Arzhang Davoodi

Der Lehrer Arzhang Davoodi gehörte zu den ältesten politischen Gefangenen im Iran. 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt, hatte er seine Haftstrafe seitdem in zahlreichen iranischen Gefängnissen abgesessen. 2014 wurde er wegen angeblicher „Unterstützung der Volksmudschaheddin“ zum Tode verurteilt, das Urteil aber in eine weitere fünfjährige Haftstrafe umgewandelt. Durch Folter verlor er einen Teil seines Hör- und Sehvermögens. Seit 2016 wurde er in Isolationshaft ohne Tageslicht oder Kontakt zu Mithäftlingen festgehalten. Am 01. März 2023 wurde Davoodi nach 20 Jahren aus der Haft entlassen.
Nach 20 Jahren Haft freigelassen
Arzhang Davoodi ist einer der ältesten politischen Gefangenen im Iran. Der 1953 Geborene hat trotz jahrelanger Haft, der Verlegung in verschiedene Gefängnisse, zahlreiche Körperverletzungen und Hungerstreiks seine Überzeugungen nicht aufgegeben. Der politische Aktivist setzt sich für Frieden und Demokratie ein. Er ist verheiratet und war als Dichter, Lehrer und Schriftsteller tätig. Außerdem hat er einen Abschluss in Industriemanagement von der University of Texas. Arzhang Davoodi wurde im Oktober 2003 von den Revolutionsgarden verhaftet und von einem Islamischen Revolutionsgericht zu 15 Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Mit 61 Jahren zum Tode verurteilt
Zu den Hauptbeschuldigungen gegen ihn zählen die Gründung einer Oppositionsgruppe, das Verfassen eines „Anti-Regime-Manifests” sowie die Beleidigung des Obersten Führers und von Staatsbeamten. Außerdem wurde ihm Blasphemie und die Arbeit an einem Dokumentarfilm über Menschenrechtsverletzungen im Iran unter der Regie der kanadischen Journalistin Jane Kokan vorgeworfen. Der Dokumentarfilm mit dem Titel „Verbotener Iran” ging der Frage nach der Ursache des Mordes an Zahra Kazemi, einer iranisch-kanadischen Journalistin, im Jahr 2003 in Teheran nach. Nachdem er bereits zehn Jahre seiner Strafe abgesessen hatte, wurde er im Juni 2014 im Alter von 61 Jahren wegen Unterstützung der Volksmudschahedin (MEK) zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde später in fünf zusätzliche Jahre Gefängnis umgewandelt.
Isolationshaft und Folter
Arzhang Davoodi verbüßte seine Haftstrafe bereits in verschiedenen Gefängnissen – unter anderem im Evin-Gefängnis, im Karaj-Gefängnis und in einigen Gefängnissen im südlichen und östlichen Iran. 2005 trat er zusammen mit fünf Mithäftlingen in einen Hungerstreik. Die politischen Gefangenen protestierten dagegen, dass sie zusammen mit Gewalttätern im Rajai-Shahr Gefängnis in Gohardasht westlich von Teheran inhaftiert waren. Nach 13 Jahren in verschiedenen Gefängnissen wurde Arzhang Davoodi im September 2016 in das Zahedan-Gefängnis (bekannt als sogenanntes „Schlachthausgefängnis“) im Ostiran gebracht, um seine Haftstrafe im Exil zu verbüßen. Am 27. Mai 2021 wurde bekannt, dass er erneut nach Gohardasht verlegt wurde.
Isolationshaft trotz verschiedener Erkrankungen
Seit 2016 befindet sich Arzhang Davoodi in Isolationshaft in einem Raum ohne Tageslicht und er hat keinen Kontakt zu Mithäftlingen. Dies bleibt ungeachtet der Wechsel der Gefängnisse bis heute bestehen. Nachdem er im November 2018 nach einem Streit mit dem Gefängnisdirektor mit gefesselten Händen die Treppe hinuntergeworfen wurde, brach er sich beide Beine und verletzte sich an der Schulter sowie am Rücken.
Durch die Isolationshaft sind seine Rückenschmerzen und seine Nierenerkrankung noch schlimmer geworden. Im Laufe der Zeit hat er durch Schläge einen Teil seines Seh- und Hörvermögens verloren. Lange Zeit war er mit gefährlichen Gefangenen auf derselben Station und jeglicher telefonischer Kontakt zu seiner Frau wurde unterbunden. Eine Haftentlassung wurde ihm immer wieder verweigert. Um mehr Druck auf ihn und seine Familie auszuüben, beschlagnahmten die Behörden sein gesamtes Eigentum, einschließlich seines Hauses und seines Autos.
Freilassung
Am 01. März 2023 wurde Davoodi nach 20 Jahren aus der Haft entlassen. Am 5. Februar 2023 gab die Justiz der Islamischen Republik ein Schreiben heraus, in dem der Beginn des Prozesses zur Freilassung einiger der während des Volksaufstandes 2022 verhafteten Demonstranten angekündigt wurde. Nach Angaben auf der Website der Justiz und jüngsten Äußerungen des Justizsprechers erfolgt diese „Begnadigung“ zu Ehren des Jahrestages der Islamischen Revolution und unter der Bedingung, dass die Gefangenen Reue zeigen; Fälle mit Anschuldigungen wie „Verbindung zu Dissidentengruppen“ und „Zerstörung öffentlichen Eigentums“ werden nicht begnadigt. Viele der freigelassenen Gefangenen haben jedoch Videos und Notizen veröffentlicht, in denen sie erklären, dass sie nie um eine Begnadigung gebeten und nie Reue gezeigt haben. Es gibt sogar Videos von Aktivistinnen, die kurz nach ihrer Freilassung ihren Hidschab ablegen und vor dem Gefängnis gegen die Islamische Republik skandieren. Die Freilassung der Gefangenen, die als Begnadigung bezeichnet wird, hat im Internet heftige Reaktionen hervorgerufen, und einige Aktivisten in den sozialen Medien und Menschenrechtsorganisationen halten dies für einen PR-Gag, um einen Teil des Imageschadens von Ali Khamenei zu beheben.
Stand: Juni 2023