Frauen im Iran - Bürgerrechte nur für Männer?


von Katrin Wittig

 

Die Hoffnung trog, dass der Iran unter Staatspräsident Seyyid Mohammed Khatami einen neuen islamischen Weg einschlagen würde, der Reformen durchsetzen und die Frauen der Gleichberechtigung ein entscheidendes Stück näher bringen könnte. Immerhin hatte Khatami seine Wahl auch der weiblichen Bevölkerung zu verdanken. Stattdessen dient das iranische Recht weiterhin dazu, die Ungleichheit zwischen Mann und Frau zu zementieren.

 

Mit der Machtübernahme der Geistlichkeit im Jahre 1979 waren viele Gesetze aus der Schah-Zeit abgeschafft worden, die die Frauen auf ein und dieselbe rechtliche Stufe mit dem Mann stellten. Stattdessen wurde eine neue, angeblich islamische Frauenrolle propagiert und das Frauenrecht reformuliert. Das Tragen des Kopftuchs wurde zur Pflicht, das Recht auf Scheidung und das Sorgerecht geschiedener Frauen für ihre Kinder eingeschränkt, das Mindestalter für die Verheiratung von Mädchen wurde zunächst auf 13 und später auf neun Jahre herabgesetzt, die Polygamie wurde erlaubt und die Frauen hatten sich dem Willen ihres Mannes unterzuordnen. Während die Frauen viele ihrer Bürgerrechte verloren, blieben ihnen aber die politischen Partizipationsrechte erhalten - beispielsweise das Wahlrecht.

 

Allerdings ist es selbst dem Iran nicht möglich, sich vor allen westlichen Einflüssen zu schützen. Schon längst hört die junge Generation auf den Basaren westliche Musik oder richtet in Privatwohnungen Disko-Veranstaltungen aus, in denen Männer und Frauen nach westlichen Rhythmen miteinander tanzen können. Als einen Fortschritt erachten die Frauen bereits die Tatsache, dass sie eine Haarsträhne unter ihrem Kopftuch hervorlugen lassen dürfen, ohne deswegen gleich in Polizeigewahrsam genommen und schlimmstenfalls sogar ausgepeitscht zu werden. In einigen Mädchenschulen dürfen die Kinder während der Unterrichtszeit sogar den Schleier ablegen - allerdings nur, wenn das Klassenzimmer nicht von außen einzusehen ist.

 

Das neu gewonnene Selbstbewusstsein der Frauen äußert sich beispielsweise darin, dass Frauen immer häufiger die Scheidung einreichen. Der Iran gehört zu den Staaten mit der höchsten Scheidungsquote. Weil es allerdings an den Familiengerichten in Teheran keine einzige Richterin gibt, fallen fast alle Urteile zu Gunsten der Männer aus - diese Urteile verstoßen teilweise sogar gegen das Gesetz, wenn es sich beispielsweise um Unterhaltsstreitigkeiten handelt.

 

Darüber hinaus eröffnen sich den Frauen in den Großstädten neue Berufsfelder. Ihnen gelingt teilweise sogar der Einsteig in die Domäne der reinen Männerberufe - beispielsweise in die Ingenieurbranche. Allerdings bleibt den Frauen bislang fast völlig verwehrt, aktiv in das politische Geschehen des Landes einzugreifen. Bei den Wahlen vom Februar 2004 waren unter den insgesamt 287 Abgeordneten lediglich 13 Frauen.

 

Auf dem Land hat sich im Vergleich zu den Großstädten wenig verändert. Die strengen patriarchalischen Strukturen bestehen weiter und die Macht der Mullahs bleibt weiterhin fast ungebrochen. Alte Stammesriten und männlich-chauvinistisches Verhalten bestimmen den Alltag. Immer wieder wird von Fällen berichtet, in denen Frauen wegen Verletzung der Familienehre getötet oder von ihren Familienmitgliedern verstoßen wurden.

 

Vor allem die Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen nehmen im Iran nicht ab. Bilder gingen um die Welt, die Steinigungen von gerichtlich verurteilten Ehebrecherinnen zeigten. Die typischen Merkmale eines theokratischen Herrschaftssystems, das sich im Besitz der alleinigen Macht wähnt, treten hier offen zutage.

 

Stand: Januar 2005

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