Menschenrechtsinformationen aus erster Hand für Politik-Studenten


 

Eine Studentin beschreibt ein Tagesseminar bei der IGFM

 

von Christine Pierk

 

Nach der Begrüßung durch Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, legte GUS-Experte Johannes Friesen die Einschränkungen der Pressefreiheit in Russland dar. Dabei wurde deutlich, dass sich die russischen Medien seit 1998 unter der Kontrolle des Staates befinden und als Wahlkampfinstrument Putins verwendet werden.

 

Pressefreiheit in Russland vor dem Aus

Während unabhängige Journalisten in Russland arbeitslos sind, herrscht in den kremeltreuen Redaktionen Selbstzensur. Nach interessierten Nachfragen erklärte Johannes Friesen, daß die Journalisten nicht, wie man annimmt, durch staatliche Verbote auf Linie gehalten werden, sondern daß durch Steuerbehörden Druck ausgeübt wird oder kritische Journalisten zum Bürgermeister zitiert und gefragt werden, ob sie weiter arbeiten wollen. Erstaunt waren die Studenten auch darüber, daß keine Unterdrückungsmaschinerie notwendig ist, weil für den überwiegenden Teil der russischen Bevölkerung Pressefreiheit nicht als wichtig erachtet wird.

 

Anschließend berichtete der Soziologe Emmanuel Franklyne Ogbunwezeh aus Nigeria über Menschenrechtsverletzungen in seinem Heimatland. Die Studenten waren von dem auf Englisch gehaltenen Vortrag gefesselt. Emmanuel Ogbunwezeh hat in dem bevölkerungsreichsten Land Schwarzafrikas, dem siebtgrößten Erdölexporteur der Welt, zusammen mit einer Studenteninitiative Proteste angeführt.

 

?Scharia? jetzt auch für Christen ?

Schockiert waren die Seminarteilnehmer, als sie erfuhren, daß er deshalb zum Verlassen der Universität aufgefordert wurde, Drohungen von der Regierung erhielt und ein Freund von ihm später in seinem Auto ermordet wurde. Denn in Nigeria kann es den Tod bedeuten, wenn man seine Meinung frei äußert.

 

Da der muslimische Norden im Gegensatz zum christlichen Süden die "Scharia" eingeführt hat, bei der Ehebruch beispielsweise mit Steinigung bestraft wird, und der Norden die "Scharia" auf das ganze Land ausweiten will, machte Ogbunwezeh mit den Studenten ein interessantes Gedankenexperiment: "Was wäre, wenn die Scharia in Deutschland eingeführt werden würde?? Vielen fällt es nicht leicht, sich so etwas in der eigenen Heimat vorzustellen, doch die Auswirkungen sind jedem Teilnehmer aufgrund der anschaulichen Schilderungen des Nigerianers bewusst.

 

Nach einer Mittagspause, in der so mancher erst mal die schockierenden Erzählungen verarbeiten mußte, erwartete die Teilnehmer ein weiterer interessanter Vortrag. Peter Recknagel, der Sinologie studiert hat, fließend Chinesisch spricht und Falun-Gong-Praktizierender ist, berichtete über den Menschenrechtsverletzer Nummer Eins - die Volksrepublik China. In dem Land, in dem der Kommunismus als Machtinstrument zur Legitimation der Einparteienherrschaft benutzt wird, werden unter anderem Falun-Gong-Praktizierende systematisch verfolgt. Recknagel hat die Macht der Kommunistischen Partei vor vier Jahren am eigenen Leib erfahren. Zusammen mit anderen Menschenrechtsaktivisten hatte er friedlich auf dem Platz des Himmlischen Friedens demonstriert und wurde daraufhin in ein Polizeiauto geprügelt und sofort abgeschoben. Erst im kommenden Jahr wird sein Einreiseverbot aufgehoben.

 

Folter von Gewissensgefangen

Wenn sich chinesische Falun-Gong-Mitglieder, von denen es mittlerweile ca. 70 Millionen gibt, nicht umerziehen lassen wollen, werden sie erpresst, psychisch und physisch gefoltert. Das alles wird von dem eigens für deren Verfolgung eingerichteten Büro 610 angeordnet, das die Meditationsschule im Jahr 1999 innerhalb von drei Monaten ausrotten sollte. Neben der Meinungsfreiheit fehlen außerdem Glaubens-, Religions- oder Gewissensfreiheit in der Volksrepublik China.

 

Als nächstes informierte Walter Flick über Religionsfreiheit und verfolgte Christen in vielen Ländern der Erde. Durch umfangreiches Informationsmaterial zu der Situation der Christen in der Türkei und Pakistan wurde die schwierige Lage der Gläubigen in zahlreichen Regionen der Welt deutlich. Die Methoden und Auswirkungen der Religionsunterdrückungen regten wieder zum Meinungsaustausch und zu einer Debatte zum Thema an.

 

Anteil nehmen - Druck ausüben

Den Abschluss des informativen Tages gestaltete Vu Quoc Dung, der einen Einblick in die Strategie der IGFM zur Verbesserung der Menschenrechtslage am Beispiel eines politischen Gefangenen in Vietnam gab. Deutlich wurde, dass die Menschenrechtsorganisation sowohl mit der Einzelfallbetreuung auf der Mikroebene wie auch mit Druckausübung auf die jeweiligen Regierung auf der Makroebene tätig wird. Anhand eines Schaubildes zeigte er die verschiedenen Ebenen der Menschenrechtsarbeit. Um 17 Uhr endete der informative Tag, der den Teilnehmern aufgrund der interessanten Vorträge, der bereitgestellten Informationsmaterialien und der netten Betreuung durch die Mitarbeiter der IGFM sehr gut gefallen hat. Anhand des Diskussionsbedarfes, der bei jedem Thema und Referenten sehr hoch war, konnte man erkennen, daß die Problematik auf großes Interesse stößt. Durch detailliertere Berichterstattung in den Medien könnten mehr Menschen dazu gebracht werden, sich mit die-sem Thema auseinanderzusetzen und sich für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen. Denn nach einem Tag mit solch schockierenden und erschreckenden Berichten möchte man nicht länger tatenlos zusehen, sondern diesen Menschen helfen, um die Situation in vielen Teilen der Welt wenigstens ein wenig zu verbessern.

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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