Usbekistan: Krisengebiet Ferganatal
Vorwort
IGFM, Juli 2005
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Im Zusammenhang mit den Unruhen in Andischan (Usbekistan), wo die Regierungstruppen einen Aufstand gewaltsam niederschlugen, und den Parlamentswahlen in Kirgisien, die zum Sturz des Präsidenten und zum Teil zu gewalttätigen Aktionen führten, wird oft das Ferganatal erwähnt, ein Gebiet in Zentralasien, aus dem seit Jahren von Unruhen und bewaffneten Zusammenstößen berichtet wird.
Viele Beobachter gehen davon aus, dass dieses Gebiet auch in Zukunft ein Unruheherd bleiben wird.
1. Ein krisengeschütteltes Gebiet
Die heutigen Staaten Zentralasiens Kirgisien, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan und Kasachstan, bis 1917 das "Generalgouvernement Turkestan", sind in den Jahren 1924 (Turkmenistan und Usbekistan) und 1936 (Kirgisien, Tadschikistan und Kasachstan) gegründet worden. Das Ferganatal ist seitdem auf drei Staaten verteilt: Usbekistan mit 60 % des Tals oder 4,3 % des Staatsgebietes, Tadschikistan mit 25 % oder 18, 2 % des Staatsgebietes und Kirgisien mit 15 % oder 42 % des Staatsgebietes. Das Tal erstreckt sich auf 350 km Länge und 100 km Breite.
Im Ferganatal leben etwa 15 Millionen Menschen, die meisten sind ethnische Usbeken. Im kirgisischen Teil des Tals stellen die Usbeken etwa ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung.
Die Grenzziehung entsprach, wie auch im Kaukasus, den politischen Intentionen der Sowjetregierung, in jeder dieser Republiken einen potentiellen ethnisch gefärbten Krisenherd zu schaffen. Nach der Gründung dieser Staaten fanden sich eine Million Tadschiken im Staat Usbekistan und in Tadschikistan wurden die Usbeken zu einer großen Minderheit von etwa 23 % der Bevölkerung. Im Süden Kirgisiens leben derzeit ca. 800 000 Usbeken, etwa 16 % der Bevölkerung.
Bereits in der Sowjetzeit hat es mehrere ethnische Konflikte im Gebiet Osch (Kirgisien) zwischen Usbeken und Kirgisen gegeben. Seit Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts eskalierte die Situation und entlud sich in zahlreichen gewaltsamen und blutigen Zusammenstößen, wobei die Konflikte, zumeist wirtschaftlicher und sozialer Natur, sehr schnell in ethnische Konflikte umschlugen. Die höchst instabile Lage in dieser Region wird seitdem zusätzlich von der Radikalisierung islamischer Organisationen, der alles durchdringenden Korruption und der Verschmelzung der politischen Führung mit der organisierten Kriminalität verschärft.
2. Konfliktursachen
Einige der wichtigsten Ursachen dafür kann man folgendermaßen umreißen:
Die desolate wirtschaftliche und soziale Situation.
Die wenigen Industriebetriebe im Ferganatal haben ihre Arbeit entweder eingestellt oder sind unrentabel.
Die Landwirtschaft, vor allem in Usbekistan, schafft durch den Zwang fast ausschließlich Baumwolle anzupflanzen und durch die permanente Unterdrückung der unabhängigen Bauern ebenfalls keine neuen Arbeitsplätze. Böden und Wasser sind knapp, Bewässerungssysteme büßen ihre Funktionalität ein, die Böden sind durch Pestizide vergiftet.
Der Handel und die Klein- und Mittelunternehmen sind unterentwickelt und werden von den lokalen Behörden durch immer neue Steuern und Abgaben, Einschränkungen, Verbote, Korruption und Behinderung des Grenzverkehrs ständig schikaniert.
Im kirgisischen Teil sind 30 %, im usbekischen fast 40 % und im tadschikischen über 60 % der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitslos. Die meisten Arbeitslosen sind junge Menschen im Alter bis 25 Jahre. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und die extrem niedrigen Löhne breitet sich in allen drei Teilen des Ferganatals die Massenarmut immer weiter aus. In Kirgisien beträgt das monatliche Durchschnittseinkommen ca. 12 Euro, in Tadschikistan ca. 4 Euro, in Usbekistan ca. 10 Euro. Gehälter, Renten und andere Zuschüsse werden nur mit großer Verzögerung und unregelmäßig ausbezahlt. (Anmerk.: Nach den Unruhen in Andischan begann die usbekische Regierung Gehälter und Renten rechtzeitig auszuzahlen. Sogar die Schulden an die Empfänger wurden beglichen).
Demographische Situation
Im Ferganatal leben ca. 15 Millionen Menschen: jeder zweite von ihnen ist jünger als 18 Jahre. Allein 8 Millionen Menschen leben im usbekischen Teil, das ist ein Drittel der Bevölkerung Usbekistans. Die Geburtenrate ist sehr hoch, man schätzt, dass hier in 10 Jahren bereits 15 Millionen Menschen leben werden.
Die Bevölkerungsdichte im usbekischen Teil des Tals beträgt bis zu 400 Menschen pro Quadratkilometer. Die Arbeitslosigkeit und Massenarmut führen zu einer schleichenden Migration der Usbeken in die ebenfalls verarmten südlichen Gebiete Kirgisiens, was dort die bestehenden Spannungen noch verstärkt.
Als Beispiel könnte man die zum Teil gewalttätigen Übergriffe eines Teils der Bevölkerung im Süden Kirgisiens gegen die usbekischen Flüchtlinge aus Andischan anführen, ohne an dieser Stelle auf die Frage eingehen zu wollen, ob diese nun provoziert waren oder nicht. Fakt ist, dass die provisorische Regierung Kirgisiens vor den Präsidentenwahlen am 10. Juli keine Unruhen und Zusammenstöße im Süden riskieren wollte und bereit war, die Flüchtlinge so schnell wie möglich abzuschieben.
Grenzstreitigkeiten im Ferganatal
Zwischen Kirgisien und Usbekistan gibt es ca. 130 ungeklärte Grenzabschnitte (Gesamtlänge der Grenze ca. 1300 Kilometer), zwischen Kirgisien und Tadschikistan 70, die fast alle um das Ferganatal konzentriert sind. Zudem befinden sich mehrere Enklaven auf dem kirgisischen Staatsgebiet: Soch (Usbekistan) mit 45 000 Usbeken, Schachimardan mit 21 000 Einwohnern, ausschließlich Usbeken, und Woruch (Tadschikistan) mit ca. 25 000 Tadschiken. Außerdem befinden sich im Ferganatal über 30 Ortschaften, vor allem im Gebirge, von denen jede zu einem dieser drei Staaten gehören, der Zugang zu diesen aber nur vom Gebiet eines anderen Staates möglich ist.
Der Unmut über die Schikanen der jeweiligen Zollbeamten an den Grenzen dieser Enklaven und vor allem die Verminung einiger Grenzabschnitte in kirgisischem Gebiet im Jahre 2001 durch Usbekistan, die bereits über 120 Menschenleben kostete, fördern einen radikalen Nationalismus und Völkerhass.
Eine andere Folge der Grenzstreitigkeiten ist die Konkurrenz um bewirtschaftbares Land, um die Bewässerungssysteme und Arbeitsplätze entlang der Grenzen. Wegen der Untätigkeit der Regierungen versucht die Bevölkerung an diesen Grenzabschnitten die Probleme selbständig zu lösen, indem sie die Bewässerungssysteme lahm legt und Böden besetzt.
Drogenhandel und -schmuggelEin unüberschaubares Berggebiet, die kaum kontrollierbaren Grenzen und die Bestechlichkeit der Polizei und Grenzposten erleichtern den Drogenhandel aus Afghanistan. Das Ferganatal ist für die Drogenmafia und organisierte Kriminalität sehr wichtig, da hier die wichtigsten Verbindungswege zwischen Nord-Tadschikistan, dem Nordosten Usbekistans und Süd-Kirgisien liegen. Ein nicht unerheblicher Teil der Drogen (ca. 30 %) aus Afghanistan geht über Tadschikistan (Chorog) nach Süd-Kirgisien (über Sary-Tasch nach Osch) und von dort über Andischan in Usbekistan nach Kasachstan, Russland und Westeuropa.Drogen (Hanf, Mohn) werden auch im kirgisischen Teil des Tals selbst um Dschalal-Abad produziert (In Kirgisien ist bis in die 80er Jahre Opium für die Pharmaindustrie der Sowjetunion angepflanzt worden. Ausgedehnte Plantagen werden auch heute noch kultiviert); ebenfalls im tadschikischen Teil des Tals. Die leichten Drogen finden Absatz in den Ländern selbst und werden kaum über die Grenzen geschmuggelt. In Tadschikistan befinden sich auch Labors, in denen aus dem afghanischen Opium Heroin hergestellt wird.Drogenhandel- und Schmuggel ist für viele Menschen im Ferganatal zur einzigen Einkommensquelle geworden. Nach Schätzungen der Regierungsstellen Kirgisiens leben vom Drogenschmuggel in Südkirgisien fast 25 % der dort lebenden Menschen, für Nordtadschikistan und Usbekistan gibt es keine offiziellen Angaben. Die offiziellen Informationen über verhaftete Drogen(klein)händler in Usbekistan lassen vermuten, dass auch hier nicht weniger Menschen vom Drogenschmuggel leben.Drogenschmuggel und -handel wird von der organisierten Kriminalität und den lokalen Behörden - in Tadschikistan auch die zentralen - kontrolliert, oft in enger Zusammenarbeit. Er hat sich in den vergangenen Jahren auch als Einkommensquelle für radikal-islamistische Gruppen entwickelt, wobei eine enge Zusammenarbeit der organisierten Kriminalität und Islamisten gegen die lokalen staatlichen Behörden zu beobachten ist. Nicht wenige der Unruhen, mit denen die Behörden erpresst und eingeschüchtert werden, können ihnen zugeschrieben werden.Verbreitung von radikal-islamistischen Bewegungen
Im Ferganatal ist der Islam tiefer verwurzelt, als in anderen Gebieten Zentralasiens, wo der Islam eher in seiner äußeren Form in Riten, Bräuchen und Kulten lebt. Auch die Sowjetmacht konnte den Islam im Ferganatal nicht ausrotten: Parallel zum "offiziellen Islam" existierten damals zahlreiche Untergrundmoscheen und informelle religiöse Gruppen. Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre entstanden im usbekischen Teil des Tals die ersten organisierten islamischen Parteien. "Adolat" (Gerechtigkeit), "Partei der islamischen Wiedergeburt", "Kämpfer des Islams", "Islamische Partei Turkestans" und andere, die sich im Laufe der Jahre - auch unter dem Druck der Regierenden - stetig radikalisierten. 1996 vereinigten sie sich in der "Islamischen Bewegung Usbekistans".
Nach ihrer Unabhängigkeit wurden in den zentralasiatischen Ländern mit finanzieller Unterstützung aus arabischen Ländern wie Saudi Arabien und Ägypten zahlreiche Koranschulen und viele neue Moscheen gebaut, in Usbekistan bis 1997 fast 5000 (seit 1998 sind 80 % dieser Moscheen wieder geschlossen worden). Allein in Namangan, der "Hauptstadt" des Islam im Ferganatal, waren es 1000. Die Schiiten um Buchara und Samarkand erhielten diesbezügliche Hilfe aus Iran. In Kirgisien ist es, neben Saudi Arabien, auch Pakistan. Personelle Hilfe, Prediger und Lehrkräfte, kamen ebenfalls aus dem arabischen Raum.
Den wachsenden Einfluss des arabischen Islams in seiner strengen Ausrichtung, die an Sympathien vor allem bei den arbeitslosen Jugendlichen gewann, empfand die Staatsführung dieser zentralasiatischen Länder als eine Bedrohung der innenpolitischen Stabilität. Die intensive Gründung von informellen (nicht registrierten) religiösen Gruppen mit ihrer Propaganda einer gerechteren Welt auf Grundlage des Islams und die Übernahme durch diese Gruppen der vom Staat vernachlässigten sozialen Verpflichtungen, eine immer enger werdende Verbindung einiger dieser Gruppen mit den regionalen Machteliten ist für die Regierenden zu einer reellen Gefahr geworden. Der Konflikt zwischen der alten, noch kommunistischen Führung und der islamischen Opposition entlud sich in Tadschikistan in einem vier Jahre (1992 - 1996) dauernden Bürgerkrieg mit über 100 000 Toten. Der Bürgerkrieg endete 1997 mit einem Vertrag zwischen der Regierung und der islamischen Opposition, die an der Macht beteiligt wurde.
In Usbekistan begann Karimow etwa ab 1992 mit einer immer rücksichtsloseren Verfolgung aller bekennender Muslime, die er mit der Abwendung der Gefahr eines Bürgerkrieges wie in Tadschikistan rechtfertigte.
Die zwei stärksten radikalen Gruppierungen, die "Islamische Partei Turkestans" (IPT), deren Anführer aus dem Ferganatal stammen und Anfang 1990 im Tal eine Islamische Republik ausrufen wollten, und die religiös-politische Organisation "Hisb-ut-Tachrir" (Partei der islamischen Befreiung) stellen für Usbekistan zwar keine militärische Bedrohung dar - die IPT hat derzeit nicht mehr als 1000 schlecht ausgebildete Kämpfer - sind aber durch ihre potentielle Popularität in der Bevölkerung gefährlich.
"Hisb-ut-Tachrir" arbeitet im Untergrund und legt Wert auf Überzeugungsarbeit: Verbreitung von Flugblättern und Broschüren, mündliche Propaganda. Besonders aktiv ist sie in Usbekistan, in Tadschikistan und im Süden Kirgisiens in den von ethnischen Usbeken bewohnten Gebieten um die Städte Osch und Kurasu. Im Gegensatz zur IPT, die ihre Kämpfer aus den Reihen der marginalisierten jungen Menschen rekrutiert, versucht "Hisb-ut-Tachrir" auch die Menschen aus der Bildungsschicht für ihre Ziele zu gewinnen. Über die Zahl ihrer Mitglieder bzw. Anhänger gibt es keine zuverlässigen Informationen. In Usbekistan sollen es Zehntausende sein, in Kirgisien etwa 3000.
IBT finanziert sich vor allem durch den Drogenschmuggel, "Hisb-ut-Tachrir" durch Spenden der Mitglieder und aus dem Profit der von ihren Anhängern gegründeten Kleinunternehmen. In beiden Ländern, Kirgisien und Usbekistan, ist die "Hisb-ut-Tachrir" verboten.
Die "Hisb-ut-Tachrir" ruft offiziell zu einer gewaltlosen Schaffung eines Islamischen Kalifats zunächst in Zentralasien und Ostchina (muslimische Uiguren) auf. Ob die "Hisb-ut-Tachrir" tatsächlich Gewalt ablehnt, ist unter Fachleuten umstritten. Ihre antiamerikanische und antisemitische Einstellung, Verneinung der Universalität der Menschenrechte und der Demokratie stehen aber außer Zweifel.
Das Gefahrenpotential, das von den islamistischen Gruppen im Ferganatal ausgeht, und ihr Einfluss in der Bevölkerung lassen sich nicht zuverlässig bestimmen, darf aber nicht unterschätzt werden. Bei einer fast völlig fehlenden weltlichen Opposition könnten sich die radikalen Islamisten an die Spitze der Proteste der Bevölkerung stellen.
Da die sozialen, religiösen und ethnischen Spannungen im Ferganatal vermutlich weiter anwachsen werden, und die organisierte Kriminalität, verschmolzen mit staatlichen Organen, die Politik und Wirtschaft weiterhin kontrollieren werden, bleibt das Ferganatal eine höchst gefährliche Zone, sowohl für das autoritäre Usbekistan, als auch für das durch permanente innere Konflikte geschwächte Tadschikistan und für das politisch instabile Kirgisien. Die letzten Staaten befürchten, dass nach einem Abgang von Karimow die politische Instabilität im Lande mit Hilfe der bewaffneten islamistischen Opposition zu einer Ausrufung eines islamischen Staates auf dem Gebiet des Ferganatals führen könnte, von dem aus radikale islamistischen Ideen in die Nachbarstaaten hinein getragen werden.
Reformen, die die Lage entspannen könnten, sind derzeit nur in Kirgisien denkbar, weil die Präsidentenwahlen im Juli 2005 ohne größere Zwischenfälle und Unruhen statt gefunden haben. Usbekistan setzt ausschließlich auf die militärische Hilfe Russlands und Chinas und lehnt jegliche Reformen strikt ab. Sollten sich derzeit - noch - politische Konflikte in Tadschikistan in einem neuerlichen Bürgerkrieg entladen, wird die Lage in dieser Region noch unübersichtlicher und gefährlicher.
3. Größere Unruhen im Ferganatal seit 1989
Wie sich die Unzufriedenheit und die Radikalität entlädt, belegen die kleinen und größeren Zusammenstöße im und zum das Ferganatal in vergangenen Jahren.
Anfang Juni 1989 kam es in der Stadt Fergana (Usbekistan) zu blutigen Zusammenstößen zwischen Usbeken und Türken-Mescheten, die unter Stalin 1944 nach Zentralasien deportiert worden waren. Mehrere Hundert mit Eisenstangen und Molotow-Cocktails bewaffnete junge Usbeken fielen über die Wohnbezirke der Mescheten und setzten einige Gebäude in Brand. Ausschreitungen gegen die Mescheten fanden auch in den Städten Namangan und Kokand statt.
Seit Jahrzehnten bestehende ethnische Spannungen, und das Empfinden, materiell schlechter gestellt zu sein, als die Mescheten, die einen Großteil des Kleinhandels und mutmaßlich auch den Drogenhandel kontrollieren, nutzen die lokalen Behörden und konkurrierenden usbekischen kriminellen Gruppen zur Umverteilung der Einflusssphären. Die Zusammenstöße forderten mehr als 100 Tote und über 1000 Verwundete. Die Mescheten sind anschließend nach Südrussland ausgeflogen worden.
Ebenfalls 1989 kam es zu Zusammenstößen zwischen Kirgisen im Gebiet Batken (Kirgisien) und Tadschiken im Gebiet Isfarin (Tadschikistan). Das Gebiet Isfarin ist sehr dicht besiedelt und leidet am krassen Mangel an bewirtschaftsbaren Böden. Wegen der ungeregelten Grenzverläufe warfen die Tadschiken den Kirgisen vor, einen Teil der Böden unrechtmäßig besetzt zu haben.
Im Frühling 1991 gab es hier nach der Forderung der Tadschiken an Kirgisien, ihnen 10 Hektar Land zu überlassen, weitere Zusammenstöße, die zu einem politischen Konflikt zwischen den zwei Staaten führten.
Im Juni 1990 kam es in der kirgisischen Stadt Osch nahe der Grenze zu Usbekistan zu einem ethnischen Zusammenstoß zwischen Kirgisen und Usbeken. Die Letzteren stellen in der Stadt Osch fast 40 % und im Gebiet 25 % der Einwohner.
Die fast ausschließlich landlosen Kirgisen forderten von den Usbeken die Abtretung der Böden und beschuldigten sie, den gesamten Handel zu kontrollieren und separatistische Bestrebungen zu verfolgen. Größere Kolonnen von Usbeken wie auch von Kirgisen marschierten mordend und marodierend auf die Stadt Osch zu, in die sich bereits Kirgisen aus anderen benachbarten Landesteilen bewegt hatten.
Aus der benachbarten Stadt Uzgen, mehrheitlich von Usbeken bewohnt, sind alle Kirgisen vertrieben worden, wonach eine größere Gruppe Kirgisen die Stadt stürmte und mehrere Hundert Usbeken umbrachte. Nur durch den Einsatz der Streitkräfte konnten die Unruhen gestoppt werden. Insgesamt kamen nach offiziellen Angaben 300 Menschen um.
Kleinere Zusammenstöße der ländlichen Bevölkerung an den Grenzen dieser drei Staaten, die so genannten "Abstechspaten-Kriege" um Böden und Wasser, gehören zum Alltag in dieser Region.
Ende Juli 1999 fiel aus dem Osten Tadschikistans in das südliche Kirgisien im Gebiet um die Stadt Batken die "Islamische Bewegung Usbekistans" (heute "Islamische Partei Turkestans") ein, die ihren Ursprung im usbekischen Teil des Tals hat und von den Taliban unterstützt worden ist, und besetzte mehrere Ortschaften. Der weitere Weg sollte sie in den usbekischen Teil des Ferganatals führen, wo sie einen islamischen Staat proklamieren wollte. Erst Mitte Oktober ist die IBU von den Armeen Kirgisiens und Usbekistans nach Tadschikistan zurückgeschlagen worden.
Im August 2000 fiel die IBU erneut über die usbekische Enklave Woruch nach Kirgisien ein und wurde von der usbekischen Armee vertrieben.
Die Nähe Afghanistans, nicht vollständig festgelegten und praktisch nicht kontrollierbaren Grenzen zwischen Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan, ungelöste sozialen Probleme, traditionell starke Stellung des Islam in der Region und eine große Anzahl von leicht rekrutierbaren arbeitslosen, zum großen Teil ungebildeten jungen Männern, lässt neuere Unruhen nicht unwahrscheinlich erscheinen.
IGFM, Juli 2005

















