IGFM-Medienpreis 2008
Bonn, 19. April 2008
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Der erste Preis der Jury für die journalistische Berichterstattung über Menschenrechte auf Kuba geht in diesem Jahr an Herrn Markus Mockler.
Der Artikel, den die Jury dabei auszeichnet, hat den Titel: "Wo die Sonne nur Ausländern lacht". Und der Untertitel heißt: Urlaubsparadies und Gefängnisinsel: die Diktatur hat Kuba fest im Griff.
Markus Mockler, Journalist bei der evangelikalen Nachrichtenagentur idea, gibt in seinem ausführlichen Artikel in ideaSpektrum einen umfassenden Überblick über die Menschenrechtslage und die Situation der Kirche in Kuba. In diesem Artikel, der sich über drei gedruckte DIN A4-Seiten erstreckt, erfährt der Leser viele ungeschminkte Details über das Leben von Christen und Dissidenten in Kuba, mit denen der Autor selbst gesprochen hat. Er kann daher aus eigener Anschauung Beispiele schildern, wie sie in anderen Zeitungen nicht in dieser Ausführlichkeit und Klarheit dargestellt werden.
Ein bedrückendes Beispiel, das an übelste Machenschaften der Stasi in Ostdeutschland erinnert, ist das der Hirnchirurgin Hilda Molina. Sie hatte ihr Amt als Leiterin eines renommierten neurochirurgischen Instituts auf Kuba niedergelegt, weil sie mit einigen Maßnahmen der Regierung nicht einverstanden war.
Anstatt sie einfach zu ersetzen durch einen neuen Leiter, wurde sie von Fidel Castro schwer bestraft: Castro entschied, dass sie Kuba nie verlassen darf, obgleich ihr Sohn mit Frau und zwei Kindern in Argentinien lebt.
Die heute 64 jährige Ärztin pflegt nun in Havanna ihre alte und kranke Mutter. Diese brauchte dringend eine bessere medizinische Versorgung, doch die beiden Frauen dürfen die Insel nicht verlassen. "Das Land der Revolution", schreibt Markus Mockler, "ist ihr Gefängnis geworden".
Mit solchen Beispielen aus dem Leben von Dissidenten sowie von Christen, die in Kuba nach wie vor unter Verfolgung stehen, wenn sie sich politisch äußern, bringt Markus Mockler einen sehr realistischen Bericht aus Kuba, das die meisten Deutschen nur als Touristen von seiner Sonnenseite kennen.
Er spricht unter anderem auch das Schicksal der politischen Gefangenen an, die nach ihrer Freilassung keine Arbeit mehr bekommen, und die daher dringend auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen sind - eine Aufgabe, die ja die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte seit Jahren übernimmt.
Markus Mockler analysiert in den Augen der Jury auch sehr treffend die Rolle der Kirche, von der viele im Ausland annehmen, dass sie noch immer einen großen Einfluss in der Bevölkerung Kubas habe. Er zeigt, wie fragil dieser Einfluss ist, und wie sehr sich die Kirche - ähnlich der in der früheren DDR - auch nach Jahrzehnten des wirtschaftlichen Niedergangs noch dem Willen der kommunistischen Partei unterwerfen muss. Und der Autor weist daraufhin, dass ein größerer Teil derer, die nach außen hin als katholische Christen gelten, eher einer Religion aus afrikanischen und katholischen Riten angehören, der sogenannten Santería.
Der Autor kommt zu dem für Menschenrechtler etwas deprimierenden Schluss, dass man auch mit dem Abtreten von Fidel Castro Mann nicht an einem raschen Wandel auf Kuba hoffen kann. Denn 3/4 der Bevölkerung seien nach der kommunistischen Revolution geboren; wegen der strikten Zensur kennten sie nichts anderes als die Regierungspropaganda.
In Kuba gibt es eben - anders als in der früheren DDR - kein Westfernsehen, anhand dessen die Bevölkerung einen klaren Maßstab hätte, mit dem sie ihr eigenes Leben mit dem eines Lebens in einer freiheitlichen demokratischen und sozialmarktwirtschaftlichen Ordnung vergleichen könnte.
Wenn ich etwas Persönliches sagen darf: ich freue ich mich darüber, dass die IGFM das Thema Menschenrechte Kuba zum Gegenstand ihres diesjährigen Journalistenpreises gemacht hat; denn gerade wir Deutschen haben - mehr als andere Völker - anhand der Geschichte der DDR besonders traurige, aber auch genügend zahlreiche und detaillierte Erfahrungen gemacht, um die Situation der Menschen in Kuba treffend beurteilen zu können.
Die Gespräche, die der Autor Markus Mockler in Kuba mit Dissidenten und überzeugten Christen geführt hatte, sind eine heikle und nicht immer ungefährliche Aufgabe für einen Journalisten, und auch dies ist für mich persönlich ein Grund gewesen, den Artikel von Markus Mockler besonders hoch zu bewerten.
Ich freue mich daher, sehr geehrter Herr Mockler, ihnen im Namen der Jury den ersten Preis in Höhe von 2000 zum Thema Menschenrechte auf Kuba übergeben zu dürfen.
Herzlichen Glückwunsch!