Houshang Asadi: "Letter to my Torturer" - eine Rezension


Houshang Asadi
Houshang Asadi
Nach vielen Jahren in Haft, unter dem Schah genauso wie nach der Revolution unter Khomeini, sowie einer Verurteilung zum Tode, entstand das Buch "Letter to my torturer" im französischen Exil.
Nach vielen Jahren in Haft, unter dem Schah genauso wie nach der Revolution unter Khomeini, sowie einer Verurteilung zum Tode, entstand das Buch "Letter to my torturer" im französischen Exil.

Von Daniel Holler, IGFM

IGFM- Report: Menschenrechte im Iran, 3/2011


Houshang Asadi, ein politischer Aktivist gegen das Schah-Regime, war schon Anfang der 1970er Jahre das erste Mal im Gefängnis. Als ein Unterstützer der Islamischen Revolution und ein Zellengenosse von Ayatollah Khamenei betrachtete er seine Inhaftierung anfangs als einen Fehler, ein Missverständnis. Jedoch irrte er sich.

Nach vielen Jahren in Haft, unter dem Schah genauso wie nach der Revolution unter Khomeini, sowie einer Verurteilung zum Tode, entstand das Buch "Letter to my torturer" im französischen Exil. Das Buch blickt zurück auf Asadis außergewöhnliche und äußerst leidvolle Erfahrungen in den berüchtigsten Gefängnissen des Iran. Man verweigerte Asadi seine Daseinsberechtigung als Mensch, er wurde gezwungen wie ein Hund zu bellen, seine eigenen Exkremente zu essen und unterzog ihn schlimmster physischer und psychischer Folterungen. Sein Folterer, "Brother Hamid", war Herr über Leben und Tod.

Besonders deutlich werden die perfiden Ausmaße der angewandten Foltertechniken durch Einschübe an Nettigkeiten. Wenn er über seinen Folterer schreibt: "Little Lion", "your voice has become gentle again". Gerade der Einsatz von Freundlichkeiten und Härte scheint die Situation der Gefangenen unerträglich zu machen.

Das Buch, in welchem jedes Kapitel in Form eines Briefes verfasst ist, beschreibt in ergreifenden und drastischen Worten Asadis Gefühle heute während des Schreibens, sowie damals während er die niedergeschriebenen Worte aktiv erleben musste. Ob er die Zelle mit dem heutigen Ayatollah Ali Khamenei teilte, mit Mehdi Karroubi, mit verschiedenen Oppositionellen oder gar 682 Tage in Einzelhaft verbrachte - Asadi beschreibt die Szenen deutlich, ohne jedoch ins übermäßig Dramatische, Mitleidheischende zu geraten.

Relativ nüchtern wird der Leidensweg beschrieben. Asadi, der als ehemaliges Mitglied der kommunistischen Tudeh Partei, gleichzeitig der Spionage für Russland und England beschuldigt wurde, bekommt zwei Herzanfälle während er seine Erinnerungen in Worte fasst. Der Irrsinn der unter Folter erpressten "Geständnisse" wird deutlich beschrieben - wer kann nach der Lektüre eines solchen Buches noch wirklich an den Sinn solcher Behandlungen und der dadurch gewonnen "Erkenntnisse" glauben?

Besonders gelungen scheint mir der Schreibstil: Briefe an seinen ehemaligen Folterer Bruder Hamid und an jedem Anfang ein kursiv gehaltener Einschub. So fällt dem Leser das Lesen leicht - und dies ist gerade bei einem solch schwierigen und emotionalen Thema wichtig. Der Leser muss die Möglichkeit haben, Pausen zu machen. Nur so kann man ein zu tiefes Eintauchen in diese dunkle Seite des Iran vermeiden.

Für den Leser bleibt es auch über das Ende des Buchs hinaus unverständlich wie ein Mann so viel schlimme Erfahrungen machen und doch auch psychisch überleben kann - und nicht daran zugrunde geht. Ich durfte Herrn Houshang Asadi während der Jahreshauptversammlung der IGFM erleben und auch interviewen. Herr Asadi ist ein äußerst sympathischer Mann, mit einem leuchtenden Lachen in den Augen und zu Späßen aufgelegt.

Aufgrund großer Aktualität - noch immer werden Politisch-Andersdenkende willkürlich inhaftiert - hat dieses Buch einen großen Informationswert.

Abschließend bleibt allein anzumerken: die Verwendung einer Vielzahl an Endnoten unterbricht den interessierten Leser im Lesefluss. Dies mag manchen Leser stören, jedoch empfinde ich dies als eine gute Möglichkeit, die Grausamkeiten des Gefängnisalltags von Herrn Asadi für einen kurzen Moment zu verlassen und einmal tief durchzuatmen bevor man wieder in die Thematik eintaucht.

Allen Lesern und an der Thematik Interessierten ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Verleger bald eine deutsche Übersetzung auf den Markt bringen, um so auch den deutschen Lesern dieses Buch nicht weiter vor zu enthalten.

 

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