Westafrika: Hindernisse für Frauenrechte
Frauenrechte in Nigeria und Gambia
Fallstudie von Davies Iber*, IGFM
Februar 2002
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Bild: theirc.org |
In einer Demokratie verdienen alle Bürger, dass man ihnen Respekt entgegenbringt. Keine Gruppe darf ausgesondert und als 'Bürger zweiter klasse' behandelt werden. Eine weitere grundlegende Voraussetzung für Demokratie und Menschenrechte ist die Duldung von Unterschieden, ob sie nun Geschlecht, Rasse, Ethnie, Religion oder Philosophie betreffen.
Frauenrechtlerinnen und jene, die sich mit der gleichen und gerechten Behandlung der Geschlechter vor dem Gesetz befassen, weisen nach, dass auch lange nachdem die universell akzeptierte Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen im Jahre 1948 formuliert wurde, viele Frauen weiterhin in fast allen Sphären des Lebens diskriminiert werden. Besonders bei der Wahrnehmung ihrer politischen Rechte, wenn sie um Rechtshilfe vor Gericht nachsuchen, wenn sie Arbeit mit entsprechender Vergütung suchen, wenn sie ihren Eigentumsrechten Geltung verschaffen wollen, wenn sie Zugang zu Bildungseinrichtungen suchen und wenn sie ihr Recht auf Fortpflanzung ausüben möchten.
Globale Bemühungen gegen die Diskriminierung der Frauen
Das Erkennen dieser Probleme in der Weltgemeinschaft führte zur Proklamation eines 'Jahrzehnts der Frauen der Vereinten Nationen' (United Nations Decade for Women), 1976-1985, und zum 'Abkommen über die Abschaffung jeglicher Form von Diskriminierung der Frau' (Convention on Elimination of Discrimination Against Women, CEDAW) im Jahre 1979, das Maßstäbe setzte für die Abschaffung von Diskriminierung zwischen Männern und Frauen. Die drei Hauptthemen des 'Abkommens über die Abschaffung der Diskriminierung der Frau' sind Gleichheit, Entwicklung und Frieden.
Gleichheit. Dies bedeutet die vollkommene Einhaltung der gleichen Rechte für Frauen und die Abschaffung von Diskriminierung vor dem Gesetz und im täglichen Leben. Das 'Abkommen über die Abschaffung jeglicher Form von Diskriminierung der Frau' (engl. CEDAW), wurde von über 115 Staaten unterzeichnet (Stand 2002). Dieses Abkommen hat kürzlich eine Nachschrift erhalten. Nun ist auch Einzelpersonen erlaubt, bei schweren Vergehen, vor dem Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen einzureichen.
Entwicklung. Hier wird versucht, die Frauen in alle Pläne von Entwicklungsbemühungen zu integrieren, um ihre Ausgrenzung angesichts psychologischer, sozialer und kultureller Motive abzubauen.
Frieden. Hier ist der internationale Frieden gemeint. Er wird durch internationale Spannungen und Konflikte und von groben Verletzungen der Charta der Vereinten Nationen gestört. Das "Jahrzehnt der Frauen der Vereinten Nationen" hat dieses Problem deswegen angesprochen, weil Frauen in Krisenzeiten oft besonders stark leiden. Weiterhin verurteilt der Entwurf des CEDAW, der von den Vereinten Nationen kürzlich anerkannt wurde, körperliche Angriffe, sexuelle Belästigung und psychische Verletzungen der Frau, egal, ob sie von Einzelpersonen, Regierungen oder deren Stellvertretern verübt werden.
Die Vereinten Nationen haben in mehreren internationalen Konferenzen und Tagungen die Rechte der Frauen behandelt und die Notwendigkeit unterstrichen, die Ungleichbehandlung von Frauen zu überwinden. Doch welchen Einfluss hatten diese Großveranstaltungen?
In der Praxis ist leider nur wenig erreicht worden. In ganz Westafrika bleibt die Situation für Frauen und Mädchen sehr schwierig aufgrund der Bräuche und Traditionen, die dort nach wie vor verbreitet werden.
Probleme in Westafrika
Gesetz und verfassungsmäßige Ungleichheiten
- Die Gesetze selbst sind in der Tendenz diskriminierend du beschränken zum großen Teil die Rechte der Frauen;
- Man tendiert dazu, die Gesetze eigenmächtig oder mit Voreingenommenheiten gegenüber Frauen anzuwenden;
- Frauen kennen ihre eigenen Rechte oder die Bedeutung des Gesetzes in der Praxis oft nicht;
- Frauen haben aus wirtschaftlichen Gründen keinen Zugang zu Gerichtsprozessen oder haben nicht das nötige Selbstvertrauen vor Gericht zu gehen.
Hier einige Fallstudien aus Nigeria und Gambia:
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Frauen in Gambia. Bild: villageaid.org |
In Nigeria gibt es zwei Haupttypen von Gesetzen, das Gewohnheitsrecht und das Allgemeine Nigerianische Gesetz. Gewohnheitsrechtliche Gesetze gibt es so viele wie es ethnische Gruppen in Nigeria gibt. Zu dieser Kategorie gehört auch das Gesetzsystem der Scharia. Dieses Fehlen an Einheitlichkeit im legalen System und die Anwendung der Scharia in Familienangelegenheiten ist das Hauptproblem der Frauen in Bezug auf das Erreichen von Gerechtigkeit. Zum Beispiel bei der Heirat: Eine Frau darf ihre Tochter nicht zur Ehe freigeben, solange der Vater lebt oder schwächlich ist, und eine junge Frau kann ohne ihr Einverständnis verheiratet werden.
In Bezug auf Eigentum erlauben die Gesetze gemeinsamen Besitz von Eigentum vom Mann und seiner Ehefrau, aber im Falle einer Scheidung verliert die Frau ihren Eigenanteil an den Mann. In einigen nördlichen Bundesstaaten des Landes dürfen nur unverheiratete Frauen bestimmtes Eigentum besitzen.
Zum Thema Kinder: Das Kind gehört der Mutter nur wenn die Ehe fortdauert. Kommt es aber zur Scheidung, dann bekommt der Vater automatisch alle Kinder zugesprochen, außer wenn er es selbst nicht möchte.
Bei der Frage der Erbschaft gilt: Wenn ein Mann stirbt, wird das Gesetz, unter dem seine Ehe geschlossen worden war, die Erbschaftsangelegenheiten regeln. Im westlichen Teil des Landes beispielsweise ist es einer Frau nicht erlaubt, das Eigentum ihres Gatten zu erben, sondern sie muss von einem Angehörigen ihres letzten Mannes ihr Erbe zugesprochen bekommen. In der Hausa Region ist es unter islamischem Gesetz Frauen nicht erlaubt, entweder das Eigentum ihres Gatten oder ihrer Eltern zu erben, aber die Regeln, mit denen dies praktiziert wird, sind gleichfalls diskriminierend: Während Söhne den vollen Anteil des Eigentums ihres Vaters erben, erhalten Töchter nur die Hälfte des Anteils ihrer Brüder. In Bezug auf Bürgschaft: Einer Frau ist es nicht erlaubt, für eine angeklagte Person eine Bürgschaft zu übernehmen.
Gambia hat wie Nigeria kein einheitliches verfassungsmäßiges System. Es gibt, was man einen 'modernen Sektor von Standards' nennen könnte und ein Fallgesetz in Englischer Sprache, das aber meistens nur auf Christen angewendet wird.
Es gibt auch gewohnheitsrechtliche Gesetze und 'Persönliche Gesetzessysteme'. 'Persönliches Gesetz' heißt im gambischen Sinn 'islamisch' oder die Scharia, die für die meisten Muslime hauptsächlich bei Familienangelegenheiten Anwendung findet, wie bei Scheidung und Erbfolge (vor allem der Personen, die vor ihrem Tod keine Erbschaftsregelungen unternahmen). Beides, die gewohnheitsrechtlichen Gesetze und die persönlichen Gesetze sind überaus diskriminierend, sie begünstigen Männer gegenüber Frauen. Darüber hinaus sind alle Häuptlinge auch Richter und besitzen die uneingeschränkte Macht, gerichtliche Fälle zu entscheiden.
Vorurteile gegen Frauen und wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen
In vielen westafrikanischen Ländern sind billige Arbeitskräfte sehr leicht von Armen, von ethnischen Minderheiten, von Frauen, Bauern und landlosen Arbeitern erhältlich. Diese Gruppen , darunter vorwiegend Frauen , werden diskriminiert und ausgebeutet, weil sie größtenteils nicht organisiert sind. Sie haben keine Gewerkschaften, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. In Gambia wird 90 Prozent der Reisproduktion, das Hauptnahrungsmittel des Landes, von Frauen aus ländlichen Gegenden produziert, zum Nutzen der Elite, die in den Städten leben. In den westafrikanischen Ländern wie Gambia, Senegal und den Kapverdischen Inseln hängen viele Menschen vom Tourismus ab. Dabei werden Frauen und Kinder sexuell ausgebeutet, um die Wirtschaft anzutreiben.
Religion, Kultur und schädliche traditionelle Praktiken
Das 'Abkommen über die Abschaffung jeglicher Form von Diskriminierung der Frau' (engl. CEDAW) ist in der Welt der deutlichste Ausdruck über die Geschlechtsperspektiven der Menschenrechte. Es umfasst die drei Elemente der Rechte der Frauen, nämlich: Die Bejahung des Geschlechts, das Prinzip Gleichheit und das komplementäre Prinzip Nicht-Diskriminierung.
Diese drei Prinzipien bilden zusammen das vielfältige und umfassende Konzept von der Gerechtigkeit für beide Geschlechter. Im Allgemeinen hat es in anderen Teilen der Welt viele Verbesserungen im Verhältnis der Geschlechter untereinander gegeben, in Westafrika jedoch sind die traditionellen Praktiken und Bräuche weiterhin die Haupthindernisse für einen Fortschritt zu Gleichheit und Gerechtigkeit. Es ist gut dokumentiert, daß die folgenden Praktiken in Westafrika fortbestehen:
Genitalverstümmelung: Sie wird in allen Ländern praktiziert.
Landrechte im Westafrikanischen Gürtel von Nigeria:
Dies ist vorherrschend unter den Stämmen der Tiv und der Igala, wo das Land Gemeindeeigentum ist und Privateigentum oder Titelanspruch nicht erlaubt ist. Da jedoch die Modernisierung allmählich diese Kultur immer weiter aushöhlt, dürfen Männer Eigentum fordern, Frauen hingegen dürfen kein Land besitzen oder Land anfordern. Das Land ist ausschließlich den Männern vorbehalten und wird an Männer oder an die Söhne der Familie vererbt. Bei den Igalas ist es Frauen nicht nur nicht erlaubt Besitz zu haben, sie dürfen sich auch nicht in irgendeiner Weise in der Landwirtschaft engagieren, weil dies als Domäne der Männer angesehen wird.
Distriktstribunale:
In Gambia und Senegal haben die Distriktstribunale sehr große Macht, sie entscheiden über die meisten Streitigkeiten der ländlichen Bevölkerung und sie bestehen ausschließlich aus Männern. Frauen ist es traditionell untersagt, bei Distriktstribunalen zu dienen und die meisten Entscheidungen bei den Distriktstribunalen begünstigen Männer.
Heirat und Scheidung:
Der weitaus größte Teil der Ehen wird nach islamischem Gesetz geschlossen. Bei diesem Gesetz ist eine Scheidung im Grunde ein Vorrecht des Mannes, sie kann durch schlichte Ablehnung herbeigeführt werden. Die meisten dieser Ehescheidungen erreichen nie die Gerichte, und wenn sie sie erreichen, dann ist das höchste, was Frauen erhalten können, ihre Umzugskosten, einen Unterhaltszuschuss für drei Monate und einen symbolischen Betrag für den Unterhalt von Kindern, falls die Frau sie behalten darf.
Erzwungene Ehen und Verlobungen von Kindern:
Dies ist eine Praxis in allen westafrikanischen Ländern, nur die Verbreitung ist von Land zu Land verschieden. Die Heirat für ein Mädchen wird häufig von deren Eltern arrangiert. Dabei darf auch Gewalt angewendet werden, wenn das Mädchen sich weigern sollte, die für sie arrangierte Heirat zu akzeptieren. Die Verlobung von Kindern wird in vielen (westafrikanischen) Ländern praktiziert und auch eine frühe Heirat ist weit verbreitet. Nach einer jüngsten Umfrage in Gambia gaben 66 Prozent der befragten Frauen an, dass sie jünger als 17 Jahre alt waren, als sie verheiratet wurden und 27 Prozent waren sogar noch nicht einmal 15 Jahre alt.
Distriktswahlrecht in Gambia:
Das Recht, ein traditioneller Häuptling zu sein, ist ein absolutes Vorrecht der Männer. Die Stellung eines Häuptlings und die Wahlregeln für die Wahl der traditionellen Führung basiert auf Besitz, mit dem Resultat, dass nur Männer bei solchen Wahlen wählen können und dass nur Männer sich zur Wahl stellen können.
Polygamie ist in allen Ländern verbreitet:
Viele Frauen werden in einer polygamen Ehe in vielerlei Weise vernachlässigt. In einigen Fällen wird die angemessene Pflege und die finanzielle Unterstützung für die Frau und ihre Kinder nicht erteilt, hauptsächlich dann, wenn sie eben nicht die Lieblingsfrau des Mannes ist. In anderen Fällen können Männer wegen ihres geringen Einkommens die Unterstützung gar nicht leisten. In diesem Falle besteht eine direkte Verbindung zwischen Polygamie und finanziellen Schwierigkeiten in Ehen.
Gewalt gegen Frauen
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Namibische Frauen zerkleinern Steine, um |
Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Menschenrechte der Frau, gegen ihren Körper und ihr Recht als Person. Dies kann bei allen Frauen aller Schichten geschehen. Gewalt ist weitestgehend definiert als 'eine Handlung, eine Politik oder eine Haltung, die körperliche oder mentale Verletzung verursacht und die eine Person entwürdigt und entmenschlicht'. Die in Westafrika am meisten verbreiteten Formen der Gewalt gegen Frauen sind: Das Schlagen der Ehefrau, unsittliche Angriffe, Vergewaltigung, Entwürdigung von Mädchen durch Drohungen, sexuelle Belästigung und Einschüchterungen.
In Gambia verbietet das Strafgesetz Gewalt und legt für Vergehen Strafen fest. Aber die Strafverfolgung bei Gewalt gegen Frauen wurde am wenigsten verwirklicht in der Geschichte des Gesetzes des Landes. Es ist augenscheinlich, dass einige Distriktshäuptlinge, die auch Richter sind, zu Gewalt gegen Frauen ermutigen. Ein Distriktshäuptling erklärte einmal: "Wenn eine Frau ihrer Familie berichtet, dass sie von ihrem Mann misshandelt wird, sollten sie ihr sagen, sie solle zu ihrem Mann zurückkehren und ihm gehorchen. Wenn sie sich weigert, zu ihrem Mann zurückzukehren, soll sie Schläge erhalten und auf keinen Fall dazu ermutigt werden, noch weitere Handlungen zu unternehmen."
Obwohl Gruppen und Bewegungen entstanden sind, die für die Rechte der Frauen kämpfen, erzielten diese Gruppen zumindest bisher keine großen Fortschritte. Die Hindernisse sind: Zersplitterung in Ansichten und Zielen, ein Mangel an Mobilisierung bei der Basis und vor allem der Mangel an finanzieller Unterstützung, um großangelegte Projekte für die Förderung und den Schutz von Frauenrechten auszuführen und zu unterhalten.
* Unser Autor Davies Iber ist Vize-Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und Vorsitzender des Westafrikanischen Komitees der IGFM. Er hat sich eingehend mit Themen zu den Menschenrechten der Frauen und Frauenrechtsgruppen in Westafrika befasst. 1993 leitete er ein Frauenkomitee der IGFM zur Weltkonferenz der Vereinten Nationen über Menschenrechte in Wien/Österreich und auf den Welt-Gipfel für Soziale Entwicklung in Kopenhagen/Dänemark im März 1995.



















