Peking hat diese Olympischen Spiele nicht verdient


Die Volksrepublik hat das IOC durch Versprechen eingelullt, die es nie beabsichtigte einzuhalten

 

Kommentar


Karl Hafen
IGFM, 18.03.2008

 

Das Vorgehen der chinesischen Polizei in Tibet bestätigt die Kritiker der Vergabeprozedur 2001: Die Entscheidung für die Vergabe der Olympischen Spiele an die Volksrepublik China war zu früh und daher falsch. Das IOC ist mit seinem Festhalten an dem Standort Peking dabei, das Internationale Fest der Olympischen Spiele zu Weltmeisterschaften mit aufgesetztem Pomp zu degradieren. Ich kann nur raten, sich nach einem alternativen Austragungsort umzusehen oder die Austragung der Spiele zu verschieben und das der chinesischen Regierung in aller Deutlichkeit zu sagen. Vielleicht ändert sich was, ich glaube eher nicht daran.

Wenn das IOC den Sportlern wirklich den Lohn für ihre Anstrengungen gönnt, dann bitte unter Rahmenbedingungen, unter denen sie sich auch von Herzen und guten Gewissens freuen können. Freie Spiele in unfreien Rahmenbedingungen, das gibt es nicht.

Wer uns hier weismachen will, dass ein Sportler oder ein Zuschauer in Peking zum Frieden beitragen oder positiv auf die Menschenrechte einwirken kann, der lügt sich selbst in die Tasche. Die Volksrepublik hat das IOC durch Versprechen eingelullt, die es nie beabsichtigte einzuhalten.

Die den Journalisten zugesagte Reisefreiheit ist bereits gestrichen worden: über Tibet kann im Moment niemand frei berichten, andere Provinzen, das ist abzusehen, werden folgen. Der Zugang zum Internet und freien Fernsehsendern ist blockiert; ausländische Hilfsorganisationen und Touristen sind als unerwünscht erklärt worden.

Während der Dalai Lama die Friedfertigkeit redet, schürt die chinesische Regierung allein durch die Wortwahl des Volkskriegs den Unfrieden und die Eskalation.

Wir fordern nicht nur von den Sportlern und Funktionären mehr Engagement, sondern ganz besonders von den Journalisten. Wenn sie sagen: wir berichten nicht, solange unsere Kollegen in Haft sitzen, dann wird sich etwas ändern. Und wenn die Zuschauer an irgendeinem abgesprochenen Samstag für 5 Minuten die Sportschau abschalten, wird ein Denkprozess einsetzen.

Zu jedem Jahrestag der Erhebung in Tibet 1959 gab es Proteste. Auch diese waren friedlich bis zu dem Zeitpunkt, als chinesische Polizisten 50 Mönche verhaftet hatten. Die Schuld an der Eskalation den Besatzern Tibets in die Schuhe zu schieben, ist unredlich, aber würde in das Klischee derjenigen passen, die die Spiele in Peking zu jedem Preis stattfinden lassen wollen.

Ich sage noch mal: Peking hat diese Spiele nicht verdient, nicht 2001 bei der Vergabe, erst recht nicht 2008.


Karl Hafen
Geschäftsführender. Vorsitzender
der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

 

 

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