"Gefangener des Monats Juli 2008": Mohsen Namvar, iranischer Hauskirchenleiter. FREI!
Im Iran in der Haft gefoltert, als Flüchtling eine ungewisse Zukunft
IGFM-Hinweis:
Ende Juni 2008 wurde Mohsen Namvar Gefängnis der Iranischen Revolutionsgarde "vorübergehend" freigelassen. Ihm und seiner Familie gelang die Flucht aus dem Iran. Sie befinden sich derzeit in der Türkei, wo sie beim UNHCR die Anerkennung als politische Flüchtlinge beantragt haben.
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Bild: blog.abcnews.com |
Der von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea als "Gefangener des Monats Juli 2008" benannte iranische Hauskirchenleiter Mohsen Namvar aus Teheran ist wieder frei.
Die Entlassung aus dem Gefängnis sei "vorübergehend", teilte der Informationsdienst Compass Direct am 3. Juli mit. Mohsen Namvar befand sich vom 31. Mai bis zum 26. Juni im Gefängnis der Iranischen Revolutionsgarde. Während der vierwöchigen Haft wurde der 44-jährige ehemalige Muslim schwer misshandelt. Sein Körper weise zahlreiche blutige Wunden auf. Für die Freilassung hatte seine Familie eine Bürgschaft in Höhe von rund 27.000 Euro hinterlegen müssen. Eine Quittung hatte die Sicherheitspolizei nicht ausgestellt. Stattdessen verlangte sie "Gott zu danken, dass wir ihn nicht im Gefängnis behalten".
Vor 29 Jahren im Teenageralter konvertierte Mohsen Namvar zum Christentum. Seit den frühen 90ger Jahren missionierte der Minenarbeiter im Nordiran, wo er als Christ seine erste Erfahrung mit den iranischen Behörden machte: Wegen Verteilens christlicher Literatur an einer Tankstelle wurde er 2001 für drei Tage ins Gefängnis gesteckt. Darüber hinaus erhielt er den Befehl, für den Besuch der Stadt sich zuerst eine polizeiliche Genehmigung einzuholen. Der polizeiliche Druck gegen seine Familie ging so weit, dass Bekannte es nicht mehr wagten, in der Öffentlichkeit auf Namwars Gruß zu antworten. Daraufhin siedelte die Familie nach Teheran über, konnte aber wegen Meldung der Polizeidienststelle seines früheren Wohnorts an die Teheraner Behörden keinen Arbeitsplatz finden. Er predigte heimlich in verschiedenen Hauskirchen und versuchte durch Übersetzung von Büchern aus dem Englischen in Farsi, seine Familie über Wasser zu halten.
Im Frühjahr 2007 erfolgte Namwars erste Verhaftung. Man warf ihm vor, Personen getauft zu haben, die vom Islam zum Christentum übergetreten waren. Damals wurde er mit Elektroschocks so gefoltert, dass er mehrere Monate lang nicht aufrecht gehen konnte, sein ganzer Körper war mit Wunden übersäht.
Für die neuerliche Verhaftung gab es keine Begründung. Während er sich in Haft befand wurde seine Wohnung wiederholt von Sicherheitsbeamten durchsucht, seine Frau einem regelrechten Telefonterror ausgesetzt. Sie wurde unflätig beschimpft und erhielt Morddrohungen. Im Fall ihres Sohnes gab es sogar einen Entführungsversuch, als das Kind sich von der Schule auf dem Heimweg befand.
Wenige Tage nach seiner Freilassung floh Mohsen Namvar mit Ehefrau und Sohn aus dem Iran in die Türkei. "Ich war mir sicher, dass sie mich umbringen werden", berichtete Namwar dort Compass Direct über seine Haftzeit. Wegen seiner Weigerung, der iranischen Sicherheitspolizei Namen anderer Konvertiten und Informationen über Hauskirchen im Iran preiszugeben, wurde gefoltert. Fieberschübe, starke Rückenschmerzen, hoher Blutdruck, unkontrolliertes Zittern der Gliedmassen und wiederholte Anfällen von Gedächtnisverlust waren die Folge.
Die Familie Namwar, die beim UNHCR in Ankara die Anerkennung ihres Flüchtlingsstatuses beantragte, ist in einem türkischen Flüchtlingsheim untergebracht und muss sich täglich bei der örtlichen Polizeidienststelle melden. Bei der Registrierung interessierte den UNHCR Ankara weder der Fluchtgrund noch Dokumente, die die Verfolgung im Iran belegten. Die Anhörung beim UNHCR wurde auf Mitte 2009 angesetzt, mit der UNHCR-Entscheidung ist sogar laut eines Mitarbeiters frühestens erst in drei bis vier Jahren zu rechnen. "Wir sind so müde. Erst befanden wir uns unter immensem Druck im Iran, jetzt sind wir hier damit konfrontiert", beklagte sich Frau Namwar nachdem sie erfuhr, wie lange sie in Ungewissheit leben müssen.
Den Angaben zufolge hat die iranische Polizei Anfang Mai in Shiraz und Teheran weitere 14 Christen festgenommen, von denen die meisten inzwischen wieder frei seien. Gegen einige seien Geldbußen wegen "antiislamischer" bzw. "staatsfeindlicher Aktivitäten" verhängt worden. Zwei Christen befänden sich seit dem 13. Mai in Polizeigewahrsam.














