IGFM-Pressekonferenz: Das Castro-Regime täuscht die EU


Bilanz der sechs Monate nach Beginn der Präsidentschaft von Raúl Castro: IGFM dokumentiert Folter und katastrophale Zustände für Gefangene



 

Raúl Castros GULag wächst.

 

Das Raúl Castro-Regime täuscht die Europäische Union. Ein halbes Jahr nachdem Kuba am 28. Februar 2008 zwei Internationale Pakte der Vereinten Nationen unterzeichnet hat, macht die IGFM auf die unverändert verheerende Meschenrechtslage auf Kuba aufmerksam. Seit der offiziellen Machtübernahme von General Raúl Castro am 24. Februar 2008 ist die Selbstdarstellung des Regimes geschickter geworden, doch nach wie vor werden Bürgerrechtler drangsaliert und politische Gefangene gequält.

Darüber berichtete die IGFM auf ihrer Pressekonferenz am 26. August 2008, die im Mauermuseum, Museum Haus am Checkpoint Charlie in Berlin stattfand.

Themen und Gesprächspartner waren:

Die politischen Gefangenen und die Wandel von der Diktatur zur Zivilgesellschaft
Roberto Azcuy, Präsident UNION POR CUBA LIBRE

Anmerkungen zur Politik der Europäischen Union gegenüber Kuba
Arnold Vaatz MdB, Stv. Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion

Apartheid in der Medizin - Luxus für Funktionäre und Touristen / Übergriffe auf Bürgerrechtler
Luis Alexander und Uwe Rusch Vorstand UNION POR CUBA LIBRE

Die aktuelle Lage der politischen Gefangenen Dr. Oscar Elias Biscet und Normando Hernandez Gonzales
Alexandra Hildebrandt, Direktorin Mauermuseum, Museum Haus am Checkpoint Charlie

Klage der IGFM gegen Kuba vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen und Dokumentation der Menschenrechtsverletzungen in Kuba vom 1. Januar bis 21. August 2008
Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, Vorsitzender der ISHR Cuba Working Group

Cuba no pares (Kuba gib nicht auf) und Cuba libre
Hugo Sánchez, Sänger



 

  

 

 

Hunderte Menschen aus politischen Gründen inhaftiert

IGFM-Bericht: Menschenrechtsituation auf Kuba 1. Januar bis 20. August 2008
(Auszug)



Die Außenminister der EU haben im Juni 2008 entschieden, die Sanktionen gegen Kuba aufzuheben. Im kommenden Jahr soll der Beschluss überprüft werden. Dabei muss nach Auffassung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte die derzeitige Menschenrechtslage den Ausschlag geben. Die IGFM setzt sich seit 1977 für die Menschenrechte in Kuba ein. Aufgrund des Machtwechsels an der Spitze der kubanischen Regierung hat die IGFM es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation vor und nach dem Wechsel von Fidel Castro zu seinem Bruder General Raúl Castro miteinander zu vergleichen, um so eventuelle Änderungen in der Menschenrechtslage feststellen zu können.

Leider hat sich die menschenrechtliche Lage seit der offiziellen Machtübernahme von General Raúl Castro nicht grundlegend verbessert. Wichtigster Indikator für eine positive Entwicklung ist die Freilassung der politischen Gefangenen und der Verzicht auf neue politisch motivierte Strafformen. Die Aufhebung des Verbotes demokratischer Parteien und freier Gewerkschaften, die Streichung des Verfolgungsgesetzes Nr. 88 sowie die Zulassung freier Medien sind weitere Prüfsteine für eine Verbesserung der Menschenrechtslage und den Übergang von der Militärdiktatur zu einer zivilen Gesellschaft. Die IGFM dokumentiert nachfolgend Menschenrechtsverletzungen seit dem 1. Januar 2008:

Die von der IGFM erstellte Gefangenenliste enthält zurzeit 272 Namen, von denen das Haftmaß bekannt ist. Davon sind 181 Gefangene zu mehr als 10 Jahren Haft und 52 Gefangene zu mehr als 25 Jahren verurteilt. Die der IGFM bekannten Gefangenen verteilen sich auf insgesamt 49 Haftanstalten, Straflager und Gefängnishospitäler sowie ein Frauengefängnis. Nach wie vor finden willkürliche Verhaftungen statt, freie Meinungsäußerung wird verfolgt, Pressefreiheit existiert nicht und Gewerkschaften sowie demokratische, politische Parteien sind verboten.

Kuba als das Gefängnis für Journalisten zu bezeichnen, ist treffend, wenn man die Gefangenen nach Berufsgruppen einteilt. Von 82 Gefangenen, von denen der IGFM der Beruf bekannt ist, entfallen alleine auf die Berufsgruppe der Journalisten 35 Personen. Acht Ärzte, sechs Gewerkschaftler und zwei Rechtsanwälte verbüßen langjährige Haftstrafen.

Während der letzten fünf Monate wurden insgesamt 22 Dissidenten verhaftet und verurteilt, 13 von ihnen sind noch immer in Haft. Die jeweiligen Prozesse wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten, schnell abgewickelt, und es fehlte an jeglicher Garantie für Verfahrensstandards, die für einen fairen Prozess unabdingbar sind. Während dieser Prozesse waren Mitglieder des Militärs sowie der Staatssicherheit anwesend. Die am häufigsten genannten Gründe für eine Verurteilung waren: Soziale Gefährdung, Beleidigung und Mordanschlag.

In derselben Zeitspanne wurden vier der insgesamt 75 Gewissensgefangenen der Verhaftungswelle von 2003 aus der Inhaftierung ins Zwangsexil nach Spanien entlassen. Gleichzeitig wurde drei weiteren der "75" die Freilassung versprochen, wozu es jedoch nicht kam, ihre Namen blieben unveröffentlicht. Die meisten der im Schwarzen Frühling 2003 verhafteten Oppositionellen wurden wegen der Gefahr des Anstiftens einer  Revolution oder wegen Kontakts zur Auslandspresse gemäß Art. 88 des kubanischen Strafgesetzbuches zu langjähriger, überwiegend zu mehr als 20 Jahren Haft verurteilt, in einigen Fällen erschwerend in Verbindung mit Art. 91 wegen Gefährdung der Unabhängigkeit und Integrität des Staates.

Im Monat Mai wurden über 100 Dissidenten auf Polizeistationen verhört und von der Staatssicherheit bedroht. Es wurde von 87 Verhaftungen berichtet, eine Mehrzahl davon wurde gewaltsam durchgeführt und die telefonischen Drohungen sind in dieser Zeit offensichtlich gesteigert worden. Für fünf Menschen wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet bzw. sie wurden aufgrund politischer Motive eingesperrt und mindestens drei einfache Verbrecher starben an den Folgen der schlechten Haftbedingungen in den Gefängnissen.

Allein im Monat Juni haben sich mindestens vier Beschuldigte in ihren Zellen erhängt. Des weiteren wurden drei Dissidenten verurteilt oder eingesperrt und 53 Pazifisten von der Polizei verhaftet, während andere Opfer zahlreichen Vorladungen oder anderen Schikanen ausgeliefert waren.
Insgesamt sind annähernd 50 politische Gefangene sehr krank. Es wird angenommen, dass sich mindestens zehn von ihnen in einem kritischen Zustand befinden. Das kubanische Regime weigerte sich, auch nur einen dieser Häftlinge auf Bewährung zu entlassen.

Die überwiegende Zahl der kranken Gefangenen leidet unter Kombinationen mehrerer Krankheiten, wovon 34 Gefangene über Bluthochdruck klagen und 27 Gefangene über schwere Magen-/Darmprobleme. Laut den Meldungen sind allgemeine Probleme in den Gefängnissen bedrohliche Gewichtsverluste, das Versagen von Nieren, Blase und Leber. Außerdem leiden einige unter Parasiten, und der IGFM sind neun Fälle von Herzinfarkt bekannt sowie fünf Fälle, die trotz Krebs im fortgeschrittenen Stadium, Diabetes oder Tuberkulose in Haft bleiben müssen. Aufgrund von Mangelernährung stellen aber auch Augenkrankheiten ein besonderes Problem dar. Vier Gefangene waren nach Grünem Star oder Ablösung der Hornhaut erblindet, weiteren dreizehn, die bereits jetzt über Glaukome klagen, droht das gleiche Schicksal.

 

Haftbedingungen und Gesundheitszustand von Dr. med. Oscar Elías Biscet

 

  

Dr. Biscet (geb. 20.07.1961), Präsident der von ihm 1997 gegründeten Lawton-Stiftung für Menschenrechte, befindet sich seit 1999 in Haft. Wegen Kritik an der Todesstrafe, der staatlich geförderten Abtreibung und der Verbreitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Haftort: Hochsicherheitsgefängnis Combinado del Este bei Havanna, Gebäude 1, Etage 2, Südflügel, Zelle 1232.

Haftbedingungen: Familienbesuch ist alle zwei Monate für jeweils zwei Stunden erlaubt, der Besuch der Ehefrau alle drei Monate für jeweils drei Stunden. Er darf 100 Minuten pro Monat telefonieren. Der Ausgang in den Hof ist auf zwei Mal pro Woche begrenzt. Die Zelle ist stickig und feucht, die Matratze dreckig und dünn.

Gesundheitszustand: Leidet an Bluthochdruck, Magengeschwür, hohen Cholesterinspiegel, Arthrose. Medizinische Behandlung wird verweigert, ist auf Medikamente angewiesen, die Angehörige bei Besuchsgenehmigung übergeben dürfen. Bei dem Gefängnisbesuch am 27.3.2008 wurde darüber hinaus festgestellt, dass er an Schleimhaut- und Zahnfleischentzündung leidet, die zum Verlust von 15 Zähnen führte. Ist sehr abgemagert.

Haftbedingungen und Gesundheitszustand des ihaftierten unabhängigen Journalisten, Normando González Hernández

 

  

Normando González Hernández (geb. 27.10.1969), Direktor der Unabhängigen Journalistenschule (CPIC) in Camagüey, befindet sich seit März 2003 in Haft.
Wegen regimekritischer Artikel in oppositionellen Medien wurde er zu 25jährigen Gefängnisstrafe verurteilt.
Haftort: Gefängnis Kilo 7, Camagüey (Dir.: Nueva Esperanza No 18, Vertientes, Camagüey)

Gesundheit: Er hat ca. 14 kg an Körpergewicht verloren, ist sehr schwach und leidet unter Margen-Darm-Krämpfen, da ihm die notwendige Diät untersagt wurde. Fällt öfter in Ohnmacht, hat zwei zerquetschte und entzündete Wirbel infolge brutaler Misshandlung und Folter.

Haftbedingungen: Wurde von Gefängniswächtern an den Haaren aufgehängt; trat in Hungerstreik aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen und muss sich seitdem ständig gegen Übergriffe der von Gefängniswärtern aufgewiegelten, gewalttätigen Mithäftlingen wehren.


Bericht seiner Mutter, Blanca Gonzalez, über die Verfassung ihres Sohns im Gefängnis Kilo 7 am 20. August 2008 


?? Normandos Gesundheitszustand hat sich weiter verschlechtert, ohne dass die Behörden irgendein Zeichen der Besorgnis zeigen würden. Er wiegt 55 Kilo und verliert weiterhin an Gewicht, weil er aufgrund des Magen- und Darmzustands kein Essen verdauen oder Nährstoffe absorbieren kann. Normandos Krankheit, wobei es sich um eine Dickdarmentzündung handeln könnte, bedarf einer speziellen Diät, neben einer angemessenen medikamentösen Behandlung mit Entzündungshemmern. Beides wird ihm verweigert.
Seit Mai dieses Jahres, als er vom Militärhospital Carlos J. Finlay in die Isolationshaft ins Gefängnis Kilo 7 in der Camaguey Provinz überführt wurde, hat sich sein Zustand verschlechtert. Er wird auf eine sehr systematische Art und Weise gequält ? ein Doktor besucht ihn fast täglich und behauptet, dass er Medikamente und die ?Spezialdiät? in Auftrag gegeben hätte. Als diese Mittel nicht auftauchten und der Gefängnisdirektor nach ihnen gefragt wurde, stritt man so einen Auftrag ab.
Zwei Jahre ist es her, seit die Regierung Costa Ricas Normando ein humanitäres Visum ausgestellt hatte, um nach Costa Rica ins Exil zu gehen, aber die kubanischen Behörden verweigern eine Antwort. Sie haben entschieden, ihn im Gefängnis sterben zu lassen oder ihn erst dann freizulassen, wenn es nicht mehr möglich sein wird, sein Leben zu retten. ??

 

 

 

IGFM-Pressekonferenz: Bildergalerie

  

 

 

 

 

 

IGFM-Pressekonferenz: (von links nach rechts) Alexandra Hildebrandt, Direktorin Mauermuseum, Luis Alexander, UPCL, Roberto Azcuy, Union por Cuba libre, Martin Lessenthin, IGFM, Arnold Vaatz MdB, Stv. Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion

IGFM-Pressekonferenz

IGFM-Pressekonferenz: Luis Alexander, UPCL, Martin Lessenthin, IGFM, Arnold Vaatz MdB

 

 

  

 

 

 

 

 

IGFM-Pressekonferenz:  Alexandra Hildebrandt, Direktorin Mauermuseum - Museum Haus am Checkpoint Charlie

IGFM-Pressekonferenz: Hugo Sánchez, kubanischer Sänger im Exil

IGFM-Pressekonferenz: Arnold Vaatz MdB, Stv. Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion, ehem. politischer Gefangener in der DDR

 

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

designed by WIV-GmbH