Bohdan Ziza

Bohdan Ziza ist ein junger Künstler von der besetzten Krim, der aufgrund eines einzigen, symbolischen Protestaktes vom russischen Besatzungsregime zum „Terroristen" erklärt und zu 15 Jahren Straflager verurteilt wurde. Sein Fall steht exemplarisch für die Repression gegen Zivilpersonen, die sich der Besatzung widersetzen und öffentlich gegen den Krieg positionieren.
Wegen Anti-Kriegs-Protest mit ukrainischen Farben zu 15 Jahren Strafkolonie verurteilt
Bohdan Ziza kommt aus Jewpatorija auf der besetzten Krim und arbeitete dort als Straßen‑ und Performance‑Künstler und als Barista in einem Café. Er begeisterte sich für Fotografie und Videografie, studierte 3D-Modellierung, betrieb Sport und unternahm Wanderausflüge. Schon in jungen Jahren beschäftigte er sich mit Street Art, praktizierte Parkour, malte, schrieb Gedichte, entwickelte seinen YouTube-Blog und erkundete die Krim. Er verstand Kunst als Raum für freie Meinungsäußerung und als Möglichkeit, die Angst vieler Menschen unter der Besatzung zu durchbrechen. Mit seinen Arbeiten suchte er Sichtbarkeit für das Leiden der Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch für die innere Zerrissenheit jener, die in den besetzten Gebieten leben und sich doch nach Freiheit sehnen. So schreibt er:
Meine Mutter lebt wie nie zuvor, meine Mutter ist unsterblich. Meine Mutter ist die Ukraine! Und ich schreibe im Namen von Hunderttausenden Krimbewohnern: Liebe Mutter, nimm uns zurück, wir wollen in deiner liebevollen Umarmung sein!
Der Protest in Jewpatorija
In der Nacht zum 16. Mai 2022 begab sich Ziza zum Rathaus der besetzten Stadt Jewpatorija im Westen der Krim. Er übergoss die Eingangstür mit gelber und blauer Farbe – den Farben der ukrainischen Flagge – und warf anschließend eine Molotow‑Cocktail‑Flasche, die jedoch ausging und keinen Brand verursachte. Ziza filmte die Aktion und bezeichnete sie später als anti‑kriegerischen Protest, als „Schrei der Seele und des Gewissens“ gegen einen Krieg, den er nicht hinnehmen wollte. In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt er:
Der Krieg, der derzeit tobt, wird von vielen oft als etwas Fernes angesehen. Hier liegt das Problem Russlands. Für Sie ist der Krieg nur eine kleine Unannehmlichkeit, die Sie zu ertragen versuchen, während Sie Ihr normales Leben weiterleben und schlechte Nachrichten vermeiden. Unterdessen verlieren in der Ukraine Millionen von Menschen ihr Zuhause, verlieren ihre Angehörigen, ganze Städte werden zerstört. Jeden einzelnen Tag.

Foto: Das Rathaus von Jewpatorija nach Zizas Protest. Foto: Telegram-Kanal Krymskij Weter
Verhaftung, Folter und unrechtmäßiges Urteil
Noch am selben Tag wurde Bohdan Ziza von den russischen Besatzungsbehörden festgenommen, mehrere Tage blieb sein Verbleib unbekannt. Kurz darauf tauchten im staatlich kontrollierten Fernsehen mehrere „Geständnis‑Videos“ auf, in denen er sich entschuldigt und seine Tat erklärt – später schilderte er, dass solche Videos nach Schlägen und Misshandlungen immer wieder neu aufgezeichnet wurden, bis die Behörden zufrieden waren. Ihm wurden „Vorbereitung eines Terrorakts“, „Vandalismus“ und „Rechtfertigung von Terrorismus“ vorgeworfen; die Staatsanwaltschaft forderte 18 Jahre Lagerhaft. Am 6. Juni verurteilte ein Militärgericht in Rostow‑am‑Don den Künstler schließlich zu 15 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime.
Haftbedingungen und Hungerstreik
Ziza verbrachte zunächst Monate im Untersuchungsgefängnis in Simferopol, später wurde er in ein weiteres Pre‑Trial‑Detention‑Center überstellt. In einem Brief aus der Haft beschreibt er den Alltag in einer Zelle ohne Fernseher oder Radio, mit ständiger Schwäche, Kopfschmerzen und dem zähen Kampf um das Recht auf einen kurzen Spaziergang im Hof. Er berichtet, wie Aufseher und Mitgefangene versuchen, ihn von seinem Protest abzubringen, und wie schwer es ihm fällt, die Treppen zum Gefängnishof zu bewältigen.
Am 10. Juni 2023 kündigte Bohdan Ziza im Gerichtssaal einen Hungerstreik an, um gegen seine Verurteilung und die systematische Misshandlung politischer Gefangener zu protestieren. In seinem Brief schreibt er, er wisse, dass seine Forderungen „unrealistisch“ seien, doch sein Ziel sei es, Aufmerksamkeit auf das Schicksal politischer Gefangener zu lenken und die Öffentlichkeit aus der Passivität zu reißen. Er betont, dass Öffentlichkeitsarbeit tatsächlich etwas verändere – im Simferopoler Gefängnis habe er erlebt, dass sich nach Berichten über Misshandlungen die Lage für Kriegsgefangene verbessert habe:
Während der neun Monate, die ich im Untersuchungsgefängnis Nr. 1 in Simferopol auf der Krim verbrachte, habe ich miterlebt, wie die öffentliche Berichterstattung über die grausame Behandlung von Kriegsgefangenen dazu beigetragen hat, ihre Haftbedingungen zu verbessern. Es funktioniert also!
Stand: Februar 2026



