19.08.2002 12:05 Uhr

IGFM: Steinigung international ächten!

Steinigungsurteil gegen junge Mutter in Nigeria bestätigt / Diplomatische Zurückhaltung ist im Falle von Steinigungen unangebracht



Nigeria: Scharia-Gericht bestätigt Todesurteil durch Steinigung gegen Amina Lawal


Frankfurt/M. (19. August 2002) - Das Todesurteil durch Steinigung gegen die 30 Jahre alte Amina Lawal, ist heute am 19. August durch ein vierköpfiges Scharia-Gericht im nordnigerianischen Bundesstaat Katsina bestätigt worden. Die Steinigung wird vollstreckt, sobald die Mutter dreier Kinder ihre inzwischen achtmonatige jüngste Tochter abgestillt hat. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fordert die Internationale Gemeinschaft auf, die Steinigung wegen besonderer Grausamkeit als barbarische Strafe zu ächten.

"Einen Menschen mit Steinen totzuwerfen, ist ein barbarischer Akt, er gehört nicht mehr in unsere Zeit", so Karl Hafen, Geschäftsf. Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, "die Steinigung muss international geächtet werden." Die IGFM hatte nach dem ersten Urteilsspruch gegen Amina Lawal den Bundeskanzler aufgefordert, eine Initiative bei den Vereinen Nationen einzubringen, mit dem Generalsekretär einen Plan auszuarbeiten, wie dieses Ziel erreicht werden kann, damit die Strafe als solche beseitigt werde und zukünftige Angeklagte nicht mehr Gefahr laufen, durch diese barbarische Strafmethode hingerichtet zu werden.

Das Auswärtige Amt sieht diese Notwendigkeit nicht, sondern sieht eher Nachteile für die gesamte Menschenrechtsagenda. Mit Schreiben vom 11. Juli 2002 reagierte das Auswärtige Amt darauf wie folgt:

"Deutschland und die EU können etwa im Norden Nigerias durch Druck von außen keine Abschaffung des Scharia-Strafrechts durchsetzen. Es ist dort wie in einigen anderen Regionen der Welt zentraler Bestandteil des religiösen, kulturellen und sozialen Selbstverständnisses der Gesellschaft, so anachronistisch und empörend es uns auch erscheinen mag. ... Die Sitzung der 58. Menschenrechtskommission in diesem Jahr hat diese Befürchtung erneut bestätigt. Als von deutscher Seite die Scharia und insbesondere die Steinigung als schwere Menschenrechtsverletzung kritisiert worden ist, protestierten alle islamisch geprägten Länder gegen diese 'Anmaßung'. Dies wirkt sich für die Menschenrechtsagenda insgesamt ungünstig aus. ... Ein von Deutschland initiierter Vorstoß zur Abschaffung der Scharia in Nigeria oder weltweit würde von der gesamten islamischen Welt als westlicher Bevormundungsversuch und frontaler Angriff auf die eigene Lebensart empfunden werden, gegen den man sich mit aller Erbitterung zu Wehr setzen würde. Eine weitere Radikalisierung der islamistischen Kräfte in den entsprechenden Staaten wäre die Folge. Den Preis würden letztendlich vor allem jene zahlen, die jetzt auf ihre Prozesse vor Scharia-Gerichten warten." (GF08-504.80/7, i.A. Brita Wagener, Ausw. Amt)

Die IGFM protestiert aufs Schärfste gegen diese Anmaßung, denen die Schuld für eine weitere Radikalisierung von Islamisten vorzuwerfen, die sich gegen die Steinigung verwenden, und fordert die Bundesregierung auf, sich endlich mit ganzem Herzen gegen die Steinigung zu verwenden. Den IGFM-Appell haben sich bisher mehrere tausend Bundesbürger angeschlossen.






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