Schleichender Tod in iranischen Gefängnissen


Menschenrechtler kritisieren Verweigerung medizinischer Betreuung: "Dem Blogger Hossein Ronaghi Maleki droht die Todesstrafe ohne Hinrichtung."

"Dem Blogger Hossein Ronaghi Maleki droht die Todesstrafe ohne Hinrichtung."
"Dem Blogger Hossein Ronaghi Maleki droht die Todesstrafe ohne Hinrichtung."

IGFM- Report: Menschenrechte im Iran, 3/2011


Nach Erkenntnissen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) werden in der Islamischen Republik Iran politischen Gefangenen systematisch dringend notwendige medizinische Behandlungsmaßnahmen verweigert. Der IGFM ist eine Reihe von Fällen bekannt, in welchen politischen Gefangenen lebenswichtige medizinische Betreuung verweigert wurde oder viel zu spät angewendet wird. Wir verweisen auf das Schicksal von Hossein Ronaghi Maleki. Der zu 15 Jahren Gefängnis verurteilte Blogger ist an einem schweren Nierenleiden erkrankt. Auch wenn er zwischenzeitlich die notwendige Nierentransplantation bekommen hat, ist Maleki noch immer in einer verzweifelten Lage. Berichten zu folge befindet er sich nach der viel zu spät durchgeführten Nierentransplantation in äußerst schlechtem gesundheitlichen Zustand. Die notwendige Nachsorge wird ihm allen Anschein nach verweigert.

Ähnlich dramatisch wie das Schicksal von Hossein Ronaghi Maleki war die Lage von Moshen Dogmehchi. Der politische Gefangene starb im März 2011 aufgrund einer bewusst verzögerten Behandlung an Bauchspeicheldrüsenkrebs, obwohl Ärzte eine Chemotherapie dringend angeordnet hatten.

Die IGFM sieht in der Verweigerung medizinischer Hilfe eine "systematische Vorgehensweise" des iranischen Regimes. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin kritisiert: "Kranken politischen Gefangenen droht die Todesstrafe ohne Hinrichtung. Die Verweigerung einer notwendigen medizinischen Behandlung stellt eine massive Verletzung der Menschenrechte dar, da jeder Mensch das Recht auf Leben hat."

Ein der IGFM nahestehender Journalist, der mit Dogmehchi die Zelle teilte, zitiert die Antwort eines Staatsanwalts auf sein Nachfragen: "Nicht alle diese [Leute] sollen durch die Hinrichtung sterben". Dies zeigt Charakterzüge einer geplanten Strategie, einer Strategie zur Vernichtung der Opposition, die langsamer aber mindestens genauso wirkungsvoll wie eine faktische Hinrichtung ist.

Wir fordern die iranische Führung auf, die angemessene medizinische Versorgung von schwerkranken Gefangenen sicherzustellen und alle bekannt gewordenen Fälle verweigerter Behandlung von unabhängigen Experten untersuchen zu lassen.

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

designed by WIV-GmbH