Würdigung der Kuba-Berichterstattung von Carl-H. Pierk
Laudatio von Prof. Dr. Wolfgang Schöhl für den Sonderpreis zum Thema "Menschenrechte auf Kuba"
IGFM-Medienpreis 2008
Bonn, 19. April 2008
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Dieser Preis in Höhe von 500? ist ein Sonderpreis. Er wurde gestiftet von der Organisation "Mothers against Repression" aus Miami, abgekürzt MAR.
MAR - das wissen viele von ihnen, heißt auf Spanisch auch "Meer". Und das Meer ist ja der einzige Fluchtweg, der den Kubanern übrig bleibt, wenn sie von den Diktatoren in Kuba und ihren Stasi-Schergen verfolgt werden - zum Beispiel nur deshalb, weil sie gewerkschaftlich tätig waren. Einer von denen, die dieses Schicksal erlitten haben, ist unter uns in diesem Saal. Er saß jahrelang dafür im Gefängnis. Andere Kubaner versuchen es mit Flucht: Viele haben versucht, über das Meer zu entkommen, und viele haben es mit ihrem Leben oder ihrer Gesundheit bezahlt.
Mothers against Repression ist eine Organisation von Exilkubanerinnen, mit der die IGFM zusammenarbeitet. Mitglieder dieser Organisation sind Freunde von den Menschen in Kuba, die entweder in politischen Gefängnissen sitzen oder - obwohl sie nicht eingesperrt sind, dennoch dauerndem politischen Druck von Seiten der kommunistischen Regierung ausgesetzt sind.
Die Frauen von Mothers against Repression sind vor allem auch Freunde und Unterstützer der Angehörigen der politischen Gefangenen oder derer, die unter ständigem politischem Druck oder endlosen Schikanen leben müssen. Denn diese Angehörigen - oft Eltern und Geschwister - leiden oft fast genauso schlimm wie die, die in den Gefängnissen sitzen.
Sie erleben die Isolation und oft auch Krankheit der Eingesperrten in den Gefängnissen, aber sie können nur sehr wenig dagegen tun und fühlen sich ohnmächtig. Solche Angehörige sind zum Beispiel die "Frauen in Weiß", die in Havanna regelmäßig gegen das Unrecht der politischen Verfolgung demonstrieren und demonstriert haben. Sie wurden von regierungstreuen und von der Regierung abhängigen Kubanern oft verhöhnt und manchmal geschlagen; oder ihre Kinder und Enkel wurden schikaniert, indem die kubanische Stasi ihnen nicht erlaubte, die Hochschulreife in der Schule zu erlangen, oder ihnen später einen Studienplatz versagte.
Politisch Verfolgte oder ihre Angehörigen werden manchmal auch dadurch in Bedrängnis gebracht, dass man ihnen Kinder wegnimmt und diese in Indoktrinierungskursen zu Spitzeln gegen die eigenen Eltern umfunktioniert.
Wie sehr Angehörige mit den eigentlichen Verfolgten des Regimes mitleiden, das vergessen wir Deutsche allmählich, nachdem die Stasi in Deutschland keine Macht mehr hat. Wie ja auch die Berichterstattung über politisch Verfolgte und die Machenschaften diktatorischer Regimes in Deutschland immer weiter zurückgeht, je länger das Stasi-Regime abgeschafft wurde.
Aber dass die Zustände in den verbliebenen kommunistischen Ländern wie Kuba noch immer ähnlich sind wie ehemals in Ostdeutschland, daran erinnert mit seiner kontinuierlichen, zuverlässigen Berichterstattung über Kuba unserer Preisträger Carl-H. Pierk. Er war bis vor kurzem Chefredakteur der Zeitung Tagespost in Würzburg und schreibt für sie jetzt - nach seiner Pensionierung - noch als freier Mitarbeiter.
Die Jury ehrt mit Ihnen, Herr Pierk, einen Mann, der über Jahre hindurch immer wieder kenntnisreich und detailliert über Kuba berichtet hat, obwohl es manchmal so herzlich wenig Neues zu berichten gab. Das ist ja der größte Feind von uns Journalisten: dass das Publikum von uns erwartet, dass wir immer etwas Neues bringen, das Schlagzeilen macht. In Kuba gibt es so wenig Neues, und deswegen findet die Berichterstattung über dieses Land mit seinen Schattenseiten auf dem Gebiet der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit auch in den Printmedien nur eher selten statt.
Im Fernsehen ist es noch schlimmer: dort findet eine kritische Berichterstattung so gut wie gar nicht statt, weil es durch die staatliche Zensurbehörde einfach unmöglich gemacht wird, dass freie Fernsehteams in Kuba unzensiert und unkontrolliert drehen.
Umso wichtiger ist es, dass ein Autor wie Carl-H. Pierk in seinen ausführlichen und obwohl-informierten Artikeln nicht nur aufschlussreiche politische Analysen gemacht hat, sondern auch das Thema der Menschenrechte in Kuba immer wieder anspricht. Er kann sich dabei auf langjährige journalistische Erfahrungen, aber auch auf besondere Quellen wie zum Beispiel die katholische Kirche stützen, die in Kuba - wenn auch in sehr verhaltener Form - noch immer Einfluss ausübt, vor allem aber gut informiert ist.
Im Namen der Jury und der beiden Vertreterinnen der Organisation "Mothers against Repression" freue ich mich daher, ihnen, lieber Herr Pierk, den Sonderpreis von 500 Euro zu übergeben, der an die Leiden der Angehörigen politisch Verfolgter erinnern soll.
Herzlichen Glückwunsch!















