Pakistan bezeichnet sich als islamische Republik, in der die islamische religiöse Pflicht, die Armen zu unterstützen (Zakat), vom Staat in Form einer Steuer übernommen worden ist. Muslime zahlen für Muslime, Christen wird die Abgabe nicht abverlangt, also haben sie im Falle von Bedürftigkeit keinen Anspruch auf Hilfe durch den Staat. Christen sind nicht gleichberechtigt, nur wenige schaffen es, die Schule zu besuchen, und noch weniger den Abschluss eines Studiums mit der Aussicht auf ein gutes Einkommen.
Bei einem Bevölkerungsanteil von unter 3% zählen die Christen zwar immer noch eine messbare Zahl von Bürgern, die sogar im Parlament vertreten ist, aber der überwiegende Teil sind Analphabeten und Tagelöhner oder sogar Schuldsklaven. Die einstige Domäne christlicher Frauen, in Krankenhäuser oder in anderen sozialen Berufen arbeiten zu können, ist durch die zunehmende Islamisierung mit den Jahren zusammengebrochen. Muslime wollten sich nicht mehr von Christinnen versorgen lassen.
"Wenn das tägliche Brot nicht mehr gesichert werden kann, können sich viele Eltern nicht mehr auf das Wohlergehen der Kinder konzentrieren; sie verlieren das Interesse an den Kindern, erst recht, wenn die Kinder behindert sind. Wenn der Vater stirbt, hat die Mutter kaum Chancen, ihre Kinder zu versorgen; eine Arbeit findet sie heute nicht mehr. Kommen beide Eltern zu Tode, wollen sich die Angehörigen nicht mehr um die Kinder kümmern. Sie entscheiden sich, die Kinder "wegzuwerfen" oder sie zu verkaufen. Der Staat hat keine Mittel, diesen Kindern zu helfen."
(Aneeqa Akthar, Mai 2009, per E-Mail)
Wer steht hinter "Voice"?
Das Patenschaftsprojekt "Voice" wird geführt von der pakistanischen Rechtsanwältin Aneeqa Maria Akthar, die bereits als Studentin die Verpflichtung fühlte, sich für solche christlichen Kinder einzusetzen, die als Waisen, behinderte oder ausgesetzte Kinder nicht in den Genuss familiärer oder staatlicher Fürsorge kommen können. Der pakistanische Staat sieht sich als islamische Republik und gegenüber anders- und nichtgläubigen pakistanischen Bürgern in sozialen Anliegen nicht verpflichtet. Anders- und Nichtgläubige haben zudem nicht die gleichen Rechte. Sie genießen weder Religionsfreiheit noch gleiche Rechte als Bürger des Staates Pakistan. In der durch strenggläubige, fanatische und extremistische Muslime aufgeheizten Stimmung sind Anders- und Nichtgläubige Ihres Rechts auf körperliche Unversehrtheit und ihres Rechts auf Eigentum nicht sicher; das gilt in ganz besonderem Maße für Mädchen und Frauen. Die unsichere Lage in Pakistan hat in relativ kurzer Zeit zu einem enormen Anstieg von objektiv Armen unter der christlichen Bevölkerung geführt.
Es sind derzeit knapp 100 Kinder, für die "Voice" die Verantwortung übernommen hat. Die Hilfe hat sich herumgesprochen: Die Zahl der hilfesuchenden Kinder steigt, erst recht aber die Zahl der hilfebedürftigen Kinder.
Folgende Aufgaben und Ziele verfolgt"Voice":
- behinderten Kindern helfen durch monatliche Besuche, praktische Hilfen und pastorale Sorge
- den Familien behinderter Kinder in gleichem Umfange beistehen; sie unterstützen durch finanzielle Hilfe für Medikamente, Therapien, spezielle Ernährung, Kleidung, und ähnliche Hilfen
- Waisenkindern beistehen bei der Suche nach einem neuen Zuhause
- Treffen mit den Kindern, behinderte und nichtsbehinderte, organisieren, damit sie ihre Nöte und Sorgen äußern können; Gebetstreffen mit Kindern durchführen
- Waisen helfen, damit sie eine ordentliche Erziehung genießen und technische Fähigkeiten erlernen; mit den Kindern regelmäßig den Kinderarzt besuchen, sie ordentlich einkleiden
- den Kindern zuhören, ihre Lebensgeschichten aufschreiben und ihren Werdegang verfolgen durch Berichte über ihre Entwicklung; insbesondere bei Straßenkindern beobachten, was sie sich vorstellen, was sie wünschen und fühlen
- Straßenkinder und solche Kinder, die arbeiten müssen, befähigen, selbst für ihre Rechte als Kinder einzutreten
- verwundeten Kinderseelen eine Stimme geben und versuchen, die Umstände ihres Daseins grundlegend zu ändern
- Kindern die Möglichkeit geben, ihr Potential entwickeln zu können
- mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, um für die Kinder einen landesweiten Schutz zu ermöglichen.
Umsetzung und Verwaltung der Patenschaft
Pakistan ist ein armes Land; das Durchschnittseinkommen einer Familie beträgt deutlich unter 200 " im Monat. 40 " pro Patenkind und Monat garantieren daher Sicherheit für Versorgung und Entwicklung der Patenkinder. Aufgrund eines sicheren Weges, die Patengelder zu "Voice" zu bringen, werden wir das Geld monatlich überweisen. "Voice" hat sich verpflichtet, regelmäßig zu berichten. Das wird erfahrungsgemäß im frühen Stadium der Patenschaft häufiger sein. Jedoch aufgrund der Tatsache, dass wir mit ?Voice? in englischer Sprache problemlos kommunizieren können, können wir auch Nachfragen rascher beantworten. Wenn Frau Akthar in Deutschland zu Besuch ist, werden wir Sie unterrichten.
Die Arbeit derjenigen, die sich auffällig um Christen kümmern, bleibt nicht unentdeckt; sie erzeugt bei einigen Neid und Hass. Menschenrechtsverteidiger, zu denen Frau Aneeqa Maria Akthar zählt, laufen daher Gefahr, Ziel von Verfolgung und Nachstellungen zu werden. Im vergangenen Jahr hatte die IGFM Frau Aneeqa Maria Akthar in Frankfurt Schutz angeboten, nachdem sie massiv bedroht worden war. Frau Akthar blieb über ein halbes Jahr bei der IGFM, bis sie den dringenden Wunsch hatte, wieder in ihre Heimat zurückzukehren, um verfolgten Christen als Rechtsanwältin vor Gericht und den Kindern helfen zu können Das verdient unseren höchsten Respekt und unsere Unterstützung.
Mit einem Aufwand von ca. 4.500 pakistanischen Rupien monatlich, das sind etwa 40 Euro, kann der tägliche Bedarf für Erziehung, Ernährung, Kleidung und medizinische Versorgung gewährleistet werden.
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