Würdigung des Filmbeitrags von Stefan Buchen (NDR)


Laudatio Gunnars Reichenbachs, Stv. Chefredakteur Nord-West Zeitung, Oldenburg

 

IGFM-Medienpreis 2009

Berlin, 03. Dezember 2009

 

 

 

 

 

Laudator Gunnars Reichenbachs

Foto: © IGFM, Marco Urban

Stefan Buchen, Fernsehjournalist des NDR, erhielt den 1. Preis des IGFM-Medienpreises Menschenrechte 2009.

Foto: © IGFM, Marco Urban

Sehr geehrte Damen und Herren,

Kann oder darf man über ein diktatorisches Regime lachen? Zumindest schmunzeln!

Die NDR- Sendung "Zapp" mit dem Beitrag "Heimliche SAT-Schüsseln im Iran" von Stefan Buchen nähert sich in einer wunderbar einfühlsamen Art dem Thema Pressezensur an. Nicht einfühlsam mit Blick auf das Mullah- Regime, das in seiner Härte zumindest angedeutet wird. Aber herrlich hintergründig ist der Beitrag mit Blick auf die Menschen, die mit allerlei Tricks der Zensur ein Schnippchen schlagen und zumindest via Fernsehen Kontakt zur Außenwelt halten. Sie informieren sich beispielsweise über Auslands- Sender über die Gräueltaten der Staatsmacht auf den Straßen Teherans während der Massendemonstrationen.

Dass die verbotenen TV- Ohren aus dem Material von Kochtöpfen gefertigt werden, ist einer der Punkte, wo Zuschauer gewiss schmunzeln müssen. Und das Schüssel- Installateure gut zu tun haben, beweist wie sinnlos Informationssperren im elektronischen Zeitalter sind.

Erheitert sieht der Zuschauer auch die anrührende Szene aus einem Dorf tief in den Bergen, wo- natürlich- kein einziger Dorfbewohner eine der verbotenen Schüsseln besitzt, aber doch auf Nachfragen recht genaue Kenntnis von TV- Sendungen offenbart.

Alles das vermittelt tiefe Eindrücke vom Leben der normalen Iraner.

Nicht die laute Belehrung, nicht der krachende Kommentar- sonst eher eine Domäne bei "ZAPP" - nein, dieser Film lebt von einem wirklich hintergründigen Blick in die Wohnzimmer einfacher Laute. Man merkt dem Autor Stefan Buchen eine gute- im wahrsten Sinne des Wortes- Antenne zu Menschen vor der Kammer an.

Das Land besteht eben nicht nur aus Ayatollahs, sondern aus Neugierigen - wie sie und ich -, die schlicht Nachrichten hören möchten, ungefiltert, vielfältig und aus aller Welt. Aber auch Shows, Musik, Unterhaltung lieben. Menschen, die sich nicht begnügen mit der dumpfen Propaganda von Oben.

Aber pardon. Ich will nicht in politische Theorien abschweifen. Sondern einfach loben: Dieser Beitrag ist spannend, hochpolitisch lehrreich und zugleich im besten Sinne unterhaltend.

Fazit: Wer den Beitrag noch nicht gesehen hat, hat etwas versäumt. Aber das kann man ja nachholen.
Übrigens: Auch ohne Sattelitenschüssel.

 

 

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