Auf der Insel gibt es immer mehr Menschen, die die Illusionen verlieren
Interview mit Miriam Luisa Leiva Viamonte, Gattin des unabhängigen kubanischen Journalisten Oscar Manuel Espinosa Chepe, der von 2003 bis 2006 eingesperrt war
Kuba exklusiv.
Von Klara Bitvarova, Sonderberichterstatterin des Domazlicky Denik, 22.01.2008
Die einzige tschechische Journalistin schreibt vom Ort der Wahlen.
IGFM-Übersetzung aus dem Tschechischen
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Miriam Luisa Leiva Viamonte mit ihrem Gatten, Oscar Manuel Espinosa Chepe. März 2007 |
Foto: © IGFM |
Die 'Damen in Weiß', Angehörige von Gewissensgefangenen, treffen sich jeden Sonntag in der Kirche der Hl. Rita in Havanna. Ihr Protestzug, an dem auch Miriam Leiva teilnahm, war die einzige Aktion der Opposition am Tag der Parlamentswahlen.
Vor fünf Jahren hat die Polizei Ihren Mann verhaftet und eingesperrt. Wie hat sich das Ganze abgespielt?
Mein Ehemann wurde im März 2003 zusammen mit weiteren 74 Männern verhaftet. Alle wurden zu 20 und mehr Jahren verurteilt. Wegen seiner schlechten Gesundheit ließ man ihn nach drei Jahren frei. Oscar schreibt weiter politische und wirtschaftliche Artikel für ausländische Medien, obwohl er von Vertretern des Regimes einige Male gewarnt wurde, dass er irgendwann wieder eingesperrt werden könnte.
Wie viele Männer aus dieser Gruppe sind noch im Gefängnis?
Hinter Gittern blieben noch 59. Zwar behauptet die kubanische Regierung, dass sie große Veränderungen vorbereite. Allerdings müssten diese mit ihrer Freilassung beginnen, weil sie unschuldig sind, kein Verbrechen begangen haben. Raul Castro hat unlängst öffentlich zugegeben, dass Kuba eine Menge von Problemen hat und sie lösen muss. Und deshalb ist gerade jetzt die richtige Zeit für die Freilassung der politischen Gefangenen.
Alle Männer wurden im Laufe von drei Tagen festgenommen. Was war der Grund für so eine rasante Aktion?
Die Regierung sah es für nötig, Angst zu verbreiten. Die Stimmung in der Gesellschaft begann sich damals zu entspannen, die Menschen schlossen sich verschiedenen unabhängigen Bewegungen an. Es gab eine Menge von Journalisten, die über die Opposition schrieben, und es entstanden unabhängige Bibliotheken.
Wie ist die Situation jetzt?
Unabhängige Journalisten arbeiten unter sehr schwierigen Bedingungen. Wir werden auf Schritt und Tritt verfolgt und können jederzeit eingesperrt werden. Die Regierung bemüht sich auch, die friedlichen Märsche der 'Damen in Weiß' zu unterbinden.
Dabei wollen wir nur das Beste für das kubanische Volk und sein Land. Wir wünschen uns, dass dieses absurde totalitäre Regime zu Ende geht und die Menschenrechte anfangen mehr respektiert zu werden.
In der Gesellschaft überwiegt aber immer noch die Stimmung zugunsten des Regimes.
Auf den ersten Blick ja. Aber es sind immer mehr Menschen, die die Illusionen verlieren. Alle Kubaner leiden unter der schlechten wirtschaftlichen Situation des Landes, eine Reihe von Menschen wird sich bewusst, dass sie sich nicht frei äußern können. Sie dürfen nur das sagen und tun, was die Regierung will. Alle sind schon sehr müde.
Es ist sehr schwer abzuschätzen, wie viele Menschen tatsächlich das sozialistische Regime auf Kuba unterstützen. Die Regierung hat zweifelsohne eine Reihe von Anhängern unter den älteren Menschen, aber selbst bei ihnen lässt sich nicht sagen, wie viele von ihnen das alles nur vortäuschen.
Glauben Sie, dass es zu einer Veränderung kommt?
Es muss dazu kommen. Es wird nicht schnell gehen und auch nicht leicht, den Lauf der Geschichte umzukehren, aber die Menschen haben das nach fast 50 Jahren verdient.












