Kuba: Huber Matos zur Ausreisegenehmigung für Dr. Hilda Molina

 

Miami, 25.06.2009 

 

 

 

IGFM-Mitglied Huber Matos: Ex-Comandante und ehem. politischer Gefangener Castros.
Foto: © Christoph Rüttger

Nach 15 Jahren Ausreiseverbot konnte unsere Mitbürgerin Dr. Hilda Molina endlich zu Ihrer Familie nach Argentinien ausreisen. Ohne die eindringliche Fürsprache der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández und ihres Ehemanns Néstor Kirchner wäre dies nicht möglich gewesen.

In einer Erklärung bekräftigte Dr. Molina, dass sie keinesfalls Geheimnisträgerin gewesen sei. (Dies wurde vom kubanischen Regime stets als Begründung für das Ausreiseverbot genannt.) Desweiteren erklärte Molina, dass sie weder die Geliebte noch die Ärztin Fidel Castros gewesen sei. Bisweilen wurden gezielt entsprechende Spekulationen gestreut. Eindeutig ist, dass Dr. Molina nicht die Ärztin Castros war. Dies war vielmehr der inzwischen verstorbene persönliche Neurologe des Diktators, Dr. Róger Figueroa. Er war gleichzeitig Arzt seiner Leibgarde, der Mitglieder des Zentralkomitees sowie der Liebhaberinnen der wichtigsten Personen der kubanischen Nomenklatura.

Dr. Molina arbeitete im Institut für Neurologie und Neurochirurgie (INN), das von Dr. Rafael Estrada González gegründet und bis zu seinem Tode 1991 geleitet wurde. Estrada lernte 1948 am Massachusetts-Krankenhaus der Harvard-Universität und war nach seiner Rückkehr noch vor der kubanischen Revolution der Pionier für Neurologie in Kuba. Eine Vermischung von Ideologie und Wissenschaft versuchte er stets zu vermeiden.

Während ihrer Zeit am INN achtete Dr. Molina auf die ideologische Linientreue der Institutsmitarbeiter. 1988 erhielt sie die höchste Auszeichnung des Innenministeriums, weswegen ihr einige politischen Opportunismus vorwarfen. Sie selbst hat später sehr bedauert, sich ab dem 15. Lebensjahr dem Regime unterworfen zu haben. Aber dies haben mit ihr Millionen kubanischer Jugendlicher getan , gefangen zwischen ihren Träumen und der offiziellen Demagogie.

Dr. Molina stand Castro nahe. Sie überredete ihn zur Gründung des Internationalen Zentrums für restaurative Neurologie (CIREN), was 1989 erfolgte, das sie leitete und das ausschließlich ausländische Patienten behandelte. Der Diktator persönlich enthob sie 1994 ihres Postens, weil Molina ihn mehr als ihr zugebilligt wurde mit Vorschlägen zur Institutsführung belästigte. Anschliessend wurde Kuba für sie 15 Jahre lang zu einem Gefängnis.

Was Staatsgeheimnisse betrifft, so ist es wahrscheinlich, dass Dr. Molina Details einer Verschwörung gegen Castro von 1986 kennt, in die mehrere leitende Mitarbeiter des Instituts für Neurologie und Neurochirurgie (INN) verwickelt waren. Sie wurden in aller Stille verhaftet, da dem Regime zu jener Zeit ein internationaler Skandal besonders unangenehm gewesen wäre. Castro kultivierte bekanntlich gerne sein Image als Förderer des medizinischen Fortschritts in Kuba. Jetzt, da Dr. Molina in Freiheit ist, kann sie uns vielleicht etwas zu den damaligen Vorgängen sagen.

Nach ihrer Ankunft in Argentinien verlangte Dr. Molina von Raúl Castro Änderungen des kubanischen Regimes. Sie drückte die Hoffnung aus, das System möge flexibler werden. Diese Forderungen haben schon andere Vertreter der demokratischen Opposition innerhalb und außerhalb Kubas gestellt. Sie fordern Änderungen anstatt Demokratie zu verlangen. Demokratie aber bedeutet den totalen Wandel. "Änderungen" könnten sich als gut getarnte politische Falle derjenigen herausstellen, die auf geschickte Weise an der Macht bleiben wollen.

Raúl Castro strebt nach dem Tode seines Bruders die totale Herrschaft an. So wie Kim Jong Il die Macht von seinem Vater Kim Il Sung in Nordkorea geerbt hat und die er nun an seinen Sohn weiter vererben will. Die letzten Enklaven des Sozialismus gleichen immer mehr Monarchien. Selbstverständlich wird Raúl Castro "Änderungen" veranlassen, sobald sein Bruder aufhört, ihn zu bremsen. Nur so kann er das System vor dem totalen Zusammenbruch bewahren und die Demokratie verhindern.

Aber seien wir nicht ungerecht. Dr. Molina hat bei anderer Gelegenheit sehr klare Aussagen getroffen und die Achtung der Menschenrechte für alle Kubaner gefordert. Nach ihrem Eintreffen in Argentinien sprach sie auch von "einer Trauer, die niemals geheilt werden kann". Das sind Worte voller Schmerz, die großes Verständnis verdienen. Wir Kubaner sind nicht ohne Gefühl für persönliche Tragödien. Wir wünschen ihr viel Glück im Kreise ihrer Familie. Willkommen in der Freiheit!





*Huber Matos ist Ex-Comandante des kubanischen Bürgerkrieges, ehemaliger politischer Gefangener des Castro Regimes (20 Jahre) und Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte.

Übersetzung aus dem Spanischen: Edgar Lamm

 

 

Anzeigenmotive und Kampagnen
Notadressen und Hilfsangebote
Bitte spenden Sie!