Russlands Armee in Geiselhaft sadistischer Auswüchse und Korruption
IGFM, Wanda Wahnsiedler
Juli 2009
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Tägliche Gewalt in Russlands Armee. |
Dem Sadismus und der Brutalität, die seit Jahrzehnten Russlands Streitkräfte kennzeichnen und Tausenden von Rekruten das Leben kosteten, werden ab Mitte 2009 noch mehr junge Menschenleben zum Opfer fallen. Laut Verteidigungsministerium wurden bei der diesjährigen Frühlingseinberufung entsprechend den Vorgaben des Generalstabs 305.506 Jugendliche eingezogen. Zwecks Erfüllung der Vorgaben zog man sogar 100 Tausend wegen krimineller Delikte Vorbestrafte sowie weitere 50 - 70 Tausend, die wegen begangener Straftaten erfasst wurden, ein. Dabei gab man zu, dass 40% der insgesamt eingezogenen Rekruten an psychischen Störungen litten.
Am 16. Juli 2009 auf der Pressekonferenz im St. Petersburger Institut der Regionalpresse erklärte die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "Soldatenmütter St. Petersburgs", Ella Poljakowa, dass allein aus St. Petersburg 5100 Personen eingezogen wurden , praktisch alle gesetzwidrig. "Selbst Offiziere vieler Einheiten erklären, dass sie derart viele Rekruten nicht benötigen, von denen viele ernsthaft krank und zum Soldatendienst untauglich sind. Darüber hinaus ist jeder dritte Einberufene vorbestraft. Eben sie reißen das Sagen in der Kaserne an sich. Daher kommt auch der von Gewalt geprägte Zustand unserer Armee. Auf diese Weise schürt man die Angst und bereitet das Volk auf einen Krieg vor."
Mit großer Sorge wiesen die Menschenrechtler auf das Vorgehen des Militärs hin, Rekruten nach sechs Monaten Dienstzeit vertraglich zum Zeitsoldatendienst für weitere drei Jahre zu verpflichten. "Mit jeglichen Mitteln , von Versprechungen bis zu Drohungen und Gewalt , versucht man, Rekruten zur Unterzeichung eines solchen Vertrags zu erpressen. Im Ergebnis muss dann ein Mensch anstatt eines Jahres ganze dreieinhalb Jahre dienen. Seinen Sold aber, der ihm als Vertragssoldat zusteht, stecken sich die Erpresser in die Tasche - Offiziere oder die Längerdienenden," erklärte Poljakowa.
Zwei Tage zuvor, am 14. Juli 2009, resümierte in Moskau Russlands Militärgeneralstaatsanwalt Sergej Fridinskij während einer Pressekonferenz über die wachsende Kriminalität in der Armee. Die Komsomolskaja Prawda schreibt:
"... Die Liste der kriminellsten Militärbezirke führen der Nordkaukasische Bezirk, die Moskauer Garnison und Wolga-Uralsker Bezirk an. 'Jedes vierte Verbrechen wird von Offizieren begangen. Das ist die höchste Zahl im letzten Jahrzehnt. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die meisten werden beim Diebstahl staatlichen Eigentums, Veruntreuung und Annahme von Bestechungsgeldern für Wehrdienstbefreiung ertappt,' - so Fridinskij. Wenn in den letzten fünf Jahren solche Verbrechen nur 25% der Gesamtzahl von Offizieren begangenen Verbrechen betrugen, liegen sie heute bei 50%. Allein in einem Jahr wurden 20 Generäle und Admiräle sowie 1600 Offiziere verurteilt. Und als ob zur Bestätigung ihres Chefs erwischte die Militärstaatsanwaltschaft der Tscheljabinsker Garnison den Kommandeur der Kopejsker Einheit auf frischer Tat. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft wurde auf seinen Befehl hin 340 Soldaten ein Teil ihres Soldes in Höhe von 200 Rubel nicht ausgezahlt. Ein Gewinn für den Kommandeur von 70.000 Rubel, ein empfindlicher Verlust für die Soldaten bei 600 Rubel Sold.
Während dessen überlegt das Verteidigungsministerium ernsthaft, die Kasernen mit Videokameras zu bestücken. Die Militärs glauben, dass dies der Bekämpfung der Brutalität in der Armee dienen würde: Die Soldaten würden dann wissen, dass sie von Vorgesetzten beobachtet werden und sich zurückhaltenden benehmen würden. Die Bestückung aller Militärobjekte mit einem Kamerabeobachtungssystem würde allerdings immense Kosten verschlingen. Und schon jetzt gibt es skeptische Bemerkungen, dass "unangenehme" Aufnahmen bei Bedarf jederzeit gelöscht werden können mit der Ausrede, die Anlage sei beschädigt. ..."
Die Organisation der "Soldatenmütter St. Petersburgs" zweifelt ebenfalls am Sinn und Umsetzbarkeit des Unterfangens. Bisweilen aber bleibt ihre alltägliche Arbeit mit dem ausgefüllt, was sie seit Jahrzehnten machen: Mit dem Kampf gegen die Willkür in Russlands Armee und der Rettung von Leben deren rechtlosen Opfer. Nur einige Beispiele:
Auf dem Weg zum Stationierungsort gefoltert und erhängt: Der Rekrut Alexander Maschuga
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Alexander Maschuga, geb. 1988, wurde am 24. Juni 2009 in der Stadt Kurgan, Gebiet Tscheljabisk einberufen. Im Gegensatz zu vielen anderen freute er sich auf den Wehrdienst. Deswegen hat der Designerstudent sich extra für ein Jahr beurlauben lassen. Den Vorschlag des Wehrkommissariats, man könne ihn gegen Bezahlung vom Wehrdienst befreien, lehnten seine Eltern ab.
Am 27. Juni bestieg er den Militärzug, in dem die Rekruten von Tscheljabinsk aus zu ihrem Stationierungsort ins Fernöstliche Birobidschan transportiert werden sollten. Seinen Bestimmungsort in Birobidschan erreichte Alexander nicht. Am 29. Juni wurde er im Zug erhängt aufgefunden. Er befand sich im Koma, als man ihn in am Bahnhof Nischneudino (Irkutsker Gebiet) aus dem Zug holte und ins Krankenhaus einlieferte.
Ein Korrespondent der Komsomolskaja Prawda, der den Fall aufgriff, berichtete, dass die nichtsahnenden Eltern erst 14 Stunden später einen Anruf des Militärkommissars Safronow erhielten, der ihnen unverblümt sagte: "Habe Ihnen für ein Telefongespräch was Ungeeignetes zu sagen. Ihr Sohn hat sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni erhängt. Alle hatten den Waggon an der Haltestelle verlassen, Alexander nicht, hatte Wachdienst im Waggon. Als alle wieder zurück waren, fanden sie ihn in der Schlinge. Er ist jetzt im Krankenhaus von Nischneudinsk im Irkutsker Gebiet. Er ist im Koma, wird nicht mehr aufwachen. Kommen Sie, es müssen Papiere unterzeichnet werden, um den Apparat für lebenserhaltende Maßnahmen abzuschalten."
Dort angekommen teilte der Arzt ihnen mit, dass Alexander bestialisch misshandelt und gewaltsam erhängt wurde. Im Krankenhaus stellten die Eltern fest, dass sein Hinterkopf eingeschlagen war, er am Gesicht und Körper Wunden und Blutergüsse hatte. Trotz massiver Behinderung durch den Staatsanwalt und den Militärkommissar gelang es den Angehörigen, Alexander im Krankenbett mit einer Videokamera aufzunehmen.
Die medizinische Ausstattung des Krankenhauses war dürftig, entsprechend die Behandlung. Keiner der Militärärzte ließ sich blicken, das Kommando machte keine Anstalten, Alexander in ein Hospital zu transportieren, wo man ihn vielleicht noch hätte retten können. Am 6. Juli 2009 verstarb er, ohne das Bewusstsein erlangt zu haben.
Die Eltern konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Militär an seinem Tod größeres Interesse hatte, als in ihm einen unbequemen Zeugen zu retten. Bereits im Vorfeld beeilte sich das Militär, den Fall als "Selbstmord" darzustellen, und setzte seinen eigenen Traumatologen ein, der Alexanders eingeschlagenen Schädel als "anatomische Besonderheit der Kopfform" befand.
Ein Schlag ins Gesicht seiner Angehörigen. Denn Alexander war ein sehr gläubiger Christ. Am Tag vor seiner Einberufung schrieb an die Großmutter: "Unlängst ließen Uljana (seine Schwester) und ich unsere Kreuzanhänger in der unserer Kirche weihen. Jetzt werde ich meinen immer tragen. Wollte Dir das Bild des Patriarchen Kyrill beilegen, schaffte aber nicht, es auszudrucken. Mir geht es gut, werde mit ruhigem Gewissen dienen und von da Dir oft schreiben. " (Brief wurde in Auszügen von der Stiftung "Recht der Mütter" veröffentlicht.)
Dann weigerte man sich, Alexanders Leichnam wegen angeblichen Platzmangels in die Leichenhalle zu überführen. Die Eltern setzten es durch. Dann erschien bei ihnen eines späten Abends der Militärstaatsanwalt der lokalen Bratsker Garnison, A.I. Jeschow, um die von Trauer und Behördenkämpfen zermürbten Eltern zu befragen. Sie lehnten es ab, worauf Jeschow ihnen drohte, dies könne negative Konsequenzen auf die Entscheidung der Militärstaatsanwaltschaft haben. Am nächsten Tag erschien er wieder und forderte, sie sollten ihre Klage und Antrag auf Anerkennung als Geschädigte zurückziehen; er würde sie als solche nicht anerkennen.
Die hartnäckigen Vertuschungsversuche des Militärkommandos, Alexander als "Selbstmörder" darzustellen, und die immensen Hindernisse, die es seinen Eltern und Angehörigen bereitete, hatten zur Folge, dass diese die Komitees der Soldatenmütter einschalteten. Sie wandten sich an die Organisation "Soldatenmütter St. Petersburgs", worauf die Vorsitzende Ella Poljakowa Anzeige bei der Militärgeneralstaatsanwaltschaft wegen Mordes an Alexander Maschuga erstattete. Die Stiftung "Recht der Mutter" (ebenfalls eine Soldatenmütter-Organisation) führte mit genauen Angaben über den Ablauf die Versuche des Kommandos, sich im Todesfall eines Rekruten mal wieder reinzuwaschen, ad absurdum.
Proteste der Soldatenmütter und nachfolgende Berichterstattung in der Presse über Alexanders Schicksal hatten zur Folge, dass die Militärstaatsanwaltschaft zugeben musste, dass Alexander kein "Selbstmörder" war sondern absichtlich erhängt wurde und die Gerichtsmedizin bei ihm die Zertrümmerung des Hinterkopfs und Verletzung der Halswirbelsäule infolge von 5-6 Schlägen festgestellt habe.
Das örtliche Militärkommando wurde unruhig. Es erklärte sich bereit, Alexanders Leichnam in seinen Wohnort Kurgan zu überführen und ihn mit "Ehreneskorte" und "Salutschüssen" zu bestatten. Die Eltern lehnten es kategorisch ab: "Wir brauchen das nicht. Erst schlagen sie ihn tot, dann wollen sie ihm Ehre erweisen. Wir werden ihn selber beerdigen, auf menschliche Weise!" Das taten sie auch am 14. Juli 2009.
Verpflichtung zum Zeitsoldaten mit Misshandlung und Schlägen erpresst: Der Soldat Sergej Mintjak
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Russische Armee: gewaltgeladen und brutal. |
Im Januar 2009 wurde dem Rekruten Sergej Mintjak in seiner Einheit in Bujnaksk der Unterkiefer gebrochen. Auf diese Weise und mit ständigen Schlägen erpresste man ihm die Unterzeichung des Zeitsoldatendienstvertrags.
Dann transportierte man Sergej mit gebrochenem Kiefer in die Einheit Nr. 22179 nach Boltich. Eine Woche verging, bis dort ein Arzthelfer ihm erste medizinische Hilfe erwies: brachte ihm Klammern an. Zwei Wochen lang konnte Sergej nichts essen, trank nur Wasser, bis er von selbst die Klammern entfernte. Die ganze Zeit befand er sich nicht auf der Krankenstation, sondern in der Kaserne, musste auf Befehl des Kommandeurs zum Hofappell erscheinen, wo er oft ohnmächtig zusammenbrach.
Dann begann man, Sergej täglich zum Kompaniedienst einzuteilen, während dessen er von Sergeanten brutal misshandelt wurde. Als man ihn einmal die ganze Nacht durch prügelte, wollte er Selbstmord begehen, schaffte es aber nicht. Sergej floh in die Berge, wo er zehn Tage lang verbrachte, bis man ihn fand und von der Miliz zurück in die Einheit brachte. Er hatte sich die Fersen abgefroren, wurde aber nicht behandelt. Sergej wurde der Buchhaltung zugeteilt, wo er 13 Stunden täglich sechs Tage in der Woche arbeiten muss. Die Misshandlungen und Erpressung setzten fort. Einmal wurde er von Leutnant Odinzow so verprügelt, dass Sergei erst auf der Krankenstation zu sich kam.
Vom Sold sieht er nichts: Die Leutnants der Einheit haben ihm unter Androhung eines Strafverfahrens das ganze Gehalt von Mai und Juni 2009 abgenommen; davor pressten ihm die Sergeanten gewaltsam den größten Teil seines Solds ab.
Schläge bis zur Bewusstlosigkeit: Der Rekrut Artem Doga
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Artem Doga: Schläge in die Halsgegend, bis er das Bewusstsein verlor. |
Artem Doga, geb. 1991, wurde am 4. Mai 2009 in seinem Wohnort (Stadt Dno, Geb. Pskow) eingezogen und kam in die Einheit Nr. 02511, die im Dorf Sapernoje bei Wyborg, Leningrader Gebiet stationiert ist. Nach Abschluss des Grundwehrdienstes wurde er dem Späher-Zug zugeteilt. Bereits am 4. Juni wandte er sich an die Soldatenmütter St. Petersburgs mit der Bitte um Hilfe.
Die Einheit Nr. 02511 ist komplettiert aus Vertragssoldaten sowie aus Wehrdienstpflichtigen. Letztere sind permanentes Zielobjekt von Erniedrigung und Gelderpressung durch Vertragssoldaten, die sie als Laufburschen missbrauchen und durch Androhung bzw. Anwendung von Gewalt zur Beschaffung von Lebensmitteln durch Diebstahl zwingen.
Seit Beginn seines Dienstes im Späher-Zug wurde Artem tagtäglich auf brutalste Weise verprügelt. "Ich musste ständig Zucker, Tee, Mayonnaise beschaffen, ständig forderte man Geld von mir", schrieb Artem in seiner Beschwerde an die Soldatenmütter. Er schilderte, wie Rekruten in der Einheit ständigen Schlägen ausgesetzt sind. Einen Grund dafür fand man immer: zu langsam sich angezogen, zu langsames Kriechen, fand den Lappen nicht auf dem Feld, als der Sergeant dies befohlen hatte, stand nicht stramm genug, stellte die Hausschuhe nicht ganz gerade hin, konnte kein Bier beschaffen, half einem anderen Rekruten usw.
Meistens bekam man Schläge in die Halsgegend ("kolobachi" im Soldatenjargon). Einige waren so stark, dass Artem das Bewusstsein verlor. Und ständig war er Drohungen mit Abrechnung ausgesetzt. Am 3. Juni 2009 verließ Artem die Einheit, schaffte es zu Fuß bis nach Losewo und von da aus mit der S-Bahn bis nach Hause. Er ist in großer Sorge um seine Kameraden, die sich noch in dieser Einheit befinden.
Wegen der permanenten Prügel leben die Rekruten in ständiger Angst. In seiner Beschwerde an die Soldatenmütter schreibt Artem über deren Alltag: "Ich war Zeuge, wie mein Dienstkamerad geschickt wurde, acht Dosen Bier zu beschaffen. Er kam aber nur mit vier. Daraufhin haben sie an ihm den Nachttisch zerschmettert. Ein anderer Rekrut versuchte, den Misshandlungen ein Ende zu setzen, und beschwerte sich beim Zugkommandeur Batakow. Seitdem wurde er doppelt so oft verprügelt. Wir, Rekruten, wollten daraufhin eine Überführung in eine andere Einheit beantragen. Man drohte uns an, jedem das Gesicht zu zerschmettern, sobald ein Antrag eingereicht werden sollte."
Wegen Misshandlung Suizidgefährdet: Der Soldat Wladimir Dmitrijew
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Wladimir Dmitrijew: Infolge tagtäglicher Misshandlung extrem Suizidgefährdet. |
Wladimir Dmitrijew (geb. 1988) wurde einberufen am 15.12.2008 vom St. Petersburger Wehramt des Bezirks Frunsenskij und leistete seinen Wehrdienst bei den Luftlandetruppen, Einheit Nr. 63365 im Dorf Swetlyj bei Omsk, Sibirien ab.
Gleich nach Ankunft in der Einheit wurde er mit Prügeln, Beleidigungen und Erniedrigungen durch Sergeanten und Offiziere konfrontiert. Die Sergeanten Abramow, Sokolow und Karasjew erpressten ständig Geld.
In ihrer Beschwerde an die Soldatenmütter schrieb seine Mutter, die ihren Sohn in der Einheit besucht hatte: "... Am 7. März 2009 habe ich persönlich folgendes gesehen. Ein Major aus einer anderen Kompanie, der gehörig betrunken war, erschien in der Kompanie meines Sohnes und begann zu prüfen, ob die Fallschirme von den Soldaten ordnungsgemäß gefaltet waren. Wenn ihm etwas nicht gefiel, befahl er Liegestütze oder verpasste dem Soldaten Fußtritte in den Bauch, das er zu Boden ging. Einen Soldaten hat er so geschlagen, dass diesem Blut aus der Nase lief. Als mein Sohn an der Reihe war, verpasste er ihm einen Fußtritt gegen den Kopf. Mein Sohn fiel zu Boden. "
Die Mutter legte Beschwerde bei der Militärstaatsanwaltschaft von Omsk ein (mündlich). Dort leitete man aber keinerlei Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Wehrdienstleistenden ein. Mehr noch, man unterbreitete der Mutter zwei "Möglichkeiten". Die erste - sie reicht eine schriftliche Erklärung ein, was für ihren Sohn die Hölle auf Erden zur Folge haben würde (Sklavendasein, Prügel bis hin zum Vergewaltigungsobjekt). Die zweite , ein Gespräch mit dem Oberst.
Die Mutter wählte die zweite. Nach ihrem Gespräch mit dem Oberst wurde Wladimir Dmitrijew am 12. April in die Regiments-Krankenstation eingewiesen. Er litt bereits an einer fortgeschrittenen Lungenentzündung, wurde aber nicht behandelt. Drei Wochen später verschlechterte sich sein Zustand akut, er bekam hohes Fieber bis zu 41 Grad. Daraufhin schickte man ihn ins Hospital. Nach Genesung bekam es schwere Atemprobleme. Nach Rückkehr in die Einheit wurde er noch schlimmer behandelt, der psychische Druck und Erniedrigung nahmen so zu, dass Wladimir sich mit Suizidgedanken herumtrug.
Infolge der wachsenden Gefahr für Wladimirs Gesundheit und Leben beschlossen Mutter und Sohn, dass er die Einheit verlässt. (Das Verlassen der Einheit aus oben genannten Gründen wird vom Gesetz nicht als Straftat angesehen.) An die Militärstaatsanwaltschaft des Leningrader Militärbezirks leitete Frau Dmitrijewa eine Erklärung, in der sie die Gründe aufführte, weswegen ihr Sohn die Einheit verließ. In Moskau beim Umsteigen in den St. Petersburger Zug wurden Mutter und Sohn von einer Abordnung der Miliz in Begleitung von Angehörigen des Moskauer 45. Luftlanderegiments festgenommen. Wenig später traf eine Abordnung seiner Einheit aus Omsk ein und nahm ihn mit.
Nach Auskunft der Mutter, der ein Telefongespräch mit ihrem Sohn gelang, setzt sich sein Martyrium in der Einheit fort. Der Major brüllte ihn an, beschimpfte ihn als Dreck und drohte, man werde ihn zum "Hahn" machen (ein Soldat, der seine gesamte Dienstzeit anderen als Sklave dienen muss und täglich vergewaltigt und misshandelt wird).
Wladimirs psychischer Zustand ist äußerst bedenklich, er ist extrem suizidgefährdet. Das Komitee der Soldatenmütter und seine Eltern kämpfen um seine Einweisung in ein Hospital.



















