Frei: Kubanischer Bürgerrechtler Normando Hernandez Gonzales berichtet über seine Haft


Normando Hernandez Gonzales nach über 7jährigen Haft.
Normando Hernandez Gonzales nach über 7jährigen Haft.
Von links nach rechts: Blanca Gonzales, Mutter von Normando; Normandos Frau Yaris; Elena Larrinaga, Präsidentin FECU-Federación Espaniola de Asociaciones Cubanas, Madrid; Normando Hernandez Gonzales; ganz rechts:
Von links nach rechts: Blanca Gonzales, Mutter von Normando; Normandos Frau Yaris; Elena Larrinaga, Präsidentin FECU-Federación Espaniola de Asociaciones Cubanas, Madrid; Normando Hernandez Gonzales; ganz rechts:

Normando Hernandez Gonzales, der im Juli 2010 nach sieben Jahren Haft nach Spanien freigelassen wurde: Überleben war nur dank der internationalen Solidarität und der Liebe seiner Familie möglich.



Normando Hernandez Gonzales (geboren am 27. Oktober 1969), Bürgerrechtler, Journalist und Direktor der unabhängigen Journalistenschule (CPIC) in Camagüey/Kuba, wurde am 19. März 2003 im sogenannten kubanischen "Schwarzen Frühling" verhaftet und wegen angeblicher "Aktivitäten gegen die Unabhängigkeit und Integrität des Landes" zu 25 Jahren Haft verurteilt. Grundlage war das - auch "Journalistengesetz" genannt -  Gesetz 88. In Kuba sind alle Tageszeitungen bis auf das Parteiorgan der regierenden Kommunistischen Partei Kubas verboten. Hernandez Gonzales hatte spanischsprachigen Auslandsmedien Interviews gegeben und unzensierte Beiträge veröffentlicht.

In der Haft wurde der Journalist misshandelt, von Gefängniswärtern an den Haaren aufgehängt und gefoltert. Er befand sich mehrmals aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen im Hungerstreik und musste sich vielfach gegen Übergriffe von gewalttätigen kriminellen Mithäftlingen wehren, die von Gefängniswärtern aufgewiegelt wurden.

Nach dem Hungertod des inhaftierten kubanischen Bürgerrechtlers Orlando Zapata Tamayo Ende Februar 2010, dank des viermonatigen Hungerstreiks des Journalisten Guillermo Farinas und des Engagements der katholischen Kirche auf Kuba erklärte sich das Castro-Regime zur Freilassung von 52 politischen Gefangenen bereit und handelte mit dem spanischen Außenminister Moratinos aus, dass sie von Spanien aufgenommen werden. Am 14. Juli 2010 traf Normando Hernandez Gonzales mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter in Madrid ein.

Normando Hernandez Gonzales berichtete über seine Gefangenschaft:



"Ich bin in den Gefängnissen von Fidel und Raul sehr krank geworden, aber ich danke Gott, dass ich überlebt habe und heute am 19. Juli aus Madrid berichten kann. Ich danke der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, die mich zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hat und so mir im Gefängnis und meinen Angehörigen Hoffnung gegeben hat, dass ich nicht hinter Kerkermauern vergessen werde! Ich danke der IGFM, dass sie meine Frau und meine Tochter in Camaguey und meine Mutter in Miami moralisch und materiell unterstützt hat.


Ich danke der IGFM, dass sie bekannte Politiker gewonnen hat, die mich als politische Paten international unterstützt haben. Ich danke für die zahlreichen Pressemitteilungen, Pressekonferenzen, Ausstellungen, Appell-Aktionen, Mahnwachen, Wettbewerbe und Konferenzen, durch die die IGFM in Deutschland über mein Schicksal als Journalist und politischer Gefangener berichtet hat.


In den ersten 101 Tagen meiner Haft war ich völlig von der Außenwelt und auch von den Mitgefangenen isoliert. Ich durfte nicht duschen und sollte die Uniform der kriminellen Gefangenen tragen. Ich zog sie nicht an, sondern lebte in Unterwäsche so wie der von mir verehrte Arzt und Menschenrechtsverteidiger Dr. Oscar Elias Biscet. Sie ließen mich allein mit dem Ungeziefer in der Zelle und wollten meine Seele stehlen und meinen Willen brechen. Ich durfte kein Buch, keine Zeitschrift, noch nicht einmal die Bibel lesen.


Nach 101 Tagen konnte mich meine Frau Yaris zum ersten Mal besuchen. Es folgten weitere Besuche, viermal im Jahr, insgesamt 26 Besuche bis zur Entlassung vor einer Woche. Mehr war nicht erlaubt. Nach fünf Jahren Gefängnis wurde ich in meiner Zelle zweimal von einem Priester besucht. Ein dritter Besuch von einem Priester der katholischen Kirche fand im Januar dieses Jahres statt.


Ich habe im Gefängnis Schweres erleben müssen. Schlimm war es für mich zu erfahren, dass mein Kind, meine heute 8-jährige Tochter, erkrankt war. Auch ihre Erkrankung, die sie bis heute nicht überwunden hat, ist eine Folge ihrer schlechten Ernährung und der Gefängnisstrafe für ihren Vater. Meine bitteren sieben Jahre verbrachte ich nicht nur in den Kerkern von Fidel und Raul, sondern auch in ihren Hospitälern, auf bewachten Stationen, denn ich wurde systematisch krank gemacht. Mehrfach war ich dem Tod nahe. Insgesamt bin ich siebenmal in ein Hospital eingeliefert worden, habe 39 Kilogramm meines alten Gewichtes verloren und kann bis zum heutigen Tag kein festes Essen zu mir nehmen.


Im Gefängnis Kilo 5 von Pinar del Rio wurde ich bewusst mit TBC-kranken Gefangenen zusammengesperrt, bis ich selbst an Tuberkulose erkrankte. Auch mit dieser Grausamkeit wollten sie mich seelisch zerbrechen. Dann drangsaliertensie mich mit der Hilfe von kriminellen Mitgefangenen, denen eingetrichtert worden war, dass ich ein Terrorist sei. Diese bedrohten mich zuerst. Da diese Gefangenen Vergünstigungen - wie mehr oder besseres Essen, Besuche etc. - erhielten, waren sie auch schnell bereit, Gewalt anzuwenden und mich zu schlagen. Der nächste Versuch war, mir den Schlaf zu rauben und mich so zum Aufgeben zu bringen. Ich wurde in eine Zelle verlegt, die der Zelle eines Tag und Nacht schreienden Gefangenen gegenüber lag. Schließlich wurde ich in Kilo 5 mit einem geistig verwirrten Gewaltkriminellen in eine Zelle eingeschlossen. Es ist mir jedoch nichts geschehen.


Diese über siebenjährige Haft zu überleben war nur möglich, weil ich von der internationalen Solidarität wusste und der Liebe meiner Frau, Tochter und Mutter sicher war. Von Mitgefangenen erfuhr ich, dass die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mich zum Ehrenmitglied ernannt hatte. Das gab mir Kraft. Ich erfuhr ebenfalls im Gefängnis von der Solidarität, die mir "Mothers Against Repression", bei denen meine Mutter Blanca Gonzales mitarbeitet, von den "Damen in Weiß", zu denen meine Frau Yaris gehört, von Studenten in Gießen, vom PEN-Club, der Gefangenenhilfsorganisation Plantados in Miami und weitere gut meinende Menschen. Ich erfuhr, dass meine Mutter mit ihren Freundinnen nach Deutschland zur IGFM gereist war und dass die Politiker Arnold Vaatz und Dieter Dombrowski sowie der Herausgeber der Tageszeitung "Die Welt", Thomas Schmitt, sich für mich einsetzten. Ihnen allen gebührt mein aufrichtiger Dank. Gott sei mit ihnen!"



© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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