"Gefangener des Monats März 2008" aus Laos: Evangelist seit neun Jahren in Haft

Pastor Thongchan

 

 

 

Pastor Thongchan: 15 Jahre Haft wegen Predigt des Evangeliums. Bild: avc-missionswerk.org

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea haben den im südostasiatischen Laos inhaftierten Evangelisten Thongchan als "Gefangenen des Monats März 2008" benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen.

Pastor Thongchan (62 J.), ehemalige Bezirksgouverneur in der nördlichen Provinz Udomxai hatte 1997 durch Sendungen der Radiomission "Far Eastern Broadcasting Company" (Fernöstliche Rundfunkgesellschaft) zum christlichen Glauben gefunden. Nach dem Anwachsen seiner Hausgemeinde wurde er 1999 verhaftet und in einem geheimen Prozess wegen "Predigt des Evangeliums und Verrat an der Nation" zu 15 Jahren Haft, seine Brüder Lue und Nod zu je 12 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. Nach Aussagen seiner Ehefrau Saengkham waren beim Prozess weder die Angeklagten noch Verteidiger anwesend.

Pastor Thongchan wird regelmäßig verhört und gefoltert.  Sollte er überleben, wird er erst 2014 entlassen. Lue und Nod sind den furchtbaren Haftbedingungen und der Folter erlegen und starben im Gefängnis.

Auch der Gesundheitszustand von Thongchan ist besorgniserregend. Nach jüngsten Berichten ist Thongchan krank und kann nicht ohne fremde Hilfe gehen. Medizinische Hilfe wird dem Gefangenen verweigert. Seine Ehefrau Saengkham hat ergebnislos Petitionen zugunsten ihres Mannes bei den Behörden eingereicht. Hier ihr Bericht (Avc-schweiz.ch):



"Ich heisse Saengkham und bin die Frau von Thongchan. Wir sind vom Kamu-Stamm und leben in der Stadt Udomxay. Mein Mann war Regierungsbeamter in unserer Stadt und nebenbei verkauften wir Kleider, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. 1997 reiste mein Mann mit Kleidern in ein Dorf, wo bereits um das Jahr 1800 Missionare aus Thailand gewirkt hatten und es bis heute Christen gibt. Von ihnen hörte er zum ersten Mal in seinem Leben von Jesus. Er war so berührt von der guten Botschaft und entschied sich für ein Leben mit Gott.

Als er mir davon erzählte, war ich zu Beginn sehr abweisend und fürchtete mich auch vor den Konsequenzen. Als einige Wochen später zwei Christen aus diesem Dorf in unser Haus kamen und für mich beteten, öffnete auch ich mich für Gott und entschied mich, Jesus Christus nachzufolgen. Ich erlebte, wie sich mein Leben innerhalb einer Woche total veränderte. Alle Angst verschwand und ich wurde erfüllt mit Frieden und Freude. Auch unsere Kinder folgten unserem Beispiel und so waren wir die erste christliche Familie in unserem Ort.

Mein Mann reiste weiter mit Kleidern in viele Dörfer, verkündigte aber von da an überall das Evangelium. Natürlich wurden die Behörden bald auf ihn aufmerksam und er wurde am 8. Juni 1999 in unserem Haus verhaftet. Dabei wurden all unsere Bibeln und christlichen Bücher konfisziert. Thongchan wurde dann, angeblich wegen "Landesverrat", mit zwei anderen Christen zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Zu Beginn erlebte ich eine schwere Zeit und wollte manchmal Gott für das, was wir erleiden mussten, anklagen. Doch mein Mann ermutigte mich immer wieder durch Briefe, die er heimlich schrieb und aus dem Lager schmuggeln liess: Bleibe Gott treu! Du musst die Arbeit, die wir angefangen haben, unbedingt weiterführen und unseren Landsleuten das Evangelium verkündigen.

Mein Mann erleidet Schweres im Arbeitslager. Er wird regelmäßig verhört und gefoltert. Weil er auch den Gefangenen und Angestellten von Jesus erzählt, wurde ihm seine Bibel weggenommen, er wurde in Einzelhaft gesteckt und bekommt kaum zu essen. Einer der mit ihm Verhafteten ist wegen der schlechten Bedingungen im Lager bereits gestorben und der zweite ist todkrank. Auch meinem Mann geht es nicht gut, doch er hat sich während der sieben Jahre Haft nie beklagt.

Vor seiner Verhaftung haben wir insgesamt 30 Menschen zu Jesus geführt. Während seiner Haftzeit sind in unserem Haus über 1000 Menschen zum Glauben gekommen. Ich bin fest entschlossen, diesen Dienst so lange ich kann weiter zu tun."



Von den rund sechs Millionen Einwohnern von Laos sind 61 Prozent Buddhisten, 31 Prozent Anhänger von Stammesreligionen, 3 Prozent Christen und 1 Prozent Moslems. Die Verfassung des kommunistisch regierten Landes garantiert zwar Religionsfreiheit, lokale Behörden gehen aber immer wieder gegen missionarisch aktive Christen vor. Ihnen werde vorgeworfen, Spaltungen im Volk hervorzurufen.

Die IGFM ruft dazu auf, in Briefen an Ministerpräsident Bouasone Bouphavanh über die laotische Botschaft in Berlin gegen die Inhaftierung des Christen zu protestieren und auf seinen Gesundheitszustand sowie den Tod seines Mithäftlings Nyoth zu verweisen.


Anschriften:

His Excellency
Prime Minister Bouasone Bouphavanh
Prime Minister's Office
Rue Sisavat
Vientiane
Laos
Fax: 00856-21213560

Kopie an:

S.E. Herr Bounthong Vongsaly
Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Lao
Bismarckallee 2a
14193 Berlin
Tel.: 030-89 06 06 47
Fax: 030-89 06 06 48
E-Mail: hong(at)laos-botschaft(dot)de

 

 

 

[Appell an Ministerpräsident Bouasone Bouphavanh - Musterbrief, pdf, 11 kB ...]
[Wie schreibe ich einen Appell? ...]

 

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