Würdigung des Beitrags von Bernd Ziesemer: "Das hässliche China"


Bernd Ziesemer (links), Chefredakteur des Handelsblatts. Foto: IGFM/Christoph Rüttger

Die Laudatio auf den Gewinner des ersten Preises, den Chefredakteur des Handelsblattes Bernd Ziesemer, hielt Prof. Dr. Wolfgang Schöhl

Der Beitrag von Bernd Ziesemer belegt in besonders hohem Maße das umfangreiche Wissen des Autors über China und dessen hässlichste Seite, die Verachtung der Menschenrechte. Sein Artikel beschreibt Chinas grausames Gesicht in besonderer Breite und Tiefe.

In besonderer Breite, weil alle wesentlichen Aspekte von Menschenrechtsverletzungen in diesem Artikel in aktueller Aufdatierung zur Sprache kommen:

  • die Drangsalierung von über einer Million, vielleicht sogar 3 Millionen Andersdenkender in hunderten, vielleicht sogar 1000 Arbeitslagern
  • die Exekution von mehreren tausend Menschen pro Jahr durch die Strafbehörden
  • die Tötung von ungeborenen Babys und den Handel mit Organen
  • die Niederschlagung von Arbeiteraufständen und die Verfolgung von Christen;
  • außerdem die raffinierten Methoden der Zensur, die solches Unrecht überhaupt erst seit Jahrzehnten möglich macht.
  • Schließlich beschreibt Bernd Ziesemer die Irrtümer und Fehleinschätzungen westlicher Politiker und Wirtschaftsführer, die sich durch diese Zensur irreführen lassen.

    Besonders diese Fehleinschätzungen und das jahrelange Wegschauen von Politikern werden in dem Artikel von Herrn Ziesemer in einen größeren Zusammenhang gesetzt; z. B. wird die eher unkritische Haltung gegenüber China in Deutschland mit der eher kritischen Haltung in den Vereinigten Staaten verglichen.

    Dass Herr Ziesemer eine besonders tiefe und langjährige Detailkenntnis in Fragen der Menschenrechte in China hat, wird nicht nur aufgrund der Lektüre seines Artikels offenbar; man kann es auch durch systematische Recherche belegen:

    Gibt man in Google den Vor- und Nachnamen Bernd Ziesemer sowie die Worte China und Menschenrechte ein, so erscheinen als Ergebnis nicht weniger als 140 Dokumente. Wenn man diese Dokumente überfliegt, so wird eines sofort klar: das Wissen um die Beschäftigung des Autors mit China und seine Missachtung der Menschenrechte stammt nicht nur aus den letzten fünf Jahren, als über dieses Thema in der westdeutschen veröffentlichten Meinung allmählich öfter berichtet wurde; vielmehr hat er sich auch mit umfangreichen frühen Werken über dieses Thema wie dem "Schwarzbuch des Kommunismus" auseinander gesetzt, wo schon sehr früh auf das falsche Bild eines idealisierten Mao in den westlichen Medien hingewiesen wurde. Bernd Ziesemer unterscheidet sich damit zum Beispiel von der Redaktion des "Spiegel", die dies mittlerweile auch ausführlich, aber eben erst letztes Jahr getan hat.

    Insgesamt gibt der Artikel von Bernd Ziesemer einen umfassenden, aktuellen Überblick über die Lage der Menschenrechte in China, den zu lesen sich besonders lohnt. Die Jury hat ihm daher den ersten Preis zugesprochen.
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