"Gefangene des Monats September 2008": Mahmoud Matin und Arash Basirat. FREI!

Iranische Christen waren wegen "Abfalls vom Islam" angeklagt

 


IGFM-Hinweis:
Am 30. September 2008 wurden Mahmoud Matin und Arash Basirat, Pfarrer einer Hauskirche im Iran, die sich seit Mitte Mai in Haft befanden, nach einem undurchsichtigen Verfahren freigelassen.


 

 

 

Mahmoud Matin Azad: Freigelassen unter Vorbehalt? Bild: compassdirect.org

Zwei Mitglieder einer evangelikalen Hauskirche im Iran, die von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea als "Gefangene des Monats September 2008" benannt wurden und zu deren Unterstützung aufgerufen hatten, sind frei.

Es handelte sich um Pfarrer  Mahmoud Matin Azad (52 J.) und Arash Basirat (44 J.), zwei zum Christentum konvertierte ehemalige Muslime, die einer evangelikalen Hausgemeinde in der südwestiranischen Millionenstadt Shiraz angehören. Sie wurden am 13. Mai unter dem Vorwurf der 2Propaganda gegen die Islamische Republik Iran" verhaftet. 13 gleichzeitig festgenommene Konvertiten kamen in den Folgetagen frei.

In der Haft sollte Pfarrer Azad zugeben, finanzielle Zuwendungen einer Auslandskirche zuzugeben, was dieser strikt zurückwies. Nach Informationen des Hilfswerks Open Doors wurden Azad und Basirat nach zwei Monaten Isolierhaft in einem Gefängnis der Geheimpolizei von Shiraz Mitte Juli zusammengelegt. Infolge der miserablen Haftbedingungen magerte Pfarrer Azad stark ab. Er beklagte, dass sein an Diabetes erkrankter Mitgefangener Basirat (44) medizinisch nicht versorgt wird. Den ursprünglichen Vorwurf, der als Grund ihrer Verhaftung diente, ließ man fallen und erhob Anklage wegen des "Abfalls vom Islam", was mit Todesstrafe geahndet werden kann.

Das nährte die Befürchtung iranischer Christen, dass die Justiz den Fall als "Probelauf" für eine Strafrechtsreform nutzten könnte. Im Februar war ein Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht worden, der die Todesstrafe für muslimische Männer vorsieht, die vom Glauben abgefallen sind. Bis dahin wurde aufgrund des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, der Religionswechsel von Muslimen zwar als Verbrechen gewertet, die Strafe aber in das Ermessen des Richters gestellt. Am 9. September 2008 stimmte das iranische Parlament in der ersten Lesung einem Gesetzesentwurf zu, der für den Abfall vom Islam die Todesstrafe vorschreibt. Dieses sogenannte Apostasie-Gesetz muss noch vom islamischen Wächterrat gebilligt werden.

Am 25. September traf der iranische Staats- und Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad in New York mit Kirchenvertretern zusammen. Am gleichen Tag sprach das Gericht von Shiraz die beiden inhaftierten Pfarrer frei.

Beobachter gehen davon aus, dass die Freilassung in Zusammenhang mit der Begegnung steht. Die Gerichtsakten der Verhandlung vom 25. September enthalten eine scheinbar gefälschte Erklärung der Angeklagten, wonach sie nie zum Christentum übergetreten wären. Auch die Richter hätten laut den Akten angeblich keine Indizien für die Konvertierung der Männer gefunden. Pfarrer Azad hatte aber nach eigenen Angaben vor Gericht ausgesagt, als Geistlicher einer christlichen Gemeinde tätig zu sein. Auch Kirchenmitglieder bestätigten Pfarrer Azads Zugehörigkeit zum Christentum.

Die Pfarrer, die am 30. September aus der Haft entlassen wurden, vermuten, dass hinter dem Fehlurteil eine politisch motivierte Verzögerungstaktik steht und ihre Freilassung nur eine auf Zeit sein könnte. Sie nahmen ihren Freispruch mit Vorbehalt zur Kenntnis und vermuten hinter dem Vorgehen des Gerichts die Absicht, sie erneut festnehmen zu lassen, sobald sie ihre Tätigkeit in ihrer christlichen Gemeinde wiederaufnehmen. Ebenso besteht die Gefahr, dass sie trotz Freispruchs von radikalen Islamisten umgebracht werden, wie dies im Falle von Mehdi Dibaj geschah. Nach seinem Freispruch im Jahr 1994 wurden er und vier weitere Pfarrer brutal ermordet.

Die offensichtliche Falschdokumentation des Gerichts lässt sich mit der aktuellen politischen Situation begründen. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad steht kurz vor der Wiederwahl und ist daher auf die Gunst der Presse und der Politik angewiesen. Eine Verurteilung oder Todesstrafe wegen "Abfalls vom Islam" würde sowohl in Teilen der iranischen Bevölkerung als auch in der internationalen Gemeinschaft heftige Kritik auslösen. Auf Druck der Europäischen Union (EU) will nun der Wächterrat ? er ist Teil der iranischen Regierung ? das Apostasie-Gesetz noch einmal beraten. Gegen das Gesetz hatte auch die EKD protestiert. Sollte er Eingang in das iranische Strafgesetzbuch finden, hätte dies weitgehende Konsequenzen für die im Iran lebenden Christen.

Nach inoffiziellen Quellen sollen im Iran 43 Personen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind, inhaftiert sein, so die Nachrichtenagentur Adnkronos. Von den 65 Millionen Einwohnern des Iran sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Muslime, die zum Christentum übergetreten sind, wird auf 250.000 geschätzt. Daneben gibt es 125.000 bis 150.000 meist armenische und assyrische Christen.




Adressen für Appellbriefe gegen die Verfolgung von Christen im Iran:


His Excellency Ayatollah Seyed Ali Musavi Khamene?i
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street - Shahid Keshvar Doust Street
Tehran
Islamic Republic of Iran


His Excellency Ayatollah Mahmud Hashemi Shahroudi
Head of the Judiciary
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh / Office of the Head of the Judiciary
Pasteur St, Vali Asr Ave
South of Serah-e Jomhouri,
Tehran 1316814737
Islamic Republic of Iran


His Excellency Dr. Mahmud Ahmadinejad
Iranian President
Palestine Avenue, Azerbaijan Intersection
Tehran
Islamic Republic of Iran
Fax : 0098-21-6 649 5880
E-mail via web site: http://www.president.ir/email/


His Excellency Mohammad Javad Larijani
C/o Office of the Deputy for International Affairs
Ministry of Justice
Ministry of Justice Building, Panzdah-Khordad (Ark) Square,
Tehran, Islamic Republic of Iran
Fax : + 98 21 5 537 8827 (Please insist)


Botschaft der Islamischen Republik Iran
S.E. Herr Alireza Sheikh Attar
außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter
14195 Berlin
Podbielskiallee 65-67
Tel.: 030-84 35 30
Fax: 030-84 35 35 35

 

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