"Made in China" bedeutet oft Zwangsarbeit


 

Export von chinesischen Produkten aus der Zwangsarbeit

Die Missachtung der Menschenwürde, Demütigung und Folter sind der Preis für besonders billige Produkte. Denn "Made in China" bedeutet leider sehr oft auch "made in labor camp", kritisierte die IGFM zum Tag der Menschenrechte 2004 und wies darauf hin, dass nicht nur das politische System sondern auch die chinesische Wirtschaft untrennbar mit menschenrechtsverletzenden Praktiken verknüpft ist.

Bundeskanzler Gerhard Schröder solle daher bei seinen Gesprächen deutlich für die Menschenrechte eintreten, so wie dies Bundespräsident Rau und Außenminister Fischer getan haben, forderte Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass die chinesisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen ausgebaut werden konnten, obwohl führende deutsche Politiker Menschenrechtsverletzungen kritisiert hatten.

Bereits zu Zeiten des Apartheidregimes in Südafrika habe die Verbindung von offener Kritik an Menschenrechtsverletzungen - bei gleichzeitiger Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit - zu Erfolgen bei den Menschenrechten und beim wirtschaftlichen Aufbau geführt. Partner mit Prinzipien werden mehr geachtet, als solche, die ihre Überzeugungen schneller verkaufen als ihre Produkte. Deutschland und die EU müssen sowohl am Waffenembargo festhalten wie an den Menschenrechten. Waffen aus Deutschland dürfen nicht dafür missbraucht werden, dass die Machthaber in Peking ihre eigene Bevölkerung, sowie die Menschen in Tibet, Ost-Turkestan, der Inneren Mongolei und Taiwan unterdrücken bzw. bedrohen.

Zahlreiche Waren, die ins Ausland verkauft werden, stammen aus Zwangsarbeit. Dabei handelt es sich längst nicht nur um Kinderspielzeug, Feuerwerkskörper, Textilien, tibetische Teppiche oder Sportartikel. Jede zweite Digitalkamera, jedes dritte Handy und jede vierte Waschmaschine weltweit wird in der VR China produziert und kann ganz oder teilweise aus Zwangsarbeit stammen.

Opfer werden ohne rechtsstaatliches Verfahren zu Zwangsarbeit gezwungen

Die IGFM kritisiert: "China unterhält mit dem sogenannten Laogai das weltweit größte System von Umerziehungs- und Arbeitslagern. Die chinesische Wirtschaftspolitik kalkuliert den Profit durch die Ausbeutung von Arbeitssklaven in den Lagern fest ein. Die Gefangenen müssen Höchstquoten erfüllen, um ihre tägliche Nahrung zu erhalten. Sie arbeiten unter menschenverachtenden Bedingungen, werden auf vielfältige Art misshandelt und ausgebeutet. Viele Zwangsarbeiter sind gefangen, obschon ihnen kein rechtsstaatlicher Prozeß gemacht wurde, es keine Anklage gab und keine Verteidigung. Dies gilt besonders für die in China beherrschten Tibeter und Uiguren, für chinesische Christen, Falun Gong-Praktizierende, Demokraten und Gewerkschafter." Am Beispiel der ehemaligen Zwangsarbeiterin Wei Xiong dokumentiert die IGFM, dass der Weg ins Zwangsarbeitslager von den Machthabern in Peking aus politischen Gründen vorbestimmt ist und den Prinzipien eines Rechtsstaates widerspricht.

Der chinesische Bürgerrechtler Harry Wu, selbst 19 Jahre lang Gefangener in verschiedenen chinesischen Arbeitslagern, leitet die Stiftung "Laogai-Research-Foundation" in den USA und ist Mitglied des IGFM- Kuratoriums. Die Stiftung untersucht und dokumentiert Verbrechen sowie andere Menschenrechtsverletzungen in den Lagern. Harry Wu erläutert, wie die billigen Zwangsarbeitsprodukte vermarktet werden können: "Wegen der komplexen, internationalen Marktstrukturen und des zirkulierenden Systems von Subunternehmen ist es sehr schwer zu erkennen, ob es sich um ein Produkt aus Zwangsarbeit handelt. So könnte ein Markenunternehmen mit Import-Export-Unternehmen kooperieren, die mit einem legitimen chinesischen Textil-Betrieb zusammenarbeiten, der seinerseits Unter-Aufträge an Arbeitslager vergibt."

IGFM, Dezember 2004

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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