Juan Carlos Herrera Acosta: Freiheit verboten! Gefängnis auf Kuba: Ein Schicksal


 

 

Juan Carlos Herrera Acosta wurde im März 2003 verhaftet und zu 20 Jahren Haft verurteilt 

Das Gefängnis Kilo 8 von Camaguey

 

Das Provinzgefängnis von Holguin

 

Durch die Ungnade des Lebens wurde ich unter dem Joch einer Tyrannei geboren, die jetzt schon in den Fünfzigern ist. Ihr zu misstrauen ist, wie an die Türen eines Friedhofs anzuklopfen oder wie Todesschreie ausstoßen. Ohne Grundrechte!

In Kuba existiert kein normales Strafrecht, sondern eine juristische Abnormität, eine diktatorische Ordnung, die vom Thron des dynastischen Staates, einem langen Arm der militärischen Nomenklatura ausgeübt wird. Auf Kuba ist eine einfache, allgemeine Erklärung der Menschenrechte ein Verbrechen, ein Sakrileg. Ohne Übertreibung, auf der kleinen Insel herrschen Gesetze, die so streng sind, wie die drakonischen Gesetze der Antike. Das Unglück der Kubaner ist, dass eine Militärjunta über die Schicksale von 11 Millionen Einwohnern entscheidet. Keiner darf widersprechen, und keiner darf unabhängige Gewerkschaften gründen. Allein die offizielle Literatur hat Existenzrecht. Es gibt weder einen Ort für freie Presse noch für unabhängige Stimmen. Man riskiert, sich in einen illustren Gast der Hölle zu verwandeln, aber nicht der Hölle von Dante, sondern der von Castro. All das gestützt von Bajonetten inmitten einer wirtschaftlich, politisch und moralisch zerstörten Nation. Das aufgezwungene politische System hat bewirkt, dass die Nation sich selbst in allen Aspekten zerstört.

Ich hatte unter zwei ungerechten Gefangenschaften zu leiden. Die erste - im Januar 1997: Verurteilt zu fünf Jahren Gefängnis aufgrund eines angeblichen Delikts der in "Handlungen gegen die Sicherheit des Staates" bestand. Von dieser Strafe saß ich 4 Jahre, 7 Monate und 27 Tage in totaler Isolation ab. Ihr trauriger Rekord: 43 Messerstiche in meinen Körper, zugefügt von bestialischen, irrationalen Uniformierten, die so taten, als ob sie mir beim niederknien helfen würden. All das verwandelte sich in einen wahren gordischen Knoten.

Ich bin der nationale Koordinator der kubanischen Jugendbewegung für Demokratie und unabhängiger Journalist. Die Organisation verteidigt verloren gegangene Rechte der Hochschulen wie z.B. die Unabhängigkeit der Universitäten. Im Jahr 1996 stellten wir mit der Organisation das Projekt "Universitarios sin Fronteras" (Studenten ohne Grenzen) auf. Die Antwort?! - Gefängnis.

Und als ich danach frei kam, hörte meine Feder nicht mehr auf zu schreiben - über den Horror des Gefängnisses und die grausame nationale Realität. Ich erhielt viele Drohungen seitens der politischen Polizei. Man drohte, mich wieder einzusperren, aber ich nahm nichts zurück. Ich musste dazu beitragen, die Mauer der Zensur zu brechen, die das versklavte Kuba der quasi ewigen Herren in Olivgrün, die Kuba wie ihren karibischen Feudalstaat behandeln, umgibt.

 

  

Kubas "Schwarzer Frühling" 2003 im Schatten des ausgebrochenen Irak-Kriegs


Dann kam der März 2003. Welch ein trauriger Frühling! Das Regime benutzte eine chauvinistische List und brachte 75 friedliche Oppositionelle - Bibliothekare und unabhängige Journalisten - hinter Gitter. Ich glaube, dass dieser zerstörerische Schlag, der sich gegen die oppositionelle Bewegung richtete, genau kalkuliert in dem Moment eingesetzt wurde, in dem der Irakkrieg ausbrach.

Das Ganze passierte blitzschnell und wie mit einem Schalldämpfer. Das ganze Werk ein pharisäisches Theater einer betagten Diktatur, eine Hollywoodinszenierung aus den Laboren der Villa Marista, dem Hauptquartier der politischen Polizei - Gerichtsurteile wie Parodien, Sammelurteile, die in meinem Fall zu nicht weniger als einer lebenslänglichen Haftstrafe führten. Sie waren ja so großzügig, dass sie sie zusammen mit der Strafe von 20 Jahren auf 39 Jahre Gefängnis herunter setzten! Ich lernte meinen Anwalt kennen eine Minute, bevor diese juristische Farce begann. Ich verwandelte mich in einen Touristen der Hölle Castros.

Ich wurde bis nach Boniatico in Santiago de Kuba gebracht. Danach kam ich ins Gefängnis "Kilo 8", auch bekannt als "Habe den Schlüssel verloren". Unter dem Sonderregime in Camagüey verliert man nicht nur den Schlüssel, sondern eigentlich die Hoffnung auf ein Leben, das nicht im Handgemenge mit irrationalen Wesen stattfindet. Sie internierten mich auch in "Kilo 7", das auch in Camagüey ist. Dort verbrachte ich viereinhalb Jahre.

Danach kam ich in das Provinzgefängnis von Holguin. Dort blieb ich zwei Jahre und acht Monate. Ich hatte das ehrenvolle Privileg, diese Zeit mit meinem geistigen Bruder Orlando Zapata Tamayo, der denselben Kampf wie ich kämpfte, zu teilen. Wir verschmolzen zu einem Ganzen. Er war selbstlos, mutig und hatte einen starken Charakter, war gefangen für mehr als 30 Jahre und wurde immer wieder erbarmungslos geschlagen. Wir teilten unsere Nahrungsmittel, die wenigen, die uns unsere Familien mitbringen konnten. Aber die schwarze Farbe seiner Haut stigmatisierte ihn, markierte den grausamen Vertrag, bei dem er immer die Rolle des Opfers hatte. Sie verziehen ihm weder die Farbe seiner Haut noch seine Ideen. Als er dann in die Horror-Hölle von "Kilo 8" eingeliefert wurde, brachten sie ihn um. Sie ließen ihn ohne Wasser dort!!! 18 Tage lang!!! Er zog es vor, statt Schande oder Kapitulation in die Herrlichkeit zu gehen. Immer trage ich sein Beispiel zusammen mit einer Träne in mir.

2008, am 12. März bekam ich eine tragische Nachricht. Meine einzige Tochter starb bei einem Verkehrsunfall. Sie war gerade 15 Jahre alt, Lianet Herrera Vizco. Ein Schmerz mehr für mich!! Zwei schwarze Frühlinge!!! Zwei harte Schläge - meine Tochter und auch noch mein Bruder und Freund Tamayo machten sich auf in den Himmel.

 

Der Horror des Castro-GULags


Während dieser letzten Zeit im Gefängnis, als einen Akt der Scham und Ehre zugleich, ohne die Weiße Fahne zu hissen, nähte ich mir den Mund zu. Mit acht Stichen!!! Um die Aufmerksamkeit der Welt auf meine Rechte und alle anderen Gefangenen zu lenken. Viele hunderte Kilometer von meiner Geburtsprovinz Guantanamo entfernt konnte ich meine Familie nur dreimal im Jahr sehen. Ich hatte kein Recht auf einfachste Korrespondenz, die ohnehin immer zensiert wurde. Alles mit "subversivem Inhalt" wurde beschlagnahmt. Und es gab noch eine andere Form der Folter - ich wurde geschlagen.
Wild, ohnmächtig und kriechend lebte ich lange in Zellen strenger Isolationshaft. Wegen meiner vertikalen Position und mit den anderen Gefangenen protestierte ich.

Die Castros verkaufen mit der Aussendung von Ärzten und Lehrern ein Bild an die Welt, während sie das Volk unterwerfen, zur Stummheit, zum Schmach zwingen. Sie töten und foltern in ihrem Neo-GULag, einem Archipel der Gefängnisse. Haarsträubende Gefängnisse - überfüllte Gefängnisgehege, extremes Gedränge.

Besuche des Internationalen Roten Kreuzes oder des Hohen Kommissariats für Menschenrechte wurden nicht erlaubt. Umso weniger natürlich waren Besuche des Sonderberichterstatters gegen Folter gestattet. Die Realität in den Straßen Kubas ist traurig und bedrückend. Aber noch viel schlimmer ist das elende Bild in den Verliesen der Castro-Brüder. Die politischen Gewissensgefangenen sind eingesperrt mit gefährlichen Häftlingen, Mördern, Drogensüchtigen und Verrätern, die alle ihre Schritte genau überwachen. Die Gefängnisse sind gesundheitsschädlich, es gibt viele Plagen: Moskitos, Kakerlaken, Nager. Die Nahrung ist mager, klein portioniert und enthält fast keine Kalorien und Proteine. Die medizinische Versorgung ist erbärmlich. Man kann nichts reklamieren, weil die Garotte des Militärs schon wartet. Das Kafkaeske, Dantische kann man förmlich atmen. Es existiert keine Regierungsstelle, an die man sich wenden kann bei soviel Horror.

 

 

Eines Tages wird Kuba die lange Nacht der Unbarmherzigkeit und Sklaverei verlassen


In der athenischen Gesetzgebung der Antike waren die drakonischen Gesetze vor ihrer Abschaffung mit Blut geschrieben und nicht mit Tinte. Bei Castro ist es dasselbe. Aber er ist doch nicht das Gesetz aller Gesetze. Und deswegen kämpft man für ein pluralistisches, respektvolles Kuba, wo nationale Aussöhnung ohne Ausnahmen stattfindet. Wo transparente Urnen die Zukunft der Kubaner entscheiden.

Eines Tages muss diese kleine karibische Insel die lange Nacht der Unbarmherzigkeit und Sklaverei verlassen. Obwohl der Preis dafür immens gestiegen ist: Erschossene, Verbannte und Ermordete in den Straßen und Gefängnissen. Die Opposition wächst und wird stärker, weil unser Vaterland an einem Tag nicht mehr weit weg den leeren Stuhl, der am Tisch der demokratischen Nationen wartet, einnehmen wird.

Heute bin ich Dank des internationalen Drucks im Exil. Die Verurteilung des grausamen Mordes an Orlando Zapata Tamayo, der Hungerstreik des Akademikers Guillermo Fariñas Hernandez und der Druck der "Damas de Blanco" und des Kardinals Jaime Ortega - alles diente als ein ganzes Element.

Und obwohl die Diktatur schon umzingelt ist, will sie keinen Dialog mit der Opposition. Sie lehnt ihn ab, weil ihrer Meinung nach die Freiheit verboten und das Gefängnis ein Schicksal ist.

 

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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