Turkmenistan: Pastor Ilmurad Nurliev - Zu vier Jahren Haft verurteilt


Gefangener des Monats Oktober 2011

Dem an Diabetes erkrankten Pastor wird die medizinische Behandlung ebenso wie eine Bibel verweigert.
Dem an Diabetes erkrankten Pastor wird die medizinische Behandlung ebenso wie eine Bibel verweigert.

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) - Als "Gefangenen des Monats Oktober 2011" haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea, den turkmenischen Pastor Ilmurad Nurliev benannt und zu dessen Unterstützung aufgerufen.

Am 21. Oktober 2010, verurteilte ein Gericht in der südostturkmenischen Großstadt Mary den protestantischen Pastor Ilmyrat Nurlyev zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet rund 400 Euro. Der Leiter der evangelikalen Gemeinde "Licht der Welt" war am 27. August 2010 in seinem Haus in Mary verhaftet worden. Pastor Nurliev wird nach Informationen von "The Voice of The Martyrs" vorgeworfen, drei Menschen Geld abgenommen zu haben. Außerdem wird ihm Drogenabhängigkeit unterstellt. Dem wird von seiner Frau Maya und Gemeindemitgliedern entschieden widersprochen. Während der Verhandlung wurden mehrere Zeugen zu Aussagen gegen Nurlyev gezwungen. Er hatte im August 2010 vergeblich versucht, seine Gemeinde offiziell registrieren zu lassen, wie es das "Gesetz über Gewissensfreiheit und religiöse Organisationen vorschreibt."

Im Dezember 2010 ist Nurliev in das Arbeitslager Seydi verlegt worden. Dem an Diabetes erkrankten wird jedoch die medizinische Behandlung ebenso wie eine Bibel verweigert. Anstelle der Zwangsarbeit in einer Ziegelei des Lagers hat die Lagerleitung ihm erlaubt, unter den Gefangenen und Wärtern als Friseur zu arbeiten.

Entgegen seiner Hoffnung wurde Pastor Nurliev im Rahmen des allgemeinen Straferlasses für Gefangene im Februar 2011 keine Amnestie gewährt. Der Lagervorsteher in Seydi bot Nurliev unter Abgabe eines Schuldeingeständnisses die Freilassung an, was er ablehnte.

Die turkmenische Verfassung garantiert zwar Religionsfreiheit, in der Realität wird sie jedoch nur dem sunnitischen Islam und dem orthodoxen Christentum zugestanden Religiöse Gruppen müssen registriert sein, ansonsten sind sie illegal. Die größte Verfolgung, unter der die evangelikalen Christen zu leiden haben, lässt sich auf das Religionsgesetz zurückführen. So dürfen sie keine öffentlichen Orte für Gottesdienstversammlungen unterhalten. Die Teilnahme an sogenannten Hauskirchen wird mit Geldstrafen, Pfändungen und Gehaltskürzungen bestraft. Außerhalb der Hauptstadt ist es so gut wie unmöglich, eine offizielle Registrierung für eine Gemeinde zu bekommen.

Das 1991 unabhängig gewordene Turkmenistan umfasst 188000 qkm und hat ungefähr 5 Millionen Einwohner. Offizielle Religionsstatistiken sind nicht erhältlich. Die Mehrheitsreligion ist der sunnitische Islam, die russisch-orthodoxen Christen bilden die größte religiöse Minderheit.

Drücken Sie dem turkmenischen Präsidenten Ihr Befremden über die Verhaftung von Pastor Nurliev aus, dessen Fall international bekannt geworden ist. Erinnern Sie an Religionsfreiheit in der Verfassung und an das Recht auf medizinischer Versorgung und religiöser Literatur von Gefangenen.

 
[zum Appellvorschlag für Pastor Ilmurad Nurliev ...]

 

 

© Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), deutsche Sektion e.V. Spendenkonto: 23 000 725, Taunussparkasse, BLZ 512 500 00

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