Kinderschicksale in Pakistan

 

 

 

 

 

Razia geschlagen, gedemütigt, verletzt - ein Kinderschicksal in Pakistan

 

Razia ist 10 Jahre alt und hat sechs Schwestern und einen Bruder. Seit der Vater verstorben ist, leidet die Mutter unter einer seelischen Störung. Um zum Unterhalt beizutragen, begann Razia vor acht Monaten als Haushaltshilfe und erhielt dafür 1000 Rupien (ca. 17 US $) monatlich. Die Hausherrin mißhandelte das Kind, zunächst selten, mit der Zeit öfter. Weil sie Razia zwang, rote Chilischoten zu essen, hungerte sie lieber. Ihr Leben wurde immer unerträglicher: ihre Beine wurden mit heißen Eisen verbrannt, die Wunden mit einer Haarbürste aufgerissen; sie wurde nackt kopfüber aufgehängt und gezwungen, Alkohol zu schlucken.

 

Am 26. April 2003 warf sie die Hausherrin aus einer Rikscha auf die Straße. Razias Bruder und einige nahe Verwandte brachten sie in das Meyo Hospital in Lahore, wo sie Erste Hilfe bekam. Bei einer nahe gelegenen Polizeistation wollten sie Klage erheben, aber der diensthabende Polizist forderte zuerst den medizinischen Bericht. Das Krankenhauspersonal wiederum verweigerte die Herausgabe mit der Begründung, daß dies nicht notwendig sei. Am 29. April zwang es die Angehörigen, Razia trotz erheblicher Verletzungen nach Hause mitzunehmen.

 

Als die pakistanische Menschenrechtsorganisation CLAAS das Mädchen besuchte, war es in einem kritischen Zustand: der rechte Arm war gebrochen; beide Beine waren bandagiert. Das linke Auge war schwer entzündet. Die Hüfte an der rechten Seite war verletzt. CLAAS hatte sich am 2. Mai 2003 an den Gerichtshof in Lahore gewandt, damit das Gericht die Behörden anweist, eine Klage zu registrieren.
Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist eine bittere Realität in Pakistan; ob jung wie Razia oder älter, ob verletzt, vergewaltigt oder gedemütigt, Personen weiblichen Geschlechts haben geringere Rechte. Nur wenige Organisationen befassen sich mit der Rehabilitation und den Umständen, die Folgen der Gewalt zu überwinden. CLAAS hat in Lahore dafür das Haus "Apna Ghar" (Unser Heim) geschaffen, und in anderen Orten andere Unterkünfte, in denen Mädchen und Frauen materiell und juristisch geholfen wird. CLAAS ist eine Mitgliedsorganisation der IGFM.


Mit 60 Euro monatlich kann man den Opfern wirklich helfen: für die notwendigen Bedürfnisse wie Kleidung, Medikamente, Lebensmittel und Kosten für den Aufenthalt und die Betreuung in den Zufluchtstätten. Wo Bedarf für juristische Hilfe besteht, wie z.B. für Razia, ist der Bedarf entsprechend höher. Gewiß ist: jede Spende hilft.

 

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