Iran: Pastor Mehdi "Petros" Foroutan - zu einem Jahr Haft verurteilt, und Verfahren der Blasphemie anhängig
Gefangener des Monats Januar 2012
Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) - Als "Gefangenen des Monats Januar 2012" haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea, den iranischen Hauskirchen-Pastor Mehdi "Petros" Foroutan benannt und zu dessen Unterstützung aufgerufen.
Mehdi Foroutan, der den Beinamen Petros trägt ist ein Pastor einer iranischen Hauskirche. Die iranischen Behörden verhafteten ihn im Februar 2010 zum ersten Mal, er kam jedoch gegen Kaution wieder frei. Im Dezember 2010 kam er, im Zuge einer groß angelegten Polizeiaktion gegen christliche Hausgemeinden, erneut in Haft. Zudem war sein Haus durchsucht und christliche Literatur beschlagnahmt worden. Er wurde zunächst an einem geheimen Ort gefangen gehalten und hatte auch später nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit, mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen. Am 3. März 2011 wurde er wegen "Vergehen gegen die nationale Sicherheit" zu einem Jahr Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Hintergrund der Vorwürfe ist, dass er mit Muslimen über den christlichen Glauben gesprochen hat. Er befand sich nach vorübergehender Einzelhaft im "Abel Abad Gefängnis" in Shiraz, der Hauptstadt der südiranischen Provinz Fars. Am 15. April 2011 kam er auf Kaution vorübergehend frei. Am 14. September 2011 bestätigte das Berufungsgericht jedoch die Haftstrafe. Seit dem 25. September verbüßt er die einjährige Haftstrafe im "Abel Abad Gefängnis" in Shiraz. Ein Verfahren wegen Blasphemie - die im Iran mit dem Tod bestraft werden kann - ist anhängig. Foroutan ist Jahrgang 1985. Er ist ledig und hat keine Kinder.
Bitte schreiben Sie oder rufen bei den iranischen Botschaften an!
Bitte schreiben Sie an das iranische Staatsoberhaupt, Ayatollah Sayed Ali Khamenei, an den Präsidenten Irans, Mahmoud Ahmadinedschad, und an die Botschaften des Iran: Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung von Mehdi Foroutan.
[zum Appellvorschlag und den Adressen ...]
Hintergrund: Apostasie, Konvertiten und Hausgemeinden im Iran
In der Islamischen Republik Iran ist "Apostasie", also der "Abfall" vom Islam, ein "Verbrechen", das mit dem Tod bestraft werden kann. Ebenso das "Verleiten" zum Abfall vom Islam, "Kampf gegen Gott" und "Verderbenstiften auf Erden". Während Christen aus traditionell christlichen Minderheiten, wie z.B. Armeniern und Chaldäern oder christlichen Ausländergemeinden ein Existenzrecht "zugestanden" wird, wird Atheisten, ehemaligen Muslimen, die ihren Glauben wechseln und "Ketzern" sogar ein Lebensrecht abgesprochen. Ehemalige Muslime, die Christen geworden sind, treffen sich daher heimlich in Hausgemeinden. Aus diesem Grund ist die Zahl der Konvertiten im Iran unbekannt, sie liegt aber nach Schätzung der IGFM vermutlich bei mehreren Tausend Personen.
Der Iran hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert und bekennt sich öffentlich dazu. Es handelt sich dabei um einen völkerrechtlich bindenden Vertrag, dem auch Deutschland angehört. Die Islamische Republik Iran bricht diesen Vertrag unter anderem mit der Verfolgung von Konvertiten und Religionslosen.
Die Todesstrafe für das völkerrechtlich garantierte Recht auf freie Wahl einer Religion und das Recht keiner Religion anzugehören verstößt zudem eklatant gegen allgemeine Rechtsgrundsätze, da es sich nicht nur um eine völlig ungerechtfertigte Strafe, sondern darüber hinaus um eine völlig unangemessene Bestrafung handelt. Weiterführende Informationen finden Sie unter:
"Apostasie" - ein Kapitalverbrechen in der Islamischen Republik Iran
http://www.igfm.de/Apostasie-im-Iran.3025.0.html
Iran: Gesetz gegen Abfall vom Islam und gegen Zauberei
http://www.igfm.de/Iran-Gesetz-gegen-Abfall-vom-Islam-und-gegen-Zauberei.1177.0.html
Auszüge aus den Strafgesetzen der Islamischen Republik Iran
http://www.igfm.de/Auszuege-aus-den-Strafgesetzen-der-Islamischen-Republik-Iran.593.0.html
Die religiösen Minderheiten des Iran
http://www.igfm.de/Die-religioesen-Minderheiten-des-Iran.1269.0.html

















