Würdigung des Beitrags von Christoph Goldbeck: "Die Reise der PET-Flasche"


Prof. Dr. Wolfgang Schöhl: Laudatio auf die Beiträge von B. Ziesemer und Ch. Goldbeck. Foto: IGFM/Christoph Rüttger

Die Laudatio auf den Gewinner des Sonderpreises für Fernsehberichte zu Menschenrechtsfragen in China, Christoph Goldbeck vom WDR, hielt Prof. Dr. Wolfgang Schöhl

 

 

Der Sonderpreis für Fernsehberichte zu Menschenrechtsfragen in China geht an Christoph Goldbeck vom Westdeutschen Rundfunk, und zwar aus folgenden Gründen:

Fernsehbeiträge über Menschenrechtsverletzungen in totalitären Regimen zu drehen ist nur sehr schwer möglich, wie jeder Auslandskorrespondent weiß, der in solchen Ländern gearbeitet hat. Die scharfe Medien-Zensur dieser Regime erlaubt es meistens nicht, an jedem Drehort die geeigneten Aufnahmen zu machen. Häufig sind die Übersetzer oder Kameraleute in solchen Ländern sogar Mitarbeiter des Geheimdienstes, die bei leisestem Verdacht auf kritische Berichterstattung unter Vorwänden oder mit direkter Blockade die Dreharbeiten unmöglich machen - so z. B. in der früheren Sowjetunion. Manchmal wird sogar gefordert, dass der Beitrag im Land geschnitten und getextet wird; danach muss er der Zensurbehörde vorgelegt werden. In solchen Fällen kann ein Redakteur den Beitrag nur noch dadurch verändern, dass er ihn in seinem Heimatland - zum Beispiel in Deutschland - umtextet.

Soweit die ausländische Botschaft über solche Filmprojekte schon für ein Visum informiert werden muss, wird sie auch den fertigen Beitrag bei der Ausstrahlung aufnehmen und der Zensurbehörde schicken. Wenn er kritisch ist, wird derselbe Redakteur nie mehr in einem Land wie China drehen können, oder der am Ort tätige Auslandskorrespondent wird in seiner Arbeit noch stärker behindert werden als vorher.

Auch ist es nur sehr schwer möglich, kritische Fernsehberichte mit Zeugen zu machen, die im demokratischen Ausland leben - zum Beispiel freigekaufte Häftlinge. Soweit solche Fernsehberichte der Zensurbehörde in China bekannt werden, werden chinesische Zeugen im westlichen Ausland damit bedroht, dass sie nie mehr in ihre Heimat zurückkehren können, oder dass ihre Angehörigen darunter leiden müssten, wenn Auslandschinesen sich kritisch gegenüber ihrem Land äußern.

Einen Film zu machen wie "Die Reise der PET-Flasche" stellt daher für den Redakteur, der das Projekt startet, ein relativ hohes Risiko dar. Er kann nicht sicher sein, ob dieser Film wirklich gesendet werden kann. Oder ob ihm danach der Verlust von Drehgenehmigungen oder Ärger im eigenen Sender drohen. Es ist daher häufig eine Frage persönlichen Mutes, einen solchen Film zu drehen.

Christoph Goldbeck hat diesen Mut bewiesen, hat maßvolle, aber unüberhörbare Kritik an den schlechten Arbeitsbedingungen der Arbeiter in China geäußert. Gleichzeitig hat der Film deutsche Arbeitnehmer davon informiert, wie gefährlich die Niedrigpreis- und Niedriglohn-Konkurrenz aus China für die deutschen Arbeitsplätze schon jetzt und in Zukunft ist.

Wegen des Mutes und der diplomatischen Art und Weise, wie der kritische Film anhand eines zunächst unverdächtigen Wirtschaftsthemas gemacht wurde, verleiht die Jury dem Autor daher den Sonderpreis Fernsehen die IGFM.

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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