Venezuela: Politisch Verfolgte Maria Lourdes Afiuni in Haft vergewaltigt

Untersuchungsrichterin noch immer unter Hausarrest

Maria Lourdes Afiuni

Frankfurt am Main / Caracas (27. November 2012) - Das Schicksal einer der bekanntesten politischen Gefangenen Venezuelas ist offenbar noch tragischer als bisher angenommen. Wie die Richterin Maria Lourdes Afiuni in einem neuen Buch gegenüber einem Journalisten berichtet, ist sie während ihrer Inhaftierung im Frauengefängnis INOF nahe Caracas zwischen 2009 und 2011 immer wieder vergewaltigt worden. Richterin Afiuni steht noch immer unter Hausarrest und darf sich persönlich nicht öffentlich zu ihrem Fall äußern, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Wie Afiunis Anwalt mitteilte, sei der Richterin von ihren Psychologen geraten worden, die Vergewaltigung zunächst nicht öffentlich zu machen. Allerdings wüssten sowohl Präsident Hugo Chávez als auch die Vereinten Nationen schon seit längerer Zeit davon. Ein jetzt erschienenes Buch über den Fall Afiuni berichtet, dass der Richterin wegen Verletzungen in Folge der Vergewaltigung der Uterus operativ entfernt wurde. Weiterhin habe Afiuni dem Buchautor und bekannten venezolanischen Journalisten Francisco Olivares davon berichtet, durch Mitgefangene schwere körperliche Misshandlungen wie Tritte und Schläge erlitten zu haben. Über die Identität der Personen, die an den Vergewaltigungen und den sonstigen Misshandlungen beteiligt waren wurde nichts bekannt.

IGFM-Informationen zufolge war die Untersuchungsrichterin Maria Lourdes Afiuni im Jahr 2009 inhaftiert worden, nachdem sie bei einem Haftprüfungstermin den Bankier Eligio Cedeno auf freien Fuß gesetzt hatte, was dieser zur Flucht in die USA nutzte. Präsident Hugo Chávez hatte daraufhin im Fernsehen öffentlich 30 Jahre Haft für die Richterin verlangt. Im Jahr 2010 wurde sie mehrerer Delikte, darunter des angeblichen Machtmissbrauchs und Korruption angeklagt. 2011 wurde Afiuni aus gesundheitlichen Gründen aus der Untersuchungshaft entlassen und befindet sich seitdem unter Hausarrest. Neben der IGFM erkennen zahlreiche andere Menschenrechtsorganisationen Maria Lourdes als politische Gefangene an. Auch die UN-Sonderberichterstatterin für die Unabhängigkeit von Richtern und Anwälten, Gabriela Knaul, kritisierte den Prozess gegen Afiuni als "willkürlich".


Weitere Informationen unter:
www.menschenrechte.de

 

Facebook-Seite der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte:
https://www.facebook.com/igfmdeutschland

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