IGFM-Grußwort bei der Kundgebung für Religionsfreiheit und Menschenrechte


Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte begrüßt alle Teilnehmer der Demonstration und der Kundgebung für Religionsfreiheit und Menschenrechte

 

Frankfurt/M., 12. März 2011

 

 

 

 

 

Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender, IGFM

In zahlreichen Ländern - in Saudi-Arabien, in Ägypten, in der Türkei, im Iran und Irak, in Afghanistan, in Teilen Indiens, in den Volksrepubliken China, Vietnam und Nordkorea, in einigen nord-, ost und schwarzafrikanischen Staaten, sogar in Israel - genießen Christen nur eingeschränkte Bürger- und Menschenrechte. In einigen Staaten werden sie offen angegriffen, wenn sie ihr Recht, sich friedlich zum Zwecke des Gebets zu versammeln, Gebrauch machen wollen.

Insbesondere in islamischen Staaten werden sie vor Gericht anders behandelt, nämlich die Männer als Bürger mit halbem Recht, ihre Frauen gar nur mit einem Viertelrecht der muslimischen Mehrheitsgesellschaft. In Saudi-Arabien, im Iran und anderen Staaten wacht eine Religionspolizei darüber, dass die geringeren Rechte geachtet werden. Wer dagegen aufbegehrt, den erwarten schwere Bestrafung und gesetzlich sanktionierte Prügel.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem aus Pakistan nicht eine Meldung kommt, dass wieder einmal ein Christ aus Habgier und anderen niederen Beweggründen der Blasphemie bezichtigt wurde und die Polizei den Christen in Haft nehmen muss, damit er vom Mob nicht an Ort und Stelle gelyncht wird. Rechtsanwälte reißen sich darum, den Mörder des einzigen christlichen Ministers Shabhaz Bhatti verteidigen zu dürfen, während sich Staatsanwälte weigern, den Mörder unter Anklage zu stellen!

Und selbst in der Türkei, die von uns die Öffnung aller Türen nach Europa erwartet, werden Christen benachteiligt, ausgegrenzt und mit pseudorechtstaatlichen Mitteln bestohlen wie das älteste aktive Kloster der Welt, dem man große Ländereien geraubt hat und mittels scheinheiligen Vergleichen solange rauben wird, bis der letzte Christ vertrieben worden und man endlich mit der vergangenen Kultur der Christen Touristen das Geld aus der Tasche ziehen kann.

Lange haben wir zugesehen, appelliert oder um des lieben Friedens willen geschwiegen und für die Opfer gebetet, aber es wurde ärger und ärger. Wir haben - hochrichterlich abgesegnet - erkennen müssen, dass es eine positive Religionsfreiheit und eine negative Religionsfreiheit gibt; eine Religionsfreiheit, die ich wahrnehmen kann und eine, mit der man meine einschränken darf. Man will die Christen der Lächerlichkeit preisgeben, wenn sie darum kämpfen müssen, dass das Zeichen ihres Glaubens, das Kreuz, in öffentlichen Gebäuden abgehängt werden muss, weil der Wille eines einzelnen den Willen der Mehrheit brechen kann. Wir sollen immer nur als Menschen kommen und nicht sagen, dass wir als Christen Anerkennung als gleiche Bürger fordern, während andere ihren Glauben vor sich hertragen und sich jeder Kritik daran widersetzen dürfen. Mit welchen Augen sehen uns wohl die Christen in Pakistan oder Nigeria, wenn hier ein Kreuz abgehängt werden muss, aber über das Tragen der Burka diskutiert werden kann?

Das geht auf die Dauer nicht gut; es stärkt den einen und verletzt den anderen. Die einen fühlen sich als Opfer, während die anderen ihre Täterschaft nicht erkennen wollen. Irgendjemand dreht damit an den Schrauben der Sicherheit und des Lebens der Christen in vielen Ländern.

Die schweren Übergriffe auf die koptischen Christen in der Neujahrsnacht haben viele Menschen bewegt und uns letztendlich hier zusammengeführt. In den nordafrikanischen und arabischen Staaten hat sich seither viel getan, aber bis auf unverbindliche Worte - dass jetzt alle Christen und Muslime Ägypter seien - gibt es keine offizielle Verlautbarung, dass man ihnen gleiche Rechte gewährt und sei es nur, dass die Christen eine von Verfall bedrohte Kirche oder einen Zaun um eine Kirche herum legal reparieren dürften. Und in der Türkei ist nicht damit zu rechnen, dass auch nur ein Verfahren gegen einen Christenmörder beschleunigt wird!

Lange haben wir uns von den Politikern sagen lassen, dass wir nicht die Christen, sondern nur die Menschen in den Opfern sehen sollen.

Um nicht missverstanden zu werden: Religionsfreiheit ist kein Sonderrecht für Christen, sondern ein Menschenrecht für alle und es schützt Muslime, Hindus, Buddhisten und Nichtreligiöse und Atheisten genauso gleichermaßen.

Die Solidarität mit den aktuell unterdrückten Christen verlangt aber von uns, dass wir uns jetzt für sie einsetzen.

Dazu fordere ich Sie auf, dazu lade ich Sie ein. Kommen Sie zu uns, machen Sie mit. Setzen Sie sich mit uns für die Religionsfreiheit und für die verfolgten Christen ein, egal, wo sie verfolgt werden. Lasst uns den Verfolgten hier und heute ein Denkmal setzen!



Karl Hafen
Geschäftsf. Vorsitzender
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte
Borsigallee 9
60388 Frankfurt

 

 

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

designed by WIV-GmbH