Frei: Pakistanischer Christ und seine Tochter wegen "Blasphemie" über ein Jahr in Haft


Einwohner von Gojra demonstrierten Anfang August 2009 gegen das pakistanische Blasphemiegesetz. Bild: Claas

Der pakistanische Christ Gulshare Masih, geboren 1968, und seine Tochter Sandal Gulshare, geboren 1989, sind am 14. Dezember 2009 nach über einem Jahr im Gefängnis gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Beide stammen aus dem Dorf Gojra Chak in der Nähe von Faisalabad. Fanatische Muslime, die wiederholt ortsansässige Christen eingeschüchtert hatten, behaupteten am 9. Oktober 2008, Sandal Gulshare und ihr Vater hätten angeblich Seiten aus einem Koran gerissen und sich somit der Blasphemie schuldig gemacht. Beweise für die Tat gab und gibt es nicht.

Der Vorwurf wurde über Moschee-Lautsprecher verbreitet. Daraufhin umringten etwa 500 fanatische Muslime das Haus der Familie und bewarfen es mit Steinen. Als der aufgebrachte Mob das Haus niederbrennen wollte, schritt die Polizei ein und verhaftete Gulshare und Sandal, nach Angaben der Polizei - zu deren "eigenem Schutz". Soweit bekannt, wurde von den Angreifern niemand belangt.

Unter dem Druck der Fanatiker wurden Vater und Tochter nach Art. 295 B des pakistanischen Strafgesetzes angeklagt. Nach diesem Artikel kann "Blasphemie" in Pakistan mit lebenslanger Haft und sogar mit Hinrichtung bestraft werden. Später wurde der Vater in das Bezirksgefängnis für Männer und seine Tochter ins Bezirksgefängnis für Frauen in Faisalabad überführt. Gulshare Masihs Frau hielt sich mit den anderen sieben Kindern in einem Versteck auf.


Blasphemiegesetz in Pakistan weiter in Kraft

Nach Einschätzung der IGFM wird das Blasphemiegesetz dazu missbraucht, gegen die christliche Minderheit vorzugehen. Von den ca. 156 Millionen Einwohnern des Landes sind 96 Prozent Muslime, 2,3 Prozent Christen und 1,5 Prozent Hindus. Bitte setzen Sie sich beim pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari für die Abschaffung des Art. 295C des pakistanischen Strafgesetzes sowie anderer Gesetze ein, die die nichtmuslimischen Minderheiten diskriminieren. Minderheitenminister Shabaz Bhatti hatte im Januar 2009 die Streichung solcher Gesetze öffentlich in Aussicht gestellt, ohne dass die Regierung bisher Schritte in diese Richtung unternommen hat.

[Unterschriftenliste zur Abschaffung des Blasphemiegesetzes, pdf, 64 kB ...]

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