Deutsche Welle Global Media Forum
Bonn, 20 - 22. Juni 2011
World Conference Center Bonn
Platz der Vereinten Nationen 2
D - 53115 Bonn
IGFM Workshop: "Zero tolerance for new censors", 22. Juni 2011
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Das Deutsche Welle Global Media Forum 2011 steht unter dem Titel "Human Rights in a Globalized World - Challenges for the Media" |
IGFM Partnerorganisation der Deutschen Welle
Die Teilnahme als Partner der Deutschen Welle beim Global Media Forum stellt für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) eine sehr gute Möglichkeit dar, ein am Themenbereich Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit hochgradig interessiertes und kompetentes, internationales Publikum zu erreichen.
Am 22. Juni 2011 findet im Rahmen des Forums ein IGFM-Workshop zum Thema "Zero tolerance for new censors: Internet, blogging and the right of free speech" (Keine Toleranz den neuen Zensoren: Internet, Blogging und Recht auf Meinungsfreiheit).
In vielen Ländern werden die Grundrechte der Bevölkerung - und somit ihre Menschenrechte massiv eingeschränkt. Die meisten Regierungen bestehen auf ihr "Recht" die Kommunikation und den Informationsaustausch unter Umständen einzuschränken. Einige dieser Beispiele sind China, Kuba und Venezuela. Die technischen Entwicklungen und Erfindungen, oftmals durch deutsche Software und Vorrichtungen unterstützt, tragen dazu bei, den freien Austausch von Informationen zwischen oppositionellen Gruppierungen zu kontrollieren, einzudämmen und zu unterbinden. Durch die Verwendung von hochentwickelten Vorrichtungen und Softwaremodulen können Regimes gegen die Veröffentlichung von Informationen vorgehen. "Neue Zensoren" zielen maßgeblich auf das Internet ab - und so auf Blogs, Facebook und Twitter.
Informationsfreiheit
Im Rahmen des Workshops wird die IGFM einen Schwerpunkt darauf legen, dass jeder Mensch das Recht auf freien Zugang zu Informationen hat. Durch die Diskussion mit Gästen und Publikum wird die IGFM etwas Licht in das Dunkel der Situation in den Ländern Iran, Venezuela, China und Kuba bringen und die dort herrschenden Zensurmethoden darstellen. Zudem sollen Methoden entwickelt werden, wie diese Menschenrechtsverletzung umgangen werden kann. Ein Ziel des Workshops ist es dem Teilnehmer einen Einblick in diese Art der Menschenrechtsverletzung zu geben - und in ihm das Bedürfnis zu wecken, sich zu engagieren und aktiv zu werden.
Expertendiskussion beim IGFM-Workshop
Die IGFM hat Experten eingeladen, die aus der Perspektive ihres eigenen Landes bzw. Tätigkeit die Situation und Schwierigkeiten darstellen:
- Houshang Asadi (Iran)
- Néstor Rodríguez Lobaina (Kuba)
- Lamasiel Gutiérrez Romero (Kuba)
- Peter E. Müller (Deutschland / China)
Houshang Asadi, Autor, Iran
Houshang Asadi, geboren 1950, ist Journalist, Schriftsteller und Übersetzer. Unter dem Regime des Schahs wurde er mehrmals inhaftiert und teilte seine Zelle u. a. mit Khamenei und Mehdi Karroubi. Nach der Islamischen Revolution 1979 ging die Verfolgung Asadis weiter. 1983 wurde er verhaftet und kam in das berüchtigte Moshtarek-Gefängnis, wo er sich fast zwei Jahre lang in Einzelhaft befand. Um zu überleben "gestand" Houshang unter Folter, als "Spion für den britischen und den sowjetischen Geheimdienst" tätig gewesen zu sein. Er wurde zum Tode durch den Strang verurteilt, später wurde sein Todesurteil in 15 Jahre Haft umgewandelt. Nach sechs Jahren Haft kam er frei; 2003 gelang ihm die Flucht aus dem Iran. Jetzt lebt Houshang Asadi mit seiner Frau im Pariser Exil. Hier war er Mitbegründer der einflussreichen regimekritischen persisch-sprachigen Website "roozonline.com". 2010 erschien sein Buch "Letters to my torturer", in dem er seine Erfahrungen in iranischen Gefängnissen beschreibt und das Anfang Juni mit dem Human Rights Book Award 2011 ausgezeichnet wurde.
Néstor Rodríguez Lobaina, Opposition, Kuba
Auf Druck der katholischen Kirche und der spanischen Regierung begann 2010 in Kuba eine "Freilassungswelle", die die sogenannte "Gruppe der 75" betraf - 2003 verhaftete und bis zu 28 Jahren Gefängnis verurteilte politischen Gefangenen. Obwohl Rodríguez Lobaina kein ursprünglicher Teil dieser Gruppe war, wurde er auf öffentlichen Druck im April 2011 freigelassen und ins spanische Exil abgeschoben.
Er ist einer der Gründer der kubanischen Jugendbewegung für Demokratie (MCJD-Movimiento Cubano de Jóvenes por la Democracia), die 1991 in Baracoa, Guantanamo entstand. Infolge zahlreicher Verhaftungen wegen seiner friedlichen aber aktiven Opposition zum Regime summierten sich seine Haftzeiten auf insgesamt ca. 10 Jahre, die er im Gefängnis war. Seine letzte Inhaftierung fand ohne Angabe von Gründen Anfang Dezember 2010 statt. Anfang 2011 befand er sich aus Protest gegen die Haftbedingungen 24 Tage lang in Hungerstreik. Eine offizielle Erklärung zum Grund seiner Inhaftierung steht bis heute aus. Derzeit lebt er mit seiner Frau und seiner 6 Monate alten Tochter in einem Gästehaus in Málaga. Versorgt werden sie vom Roten Kreuz. Rodríguez Lobaina arbeitet an seinem Buch "Zwischen Terror und Schatten", in dem er seine Erfahrungen in Kubas GULag beschreibt.
Lamasiel Gutiérrez Romero, Journalistin, "Dame in Weiß", Kuba
Frau Gutiérrez Romero wurde 1969 in Kuba geboren. Die im wötlichen Sinne "lebenslange Menschenrechtsaktivistin" musste seit ihrer frühen Jugend "Umerziehungslager" überstehen. Sie heiratete Rolando Jiménez Posada, den kubanischen Menschenrechtler und Rechtsanwalt, mit dem sie 1998 ein Kind bekam. 2003 wurde Rolando während des sogenannten "Schwarzen Frühlings" mit weiteren 74 Regimekritikern und Menschenrechtlern ("Gruppe der 75") verhaftet und zu 12 Jahren Haft verurteilt. Während seiner Inhaftierung wurde Frau Gutiérrez Romero aktives Mitglied der Gefangenenhilfsorganisation "Damen in Weiß" und war als unabhängige Journalistin tätig. Unter anderem arbeitete sie für "The New Cuban Press" und "Radio y TV Marti". Daraufhin wurde auch sie verhaftet und in das "Manto Negro" Gefängnis gesperrt. 2010 war sie gezwungen, mit Jiménez Posada ins Exil zu gehen. Zurzeit arbeitet sie als Journalistin für "Miscelaneas de Cuba", einem unabhängigen Online-Magazin, sowie für Cubanet, wobei Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat nach wie vor Schwerpunkt ihrer Berichterstattung bilden.
Peter E. Müller, Radio Humanity, Deutschland
Peter E. Müller ist Direktoriumsmitglied von "Radio Humanity - Messages to Political Prisoners" und Leiter des IGFM Hong Kong Watch. Er ist ein ausgewiesener Experte und Kenner der VR China und seit vielen Jahren der europäische Vertreter der Laogai Foundation - einer Stiftung, die sich mit der Geschichte und der Gegenwart des chinesischen Strafvollzugs/Laogai befasst und vom chinesischen Menschenrechtler Harry Wu geleitet wird.
Andere Themen des Global Media Forums 2011
Das diesjährige Global Media Forum steht unter dem Titel "Human Rights in a Globalized World - Challenges for the Media". Das vollständige Programm finden Sie hier: http://www.dw-world.de/dw/0,,14097,00.html
Folgende Themen werden deshalb behandelt:
- Wie können Medien den gewachsenen Anforderungen an Information, Analyse und Bewertung globaler Zusammenhänge besser gerecht werden?
- Wie können sie nachhaltig dazu beitragen, das Bewusstsein für die weltweite Geltung der Menschenrechte zu schärfen?
- Wie können sie die Achtung und Durchsetzung dieser Rechte fördern - gerade in geschlossenen Gesellschaften?
- Wie können sich Journalisten davor schützen, selbst Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden?
Diese Fragen werden in Plenen und Workshops bearbeitet:
Plenum:
- Development and Human Rights - what can the media do?
- Global enterprises and human rights
- Advocacy vs. objectivity - media and human rights
Workshops (eine Auswahl)
- Echte Sicherheit und Menschenrechte in einer globalisierten Welt
- Nahrung vs. Kraftstoff - Das Recht auf Nahrung und die Rolle der Medien
- Stolz und Vorurteil bei der Berichterstattung über Rechtsverletzungen
- Arbeitswanderung und ihre verborgenen Themen: Ein Auftrag für internationale Medien
- Würde: Die Öffentlichkeit für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte interessieren
- Kann investigativer Journalismus die Menschenrechte bedrohen?
- Die Verantwortlichkeit von Gemeinden für Menschenrechte sowie der Beitrag lokaler Medien
- Human trafficking - stopping one of the worst forms of international crime
- Vielfältigkeitsworkshop für Medienmitarbeiter
- Islamic media in a secular environment and vice versa
- Promoting press freedom in Africa?s newest country, South Sudan
- Die Menschenrechte mithilfe von Filmfestivals und Videoportalen populärer machen
- Nachrichten aus dem Exil - Arbeiten für die Medien in der Diaspora
- Prävention oder Opferausbeutung? Weltweite Strukturen und Herausforderungen für die Medien
Des Weiteren werden eine Vielzahl weiterer Workshops und Diskussionsforen geboten.

















