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| War wegen Folter in Lebensgefahr: Wang Xiaoyan |
Zusammenfassung
Die Verkäuferin Wang Xiaoyan (35 J.), eine chinesische Angehörige der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong, ist im Juni 2008 nach zwei Jahren und 15 Tagen Haft aus dem Frauenarbeitslager "Masanjia" entlassen worden. Die am 20. September 1971 geborene Verkäuferin Wang Xiaoyan, eine chinesische Angehörige der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong, wurde am 27. Mai 2006 vor der Eingangstür ihres Wohnhauses in der Hafenstadt Dalian in der Provinz Liaoning von der Polizei festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis Yaojia/Dalian gebracht. In ihrer Wohnung wurden Computer, Handy sowie Infomaterial über Falun Gong von der Polizei beschlagnahmt.
Am 12. Juli 2006 wurde sie in das Masanjia Arbeitslager überführt, wo sie systematischer Folter ausgesetzt war. Ein Haftbefehl bestand nicht. Anklage ist nicht erhoben worden. Ein Gerichtsverfahren hat nicht stattgefunden, das "Urteil" lautet zwei Jahre "Umerziehung durch Arbeit". Die Möglichkeit Rechtsmittel einzulegen wurde ihr verwehrt.
Frau Wang ist verheiratet. Ihr Mann konnte einer Verhaftung entgehen. Er genießt Asyl in Leipzig, studierte Informatik und arbeitet als CAD-Zeichner. Ihre 1998 geborene Tochter lebt bei den Eltern ihres Mannes. Frau Wang war schon zuvor zweimal wegen Verteilens von Infomaterial über die Verfolgung von Falun Gong Praktizierenden verhaftet worden. Nach Ihrer erneuten Verhaftung befand sie sich zum zweiten Mal im Masanjia Zwangsarbeitslager wo sie systematischer Misshandlung und Folter ausgesetzt war. Ihre Familie war ernsthaft um Ihr Leben besorgt.
Im November 2006 konnte ein Brief von Frau Wang aus dem Arbeitslager geschmuggelt werden. Ihr Mann, der für die Freilassung seiner Frau kämpft, bat die IGFM um die Veröffentlichung. Nachfolgend die deutsche Übersetzung des Kassibers.
Frau Wangs Kassiber aus der Haftanstalt
"... Als ich am Morgen des 27. Mai 2006 zur Arbeit wollte, wurde ich von drei Polizisten, die unten vor dem Gebäude auf mich gewartet hatten, festgenommen. Einer davon war der stellvertretende Leiter der Polizeistation Chunhai des Bezirks Zhongshan, Stadt Dalian der Provinz Liaoning. Zuletzt plünderten sie meine Wohnung, der Schaden war sehr groß.
Am gleichen Abend wurde ich ins Untersuchungsgefängnis Yaojia gebracht. Man verurteilte mich zu zwei Jahren "Umerziehung durch Arbeit" und führte mich am 12. Juli ins Arbeitslager Masanjia.
Weil ich dort die Falun Gong-Übungen praktizierte und "Falun Dafa ist gut" rief, wurde ich eineinhalb Monate mit Handschellen ans Bett gefesselt. Damals war ich im Erdgeschoss. Während dieser Zeit stopfte der Polizist Wang Xiaofeng mir einen schmutzigen Lappen in meinen Mund; Li Mingyu ohrfeigte mich; Wang Naimin quetschte meine Lippen kaputt. Noch schlimmer war, dass die beiden Leiter Ma Jishan und Chen am 15. Juli mit den Fäusten auf mein Gesicht schlugen, so dass meine rechte Backe stark angeschwollen war. Bis jetzt gibt es immer noch eine Schwellung an meinem Backenknochen, die Schläge sind noch nicht verheilt.
Damals wurde die 1. Brigade schon aufgelöst. Und in der 2. Brigade gab es noch über 60 Falun Gong-Praktizierende, die sich nicht "umerziehen" ließen. In der 3. Brigade wurden schon über 140 Praktizierende gewaltsam "umerzogen".
Ab dem 30. August wurde das Wachpersonal des Arbeitslagers sehr gewalttätig. Sie misshandelten uns einer nach der anderen mit unterschiedlichen Foltermethoden und zwangen uns, "drei Erklärungen" zu schreiben.
Ich wurde gestreckt an ein Stockbett gebunden, eine Hand wurde ganz oben, die andere ganz unten gefesselt, drei Tage lang. Ich durfte nicht schlafen und mich nicht waschen. Ich konnte weder stehen noch mich hinsetzen. Die Position war sehr schmerzvoll. Ich habe drei Tage und drei Nächte durchgehalten.
Ma Jishan und Liu Yong (die beiden sind sehr boshaft) fesselten mich wieder auf ein "Totenbett", und Cao Jie flößten mir ein Medikament durch meinen Mund ein, welches das Zentralnervensystem angreift. Ich bekam das Mittel dreimal täglich. Jedes Mal benutzte Ma Jishan ein Brecheisen, sperrte meinen Mund möglichst weit auf, so dass ich große Schmerzen bekam. Ich hatte das Gefühl, dass ich lieber sterben als leben wollte.
All das konnte ich nicht mehr ertragen, so dass ich gegen meinen Willen die "drei Erklärungen" schrieb. Andere Mitpraktizierende hatten auch verschiedene körperliche Strafen und Folter hinter sich und schließlich gegen ihren Willen die "drei Erklärungen" geschrieben. Aber wir erkennen diese Forderungen nicht an und behalten unseren Glauben im Herzen. Nachdem wir 62 Falun Gong-Praktizierende gefoltert worden waren, wurden wir im ersten Stock, dem Platz der ehemaligen 1. Brigade eingesperrt und in drei Gruppen zu je 20 Leuten aufgeteilt.
Ich wurde der 2. Gruppe zugeteilt. Jeden Tag zwangen sie uns, Gymnastik zu machen, "30 Regelungen" auswendig zu lernen und häretischen Lieder der Kommunistischen Partei Chinas zu singen. Falls man eines der drei Sachen verweigerte, wurde man weggeschleppt und gefoltert. Nach und nach war die Haftfrist von einigen Praktizierenden abgelaufen. Die Polizisten zwangen sie, noch einmal "drei Erklärungen" zu schreiben, sonst würde man sie nicht freilassen, sondern weiter quälen.
Wir hoffen, dass die Außenwelt und die Falun Gong-Praktizierenden, die sich nicht im Gefängnis befinden, diese bösartigen Polizisten anrufen, um die Verfolgung gegen uns zu mindern.
Die Hauptverantwortlichen und Teilnehmer an den Misshandlungen sind:
Zhang Mingqiang (Vorsitzender)
Wang Wei (stellvertretender Vorsitzender)
Ma Jishan (Abteilungsleiter)
Liu Yong, Li Jun, Wang Qi, Zhang Jun, Fan Yakui.
Die Foltermaßnahmen, die hier eingesetzt werden, wurden früher schon bekannt. Sie sind alle wahr. In der letzten Zeit weigerte sich Frau Liu Xiufen aus Chaoyang Gymnastik zu machen, sie wurde herausgeschleppt und mit der Foltermethode "strecken" einen Tag und eine Nacht lang misshandelt. Als sie zurückkam, hatte sie tiefe blutige Einschnitte von den Handschellen an ihren Handgelenken. Weil Frau Wang Baokun "Falun Dafa ist gut" rief, wurde sie auch einen Tag und eine ganze Nacht gequält, so dass ihre beiden Hände und Füße geschwollen waren. Frau Zhang Liyan aus der Stadt Dandong lehnte es ab, auf der Kontrollliste zu unterschreiben. Daraufhin wurde sie aufgehängt, geprügelt und beschimpft. Am Morgen wurde sie weggebracht, und erst um 12 Uhr Mitternacht kam sie wieder zurück, nachdem sie gezwungen worden war, mit ihrem Namen zu unterzeichnen. Ähnlich ging es auch Frau Chen Honglan aus Benxi, sie wurde von Liu Yong heftig geschlagen. Frau Qiu Li aus Fushun kooperierte nicht und wurde deshalb häufig misshandelt. Die Wächter hier haben kaum noch Menschlichkeit an sich.
Ich bleibe standhaft bei meinem Glauben.
Die 24 Fernsehserien "Sheng Ming Wu Zui" [Anmerkung: auf Deutsch "Die Menschen sind unschuldig"] wurden vom Film-Zentrum der Zeitung "Fa Zhi Ri Bao" [Anmerkung: auf Deutsch "Gesetz Daily"] gedreht, speziell um Falun Gong zu diffamieren. ..."
IGFM-Anmerkung zu den "drei Erklärungen"
Praktizierende werden unter Gehirnwäsche und Folter gezwungen, Erklärungen zu schreiben:
- dass sie ihren Glauben aufgeben,
- ein Reuebekenntnis,
- und eine Garantieerklärung, niemals wieder Falun Gong zu praktizieren
Außerdem müssen die Opfer eine Namens- und Adressenliste aller Familienmitglieder, Freunde und Bekannten anfertigen, die ebenfalls Falun Gong Praktizierende sind.
[chinesisches Original des Briefes im pdf-Format, 308 kB ...]