FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 10 – November 2025

Baltikum – Gemeinsam gegenseitig unterstützen

Ukrainische und belarusische Flüchtlinge teilen sich die IGFM-Hilfe

Heute hatte ich eine sehr berührende Begegnung mit einer mir bis dahin unbekannten Frau aus der Ukraine, die mir erzählte, wie sie nach der Flucht aus der Ukraine völlig überfordert eine Hilfsstelle aufsuchte und unbürokratisch und kostenlos grundlegende Dinge des täglichen Bedarfs erhielt: Lebensmittel, Hygieneartikel – von Zahnbürsten bis zu Shampoos, Kleidung und sogar Windeln bekam, die ihre alte Mutter brauchte. Sie bedauerte, dass sie sich den Namen der Organisation nicht merken konnte. Ich konnte ihr helfen, denn es war unser Lager. Ich erklärte ihr, dass wir dank unserer deutschen Partner ein Lager unterhalten, das wir gerne mit den ukrainischen Flüchtlingen teilen, und erzählte ihr von der IGFM und ihrer Gruppe in Wittlich und von unserer gemeinsamen Arbeit. Ich möchte Euch noch einmal von Herzen danken. Dank Eurer Hilfe gibt es bei uns zwischen Flüchtlingen aus der Ukraine und aus Belarus keine Konkurrenz um humanitäre Hilfe und erst recht keine Feindseligkeit. Ihr habt uns mit Eurer Unterstützung ermöglicht, anderen zu helfen. Das Treffen mit der Frau aus der Ukraine war für mich heute ein sehr schöner und bewegender Moment“, berichtete uns am 1. Oktober Olga Karatch, Leiterin der belarusischen Menschenrechtsorganisation „Nash Dom“ („Unser Haus“) im litauischen Exil.

Mitte September kam die Nachricht, dass der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko 52 politische Gefangene aus der Haft entlassen hatte, die wenige Stunden später mit ihren Familien nach Litauen ausreisen konnten. „Sie kamen buchstäblich nur mit dem Pass in der Hand, ohne Gepäck, ohne Zahnbürste, ohne frische Unterwäsche. Ohne Euch wüssten wir nicht, wie wir helfen sollen“, schrieb Olga Karatch. Einem Gerücht zufolge sollen weitere Gefangene folgen. Für ihre Versorgung hatte die IGFM-Arbeitsgruppe in Wittlich einen weiteren Transport – es war der 592. Lastzug seit Aufnahme der Hilfsgütertransporte im Jahre 1991 – zusammengestellt und in die litauische Hauptstadt Vilnius geschickt.

Die Zusammenarbeit zwischen den baltischen IGFM-Sektionen Litauen und Lettland, der belarusischen Organisation „Nash Dom“ und der deutschen IGFM-Sektion geht über die humanitäre Hilfe hinaus:  Aus ihren zweckgebundenen Spenden organisierte die IGFM ein Sommerlager für Flüchtlingskinder, die durch Flucht, Krieg und Haft der Eltern traumatisiert sind. Mehrere Wochen lang wurden sie von professionellen Psychologen und Pädagogen betreut. Immer noch kommen täglich Flüchtlinge aus Belarus und der Ukraine. Sogar aus Russland fliehen Menschen, die genug vom Putin-Regime haben, über die belarusische Grenze. Durch sie erhalten wir aktuelle und authentische Berichte über die Lage in ihren Herkunftsländern. Unsere Hilfe ist weiterhin notwendig. Dank gut ausgehandelter Verträge zahlt die IGFM 1.800 Euro pro Lastzug. Ausnahmslos ehrenamtlich tätige IGFM-Mitglieder stellen in Wittlich jährlich mindestens 20 Transporte zusammen. Dankesbriefe wie der oben Zitierte sind unser Lohn.  Bitte unterstützen Sie unser Hilfswerk.

Dieser Artikel wurde publiziert in der  November 2025-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

Jetzt spenden

Hilfstransporte (80)

Zum Spendenformular

Weitere Beiträge der November 2025-Ausgabe

  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025

    In Russland sind hunderte politische Gefangene im Alter zwischen 14 und 23 Jahren in Haft. Die IGFM unterstützt mit finanzieller Hilfe für die Tätigkeit ihrer Anwälte, für Reisekosten der Eltern, um ihre Kinder in entfernten Haftanstalten besuchen zu können, für gesunde Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und für Öffentlichkeitsarbeit, damit sie nicht vergessen werden.

    Published On: Dienstag, November 4, 2025
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025

    Im Jahr 2024 stiegen die Inhaftierungen von Christen im Iran um das Sechsfache. Mit äußerster Brutalität versucht der Staatsapparat, die wachsende Gemeinschaft jener Bürger einzuschüchtern, die den Islam verlassen und Christen werden. Die IGFM lässt nichts unversucht, die Lage von Glaubens- und Gewissensgefangenen sowie politischen Häftlingen zum Besseren zu wenden.

    Published On: Montag, November 3, 2025
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025

    Viele Flüchtlingslager der Jesiden im Irak sollen schließen, doch viele haben keine Heimat mehr, in die sie zurückkehren können. Das darf nicht zur Verwahrlosung der Lager und ihrer Bewohner führen. Die IGFM wird denen, die Hilfe benötigen, weiter beistehen. Der nächste Einsatz ist für Dezember geplant.

    Published On: Sonntag, November 2, 2025
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025

    Seit der Niederschlagung des „Arabischen Frühlings“ 2011 unterstützt die IGFM in Syrien die humanitäre Hilfe der „Blauen Maristen“. So wird jungen Menschen die Fortsetzung ihrer Schulbildung, die für viele Familien unerschwinglich ist, ermöglicht. Bereits mit 100 Euro kann einem jungen Menschen eine Zukunftsperspektive ermöglicht werden.

    Published On: Samstag, November 1, 2025
Nach oben