Nordkorea: Verschwinden von politischen Gefangenen und ihren Familien


Hintergrund: Verschwinden von politischen Gefangenen und ihren Familien in Nordkorea

Dr. Oh Kil Nam wartet seit 1985 auf ein Lebenszeichen seiner Familie.
Dr. Oh Kil Nam wartet seit 1985 auf ein Lebenszeichen seiner Familie.
Vor mehr als 25 Jahren: Shin Sook Ja (geb. 1944) mit ihren Töchtern Oh Hae Won (geb. 1976) und Oh Kyu Wan (geb. 1979).
Vor mehr als 25 Jahren: Shin Sook Ja (geb. 1944) mit ihren Töchtern Oh Hae Won (geb. 1976) und Oh Kyu Wan (geb. 1979).

Das kommunistische Regime von Kim Jong Il reißt systematisch Familien auseinander, um die eigene Bevölkerung zu kontrollieren. Zehntausende Nordkoreaner werden willkürlich in Zwangsarbeitslagern gefangen gehalten werden, weil sie verdächtigt werden, nicht systemtreu zu sein. Dazu gehöre auch Lagerhaft und Zwangsarbeit von Angehörigen echter oder vermeintlicher Andersdenkender.

Beispielhaft möchte die IGFM auf das Schicksal des Südkoreaners Dr. Oh Kil Nam aufmerksam machen, der bis 1985 mit seiner Frau Shin Sook Ja und den zwei gemeinsamen Töchtern in Tübingen lebte und promovierte. Oh war damals Verfechter von linkem Gedankengut und zögerte, in seine südkoreanische Heimat zurückzukehren, die damals noch eine Militärdiktatur war. Vertreter Nordkoreas versprachen eine kostenlose medizinische Vorzugsbehandlung für Ohs kranke Frau und eine Anstellung im Staatsdienst. Er glaubte den Versprechungen der nordkoreanischen Behörden und reiste mit seiner Familie nach Pyongyang - wie sich herausstelle ein fataler Fehler. Kein einziges der Versprechen wurde gehalten.

Das Paar war gezwungen, sich in Nordkorea mehrere Monate einer politischen Indoktrination in einer geschlossenen Einrichtung zu unterziehen. Beide mussten sich an Propagandasendungen des staatlichen Rundfunks beteiligen bis Oh schließlich zurück nach Deutschland geschickt wurde. Dort sollte er andere südkoreanische Studenten überreden, ebenfalls nach Nordkorea zu reisen. Seine Familie musste er als Faustpfand im kommunistischen Norden zurücklassen.

Oh und seiner Frau war klar geworden, was mit denjenigen Südkoreanern passieren würde, die er nach Nordkorea locken sollte. Beide kamen überein, dass er sich nicht daran beteiligen dürfe, auch andere ins Verderben zu stürzen. Obwohl Oh und seine Frau Schlimmes für sie und die Kinder befürchteten, beantragte Oh nach seiner Rückkehr nach Europa Asyl. Unmittelbar danach wurden seine Frau und seine Töchter verhaftet und in das Zwangsarbeitslager Yodok verbracht. Als einziges Lebenszeichen erhielt Oh einen Brief seiner Frau und eine Kassettenaufnahme mit den Stimmen seiner Töchter. Seither fehlt von den dreien jedes Lebenszeichen.

Riesiges Lagersystem

Nordkorea leugnet die Existenz der Zwangsarbeitslager, obwohl diese durch Satellitenbilder und Zeugenaussagen belegt ist. Nach Schätzungen der südkoreanischen Regierung werden jedoch ungefähr 154.000 Menschen in sechs großen Lagern in Nordkorea gefangen gehalten. Nach anderen Schätzungen liegt die Zahl der Häftlinge bei etwa 200.000. Flüchtlinge berichten von Folter, Vergewaltigungen und öffentliche Hinrichtungen. Die meisten der Gefangenen sterben bereits im Alter von 50 Jahren an den Folgen von chronischem Hunger und Überarbeitung.

Die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) ist eine der wenigen verbliebenen kommunistischen Einparteiendiktaturen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1948 steht sie unter der Herrschaft einer einzigen Familie. Der Personenkult ist so extrem, dass Nordkorea eine eigene Zeitrechnung eingeführt hat, die mit der Geburt des inzwischen verstorbenen Staatsgründers und Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Kim Il Sung im Jahr 1912 beginnt.

 

 

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