Kuba: Dr. Darsi Ferrer an die IGFM


"Ich bin sehr dankbar für die enorme Solidarität und die Unterstützung"



Havanna, Kuba 29. Juni 2010

 

 

 

Dr. Darsi Ferrer mit Ehefrau Yusnaimi Jorge Saca. Bild: Heriberto Portales, procubalibre.org 

Liebe Freunde,

am Dienstag bin ich (aus dem Gefängnis) nachhause gekommen. Wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich sehr glücklich bei meiner Familie und in meinem Haus zu sein, mich mit den Freunden treffen und die Arbeit fortsetzen zu können, mit der ich mich für die Freiheit von Cuba einsetze.

Zugleich hege ich Gefühle der Traurigkeit und des Schmerzes: denn obgleich für mich das Leiden im Gefängnis beendet ist, verbleiben hinter Gefängnisgittern Hunderte von Brüdern unseres gemeinsamen Kampfes (für mehr Freiheit) - ungerechterweise, nur wegen ihrer politischen Ideen und ihrer Arbeit als Oppositionelle; und auch zehntausende Kubaner, die unmenschliche Gefängnis-Bedingungen ertragen müsse - allein aufgrund der Tatsache, dass sie ihre Familien ernähren wollen.

Die Erfahrung, die ich während dieser 11 Monate Gefängnis gemacht habe, war eine sehr schwere; heute habe ich ein geschärftes Bewusstsein für Ungerechtigkeit und Grausamkeit des kubanischen Gefängnissystems, das mit voller Absicht so konzipiert ist, dass es nicht nur die Freiheit der Verurteilten beschränkt, sondern ihre menschliche Würde in den Schmutz zieht.

Unbeschreiblich ist das Leiden, das obendrein die Familien der politischen Gefangenen trifft - die Mütter, die Ehefrauen, die Kinder usw.: Sie leiden unter der Isolierung von ihren liebsten Menschen und weil sie in hohem Maße über die unwürdigen Haftbedingungen und die täglichen Misshandlungen in den Gefängnissen informiert sind; sie leiden an den Erniedrigungen, die die Gefangenen auf eine oder andere Weise von Seiten der Militärs erdulden müssen, welche die Angehörigen der Gefangenen erpressen, damit sie diese überhaupt sehen können, oder damit die Gefangenen keine Repressalien erdulden müssen.

Ich bin sehr dankbar für die enorme Solidarität und die Unterstützung, die ich während der ganzen Zeit der Gefangenschaft erhalten habe. Tausende von Stimmen erhoben sich, um meine Freilassung zu fordern. Diese Stimmen stellen ganz bestimmt den Hauptgrund dafür da, dass die Autoritäten des Regimes sich verpflichtet sahen, mich nach und trotz Verurteilung aus dem Gefängnis zu entlassen.

Es war für mich extrem bewegend, wie ich zu Hause empfangen wurde - von meiner Familie, den Freunden, den Nachbarn, der ausländischen Presse und Anrufern aus dem Ausland, die mich beglückwünscht haben. Sie alle haben mir Beweise der Sympathie und der Zuneigung entgegengebracht und ich danke allen dafür; denn genau diese Art des Einsatzes ist der bedeutendste Grund, der meine Überzeugung nährt, dass wir es mit Anstrengung, Ehrlichkeit und Kompromiss letztlich werden schaffen können, die schmerzliche Realität zu verändern, die heute den Horizont unserer geliebten Nation überschattet, und mit dem wir die Lösungen finden können, die dringend nötig für das Wohl unseres Volkes sind.

Euch/Ihnen allen schicklich einen herzlichen Gruß und wünsche Ihnen viele gute Dinge.

Dass Gott Euch segnen möge

Darsi

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

designed by WIV-GmbH