|
Die Gründung der "Damen in Weiß" (Damas de Blanco) geht auf die massive Verhaftungswelle von Oppositionellen im März 2003 zurück, die als der kubanische "Schwarze Frühling" bekannt wurde. Innerhalb von zwei Wochen wurden 75 Regimekritiker verhaftet - Journalisten, Menschenrechtler und Intellektuelle - und zu Freiheitsstrafen von 6 bis zu 28 Jahren Haft verurteilt.
Nach der Verhaftungswelle wurde weltweit gegen die Inhaftierung der Oppositionellen protestiert, Staats- und Regierungschefs vieler Länder, der Papst, die Europäische Union, Menschenrechtsorganisationen und Künstler erhoben ihre Stimme für die Freilassung der politischen Gefangenen auf Kuba.
In Kuba selbst hat sich eine andere Protestform entwickelt: Am Sonntag, den 30. Mai 2003 gingen Mütter, Ehefrauen, Töchter, Nichten und Unterstützerinnen der Gefangenen spontan auf die Straße - nur in Weiß gekleidet, mit einer Blume in einer Hand und einem Foto ihrer inhaftierten Angehörigen in der anderen. Das war der erste Marsch der "Damas de Blanco".
Seitdem marschieren die "Damen in Weiß" jeden Sonntag friedlich über die Avenida Cinco zum Gottesdienst in Havannas Kirche Santa Rita. Sie protestieren gegen die repressive Ungerechtigkeit der Regierung und für die Freilassung ihrer Angehörigen. Die "Damen in Weiß" wurden körperlich angegriffen, verhaftet, ließen sich von den kubanischen Behörden jedoch nie einschüchtern.
2005 wurden die "Damen in Weiß" für ihren gewaltlosen Einsatz mit dem "Sacharow-Preis für geistige Freiheit" des Europäischen Parlaments ausgezeichnet. Ihn persönlich zu empfangen durften sie nicht - die kubanische Regierung verweigerte ihrer Delegation die Reisegenehmigung nach Brüssel.
Ein einschneidendes Geschehnis für die Demokratiebewegung auf Kuba war der Tod von Orlando Zapata Tamayo am 23. Februar 2010. Er verstarb während seines zweimonatigen Hungerstreiks, mit dem er menschenwürdige Haftbedingungen für politische Gefangene auf Kuba einforderte.
Reina Tamayo Danger, Orlandos Mutter und Mitglied der "Damen in Weiß", beschuldigte die kubanischen Behörden, den Tod ihres Sohnes bewusst in Kauf genommen zu haben, um seinen Kampf für die Menschenrechte zu beendeten, und erklärte - sein blutbeschmiertes Gefängnishemd in der Hand haltend, dass er in der Haft gefoltert wurde.
Orlandos Tod war der Anstoß für den Dissidenten und Journalisten Guillermo Fariñas, für die Freilassung politischer Gefangener in einen unbefristeten Hungerstreik zu treten.
Seit sieben Jahren bereits bieten die "Damen in Weiß" dem Castro-Regime die Stirn.
Laura Pollán, Ehefrau des zu 20 Jahren Haft verurteilten Oppositionellen Hector Gutiérrez Maceda, steht der Bewegung in La Havanna vor. Ihr Mann hatte die Möglichkeit, das Gefängnis zu verlassen - aber nur unter der Bedingung, dass er nach Spanien ins Exil geht. Er hat sich für Kuba entschieden. Seine Ehefrau Laura Pollán ist mit ihm in Kuba geblieben und führt dort ihren Kampf fort.
Blanca Reyes ist die offizielle Vertreterin der "Damen in Weiß" in Europa und Ehefrau des bekannten Journalisten Raul Rivero. Beide leben in Madrid und arbeiten von dort für die Freiheit Kubas.
Trotz der Freilassung von 52 politischen Gefangenen im Jahr 2010, ermöglicht Kubas Strafgesetz nach wie vor willkürliche Festnahmen unter dem Deckmantel der "Prävention von möglichen Verbrechen".
Die "Damen in Weiß" haben erklärt, dass sie solange jeden Sonntag protestieren werden, bis alle Gewissensgefangenen auf Kuba freigelassen worden sind.