolle augenscheinlich im Moment die Gelegenheit verpassen, unter dem Namen "Nationaler Kampf" Drohungen gegen ethnische Minderheiten und Nicht-Muslime auszustoßen.
Geradezu irreal sei nach Meinung der IGFM der Versuch, den umstrittenen Paragraphen 301 "Verunglimpfung des Türkentums" für die Stigmatisierung von vermeintlichen Gegnern einzusetzen. So mache aktuell der Prozeß gegen die beiden Christen und Konvertiten Hakan Tastan und Turan Topal vor einem Istanbuler Gericht Schlagzeilen, die sich wegen ihres Glaubenseinsatzes nach eben diesem Artikel für die angebliche Verunglimpfung des Türkentums verantworten müssen.
|