Weiterhin Unterdrückung von Christen in der VR China


von Walter Flick
IGFM, September 2004


Seit Jahren in Haft: Bischöfe Su Zhimin (1. von links) und An Shuxin (1. von rechts).

Foto: Kirche in Not

Die chinesische Bibel. Bild: missionxp 

Der katholische Bischof Joseph Zen Ze-Kiun (Hong Kong)

Am 15. September 2004 stellte die US-Regierung ihren sechsten weltweiten Bericht "Religionsfreiheit" vor. Die VR China wurde - wie durchgehend seit dem ersten Bericht 1999 - als Land "besonderer Besorgnis" bezeichnet. Außerdem sei die offizielle Toleranz für Buddhismus und Taoismus größer als für Christen. Trotz anhaltender Bedrängnis berichten alle Quellen über die wachsende Zahl chinesischer Christen.

Gegen Jahresende 2002 war durch den Wechsel im Führungsgremium der Kommunistischen Partei der VR China bei vielen Christen Hoffnung auf mehr Religionsfreiheit aufgekommen. So erwartete Kardinal Paul Shan Kuohsi, Bischof im taiwanesischen Kahsiung, im November 2002 von der vierten Generation der Kommunisten eine Politik der Öffnung. Dazu passt, dass der neue Parteichef Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao bei Ausbruch der SARS-Epidemie im November 2002 Offenheit und mehr Freiraum für die Medien zugesagt hatten.

Artikel 36 der chinesischen Verfassung von 1982 garantiert Glaubensfreiheit, doch heißt es gleichzeitig u.a.: "Niemand darf eine Religion dazu benutzen, Aktivitäten durchzuführen, die die öffentliche Ordnung stören... Religiöse Organisationen dürfen von keiner ausländischen Macht beherrscht werden."

In diesem Sinne müssen Glaubensgemeinschaften offiziell gemeldet sein und Kontrollen des Personals, der Aktivitäten und der Finanzen über sich ergehen lassen.

Die Mehrheit der geschätzten 80 bis 90 Millionen Christen in der VR China lehnt dies ab. Man rechnet mit 40 bis 60 Millionen nichtregistrierten Protestanten und 12 Millionen "Untergrundkatholiken".

Die Erfahrung der Jahre 2003/2004 ist die, dass die KP weiter die Totalkontrolle über die Religionen und Kirchenmitglieder ausüben will, wobei die Lage in verschiedenen Provinzen variiert.

Die romtreue katholische Kirche in China leidet 2003/2004 weiter unter Verhaftungen und staatlicher Unterdrückung. Im Mai 2003 wurden drei staatliche Direktiven zur Kontrolle der katholischen Kirche und ihre Trennung von Rom bekannt. Im Rahmen angeblicher "Demokratisierung" soll die übernationale Ausrichtung der katholischen Kirche zerstört werden.

Dementsprechend konstatierte der katholische Bischof Joseph Zen Ze-Kiun (Hong Kong) bei seinem Deutschland-Aufenthalt im Mai 2003 in einem Gespräch mit IGFM-Mitarbeitern auch eine Verfolgung der an sich staatskonformen "Chinesischen Katholisch Patriotischen Vereinigung". Die Regierung bezweifelt die Treue vieler dazu gehörender Bischöfe, die sich vom Papst anerkennen ließen.

Bischof Zen kritisierte, dass das letzte noch geduldete Priesterseminar in der Provinz Hebei wegen mangelnder Staatstreue den Betrieb einstellen musste.

In Hebei wurden im August 2004 acht Priester, darunter der Generalvikar des Bistums Baoding Paul Huo Junlong und zwei Seminaristen festgenommen. 23 Priester des Bistums waren im Sommer 2004 in Haft, darunter seit über sieben Jahren Diözesanbischof Su Zhimin und Weihbischof An Shuxin. Der 76jährige Bischof Johannes Gao Kexian starb Ende August 2004 nach fünf Jahren Haft.

Bei den Protestanten geschieht die eigentliche christliche Erweckungsbewegung in so genannten Hauskirchen, die von den bis in Glaubensinhalte hinein reglementierenden Staat unabhängig sein wollen. Man kommt oft in Privathäusern mit Gruppen von bis zu 20 Personen zusammen, auf dem Land auch deutlich mehr Personen.

Im August 2004 wurden erneut Hauskirchenleiter verhaftet und deren Verwandte drangsaliert. Ein prominenter Fall ist Luo Bing Yin aus der Provinz Anhui. Der Leiter der Ying Shang Hauskirche mit fünf Millionen Mitgliedern wurde ohne Anhörung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Am 6. August 2004 wurden die protestantischen Christen Liu Fenggang, Xu Yonghai und Zhang Shenggi von einem Gericht in Hangzhou (Südost-China) zu drei, zwei und einem Jahr Gefängnis verurteilt. Man warf ihnen vor, das Vorgehen der Behörden gegen Protestanten an eine amerikanische Zeitung gemeldet zu haben. Die Behörden zerstörten Dutzende heimlich als Kirchen genutzte Wohnungen. 

Somit gab es auch 2003/2004 in der VR China keine Glaubensfreiheit im Sinne der UN-Menschenrechtserklärung von 1948. Zudem wurde der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte" mit dem Artikel 18 zur Religionsfreiheit von der VR China noch immer nicht ratifiziert.

 

 

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