Dem Olympia-Motto "Eine Welt, ein Traum" gerecht werden
Vanessa Shih, Taiwans Regierungssprecherin, appelliert an die UN und die VR China um die Anerkennung Taiwans
Schon Ende April 2008 berichtete die IGFM, dass die Informationsabteilung der Vereinten Nationen taiwanesischen Journalisten seit 2004 Presseausweise und damit die Akkreditierung für die Weltgesundheitsversammlung (WHA) verweigert. Der Grund: Taiwan ist auf Druck der Volksrepublik China nicht mehr Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation WHO. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin kritisiert: "Die von der VR China erpresste Ausgrenzung Taiwans kann Tausende von Menschen das Leben kosten und führt dazu, dass bei der WHO, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, die Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden, an die der gesamte UN-Apparat durch die Allgemeine Menschenrechts-Erklärung gebunden ist."
Vanessa Shih
Regierungssprecherin der Republik China (Taiwan)
18. September 2008
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Vanessa Shih, Regierungssprecherin der Republik China (Taiwan). Bild: koreatimes.co.kr |
Die gewaltigen Anstrengungen, die Festland-China unternommen hat, um die Olympischen Spiele in Peking im Geiste der Fairness und des friedlichen sportlichen Wettkampfes unter Menschen gleich welcher Herkunft und ethnischen Zugehörigkeit erfolgreich auszurichten, hat die Welt zutiefst beeindruckt. Derselbe Geist war es, der zur Gründung der Vereinten Nationen geführt hat, und er spiegelt sich in den Grundsätzen wider, die in der UN-Charta artikuliert sind.
Während nun die 63. Sitzung der UN-Generalversammlung tagt, hegen die Bürger der Republik China (Taiwan) die Hoffnung, dass beide Seiten der Taiwan-Straße - dem olympischen Gedanken von Gleichheit und gegenseitigem Respekt entsprechend - mit den Vereinten Nationen zum Wohl aller zusammenarbeiten werden.
In den vergangenen 60 Jahren haben verschiedene historische Faktoren zu einer Entwicklung von zwei unterschiedlichen Gesellschaftsmodellen an der Taiwan-Straße geführt, die 1971 den Ausschluss Taiwans aus den Vereinten Nationen zur Folge hatten. Damit wurden wie den Taiwanesen so auch den Festland-Chinesen Möglichkeiten genommen, international zusammenzuarbeiten, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und der Welt als ein Ganzes zu dienen.
Wir müssen aufhören, unsere Ressourcen in Auseinandersetzungen zu vergeuden, und sollten stattdessen unsere Kräfte sammeln, um den universellen Werten und der Empathie gerecht zu werden, die sowohl dem olympischen Gedanken als auch der Arbeitsweise der UN-Institutionen zugrunde liegen.
Seitdem im Mai 2008 die Regierung von Präsident Ma Ying-jeou die Amtsgeschäfte übernommen hat, nahm sie eine vorausschauende, pragmatische Haltung ein, um Freundschaft und Verständigung an der Taiwan-Straße zu fördern. Zur Entspannung der Beziehungen wurden Schritte eingeleitet, um Feindschaft durch Offenheit und Freundschaft zu ersetzen. Im Juni ergriff die neue Regierung die Initiative zur Wiederaufnahme von regelmäßigen Gesprächen zwischen der Stiftung für Austausch an der Taiwan-Straße (Taiwan's Straits Exchange Foundation/SEF) und ihrem Pendant in der VR China, der Gesellschaft für Beziehungen an der Taiwan-Straße (Association for Relations Across the Taiwan Strait/ARATS). Diese Verhandlungen resultierten in der Aufnahme von direkten, wöchentlichen Charterflügen über die Taiwan-Straße, die erstmals Touristen vom Festland nach Taiwan brachten, was man als historisch bezeichnen kann. Diese Entwicklung ist für die Menschen auf beiden Seiten nutzbringend, sie ist förderlich für Frieden und Stabilität in der gesamten Asien-Pazifik-Region.
Wir hoffen, dass beide Seiten weiterhin daran arbeiten werden, Streitigkeiten ad acta zu legen und gegenseitigen Respekt und Verständnis aufzubauen - nicht nur im Hinblick auf unsere Beziehungen, sondern auch bei gemeinsamen Aktivitäten innerhalb der internationalen Gemeinschaft, um aus einem Nullsummenspiel eine gewinnbringende Situation für beide Seiten herbeizuführen.
Die SARS-Epidemie von 2003 machte uns die Folgen einer mangelnden Zusammenarbeit schmerzlich bewusst. Die Epidemie suchte sowohl Taiwan als auch China heim und ist den Menschen auf beiden Seiten noch in lebender Erinnerung. In Taiwan wurde die Katastrophe noch dadurch verschärft, dass wir nicht in der Lage waren, mit der Weltgesundheitsorganisation auf direktem Wege zu kommunizieren.
Es ist deshalb offensichtlich, dass unsere Beteiligung an internationalen Foren, die Aktionspläne für Anliegen von globaler Bedeutung entwickeln, im Grunde eine humanitäre Frage ist, da sie das Leben, die Gesundheit und die Würde eines jeden betrifft. Angesichts dieser Tatsache, hoffen wir aufrichtig, dass alle Mitglieder der internationalen Gemeinschaft die Notwendigkeit einer Beteiligung Taiwans in den verschiedenen UN-Institutionen erkennen, und dass die Generalversammlung sie ermutigt, diese Überlegungen umzusetzen.
Es liegt nicht in unserer Absicht, mit unseren Bemühungen um eine Beteiligung an den Aktivitäten der UN die Vertretung Chinas in der Weltorganisation in Frage zu stellen. Als Ausdruck unseres Wunsches für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den taiwanesischen Bürgern und den Menschen in der ganzen Welt hat die Regierung der Republik China die Frage unserer UN-Mitgliedschaft vorübergehend zurückgestellt und konzentriert sich darauf, zur Weiterentwicklung des menschlichen Wohls ihren Teil beizutragen.
In seiner Antrittsrede am 20. Mai hat unser Präsident Ma festgestellt: "Nur wenn Taiwan von der internationalen Bühne nicht länger isoliert wird, können sich die Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße vertrauensvoll weiterentwickeln." Mit anderen Worten: Fortschritte in den Beziehungen und ein international größerer Spielraum für Taiwan sind zwei Seiten derselben Medaille. Durch unsere Beteiligung an den UN-Institutionen können wir die Basis für die Zusammenarbeit mit Festland-China legen und so nicht nur der Sache der Freundschaft zwischen beiden Seiten dienen, sondern auch Frieden und Wohlstand in der Welt fördern. Auch in diesem Sinne könnte das Olympia-Motto von Peking "Eine Welt, ein Traum" realisiert werden.












