Bohdan Ziza

Bohdan Ziza ist ein junger Künstler von der besetzten Krim, der aufgrund eines einzigen, symbolischen Protestaktes vom russischen Besatzungsregime zum „Terroristen" erklärt und zu 15 Jahren Straflager verurteilt wurde. Sein Fall steht exemplarisch für die Repression gegen Zivilpersonen, die sich der Besatzung widersetzen und öffentlich gegen den Krieg positionieren. 

Wegen Anti-Kriegs-Protest mit ukrainischen Farben zu 15 Jahren Strafkolonie verurteilt

Bohdan Ziza
Geburtsdatum: 23. November 1994

Verschleppt seit: 16. Mai 2022

Letzter Aufenthaltsort: Strafkolonie „Wladimirskij Zentral“ in Wladimir

Unrechtmäßiges Urteil: 15 Jahre Strafkolonie

Bohdan Ziza kommt aus Jewpatorija auf der besetzten Krim und arbeitete dort als Straßen‑ und Performance‑Künstler und als Barista in einem Café. Er begeisterte sich für Fotografie und Videografie, studierte 3D-Modellierung, betrieb Sport und unternahm Wanderausflüge. Schon in jungen Jahren beschäftigte er sich mit Street Art, praktizierte Parkour, malte, schrieb Gedichte, entwickelte seinen YouTube-Blog und erkundete die Krim. Er verstand Kunst als Raum für freie Meinungsäußerung und als Möglichkeit, die Angst vieler Menschen unter der Besatzung zu durchbrechen. Mit seinen Arbeiten suchte er Sichtbarkeit für das Leiden der Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch für die innere Zerrissenheit jener, die in den besetzten Gebieten leben und sich doch nach Freiheit sehnen. So schreibt er:

Meine Mutter lebt wie nie zuvor, meine Mutter ist unsterblich. Meine Mutter ist die Ukraine! Und ich schreibe im Namen von Hunderttausenden Krimbewohnern: Liebe Mutter, nimm uns zurück, wir wollen in deiner liebevollen Umarmung sein!

Der Protest in Jewpatorija 

In der Nacht zum 16. Mai 2022 begab sich Ziza zum Rathaus der besetzten Stadt Jewpatorija im Westen der Krim. Er übergoss die Eingangstür mit gelber und blauer Farbe – den Farben der ukrainischen Flagge – und warf anschließend eine Molotow‑Cocktail‑Flasche, die jedoch ausging und keinen Brand verursachte. Ziza filmte die Aktion und bezeichnete sie später als anti‑kriegerischen Protest, als „Schrei der Seele und des Gewissens“ gegen einen Krieg, den er nicht hinnehmen wollte. In einem Brief aus dem Gefängnis schreibt er:

Der Krieg, der derzeit tobt, wird von vielen oft als etwas Fernes angesehen. Hier liegt das Problem Russlands. Für Sie ist der Krieg nur eine kleine Unannehmlichkeit, die Sie zu ertragen versuchen, während Sie Ihr normales Leben weiterleben und schlechte Nachrichten vermeiden. Unterdessen verlieren in der Ukraine Millionen von Menschen ihr Zuhause, verlieren ihre Angehörigen, ganze Städte werden zerstört. Jeden einzelnen Tag.

Foto: Das Rathaus von Jewpatorija nach Zizas Protest. Foto: Telegram-Kanal Krymskij Weter

Verhaftung, Folter und unrechtmäßiges Urteil

Noch am selben Tag wurde Bohdan Ziza von den russischen Besatzungsbehörden festgenommen, mehrere Tage blieb sein Verbleib unbekannt. Kurz darauf tauchten im staatlich kontrollierten Fernsehen mehrere „Geständnis‑Videos“ auf, in denen er sich entschuldigt und seine Tat erklärt – später schilderte er, dass solche Videos nach Schlägen und Misshandlungen immer wieder neu aufgezeichnet wurden, bis die Behörden zufrieden waren. Ihm wurden „Vorbereitung eines Terrorakts“, „Vandalismus“ und „Rechtfertigung von Terrorismus“ vorgeworfen; die Staatsanwaltschaft forderte 18 Jahre Lagerhaft. Am 6. Juni verurteilte ein Militärgericht in Rostow‑am‑Don den Künstler schließlich zu 15 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime.

Haftbedingungen und Hungerstreik

Ziza verbrachte zunächst Monate im Untersuchungsgefängnis in Simferopol, später wurde er in ein weiteres Pre‑Trial‑Detention‑Center überstellt. In einem Brief aus der Haft beschreibt er den Alltag in einer Zelle ohne Fernseher oder Radio, mit ständiger Schwäche, Kopfschmerzen und dem zähen Kampf um das Recht auf einen kurzen Spaziergang im Hof. Er berichtet, wie Aufseher und Mitgefangene versuchen, ihn von seinem Protest abzubringen, und wie schwer es ihm fällt, die Treppen zum Gefängnishof zu bewältigen.

Am 10. Juni 2023 kündigte Bohdan Ziza im Gerichtssaal einen Hungerstreik an, um gegen seine Verurteilung und die systematische Misshandlung politischer Gefangener zu protestieren. In seinem Brief schreibt er, er wisse, dass seine Forderungen „unrealistisch“ seien, doch sein Ziel sei es, Aufmerksamkeit auf das Schicksal politischer Gefangener zu lenken und die Öffentlichkeit aus der Passivität zu reißen. Er betont, dass Öffentlichkeitsarbeit tatsächlich etwas verändere – im Simferopoler Gefängnis habe er erlebt, dass sich nach Berichten über Misshandlungen die Lage für Kriegsgefangene verbessert habe:

Während der neun Monate, die ich im Untersuchungsgefängnis Nr. 1 in Simferopol auf der Krim verbrachte, habe ich miterlebt, wie die öffentliche Berichterstattung über die grausame Behandlung von Kriegsgefangenen dazu beigetragen hat, ihre Haftbedingungen zu verbessern. Es funktioniert also!

Stand: Februar 2026

So können Sie Bohdan helfen:

Briefe und Postkarten sind kleine, aber wirkungsvolle Gesten, die die Isolation der Gefangenschaft durchbrechen und die Menschen daran erinnern, dass sie nicht vergessen sind. Schreiben Sie aufmunternde Worte an die verschleppten Zivilisten.

Wichtig: Der Inhalt darf nicht politisch sein oder sich auf den Krieg/die Verschleppung beziehen, sonst wird der Brief eingezogen.


Textvorschlag – der Text muss auf Russisch verfasst sein, damit er die Zensur passieren kann.

Дорогой …, (männliche Person)
Дорогая …, (weibliche Person)

Посылаю тебе лучи света и добра! Я горжусь твоей силой и стойкостью. Помни, что самая темная ночь – перед рассветом. Желаю тебе крепкого здоровья и душевных сил. Мы помним о тебе и с нетерпением ждем твоего возвращения.

Обнимаю тебя!

[Name], [Land aus dem man schreibt]

Deutsche Übersetzung
Lieber …,
Liebe …,
ich sende dir Strahlen des Lichts und der Güte. Ich bin stolz auf deine Stärke und Tapferkeit. Denke daran, dass die dunkelste Nacht immer vor der Morgendämmerung liegt. Ich wünsche dir gute Gesundheit und geistige Stärke. Wir denken an dich und freuen uns auf deine Rückkehr.
Ich umarme dich!


Für die Adresse wenden Sie sich bitte an patenschaften@igfm.de, da der genaue Aufenthaltsort der verschleppten Person nicht immer bekannt ist oder sich schnell ändern kann. 

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Russischen Föderation und die russische Ombudsfrau (sog. „Menschenrechtbeauftragte"). Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gefangenen. 

Russische Botschaft in Deutschland
Botschafter: S. E. Herr Sergej J. Netschajew
Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
E-Mail:  info@russische-botschaft.de 

Ombudsfrau der Russischen Föderation
Tatjana H. Moskalkowa
Smolenskij, d. 19, str. 2
119121 Moskau
Russland
 

Anmerkung: Briefe an die russische Ombudsfrau sollten auf Russisch verfasst werden.  

Betreff: „Bitte um die unverzügliche Freilassung des ukrainischen Zivilisten Bogdan Ziza“ 

Sehr geehrter Herr Botschafter Netschajew/ Sehr geehrte Ombudsfrau Moskalkowa,

Ich schreibe Ihnen, um Sie auf die willkürliche Gefangenschaft des ukrainischen Zivilisten Bohdan Ziza (geb. 23. November 1994) aufmerksam zu machen, der am 16. Mai 2022 in Evpatorija auf der besetzten Krim von russischen Besatzungsbehörden festgenommen wurde. Seit Januar 2024 wird Bohdan unrechtmäßig in der Strafkolonie „Vladimirskiy Tsentral“ (IK-2) in der Stadt Wladimir der Russischen Föderation festgehalten.

Ich bin zutiefst besorgt über Berichte zu willkürlichen Festnahmen, Misshandlungen und Verstößen gegen rechtsstaatliche Mindeststandards in von Russland kontrollierten Haftanstalten. Bohdan Ziza ist Zivilist, der ohne legitime rechtliche Grundlage festgehalten und wegen einer nicht strafbaren zivilen Handlung verfolgt wird. Die Rechte und Freiheiten der Betroffenen müssen vollumfänglich respektiert und geschützt werden.

Ich appelliere an Sie, sich für eine rechtmäßige und humane Behandlung aller zivilen Gefangenen einzusetzen, insbesondere der verschleppten Ukrainerinnen und Ukrainer. Bitte teilen Sie den aktuellen Aufenthaltsort sowie den Verfahrensstand von Bogdan Ziza mit, ermöglichen Sie ihm umgehend den Kontakt zu seiner Familie, stellen Sie unabhängigen Rechtsbeistand sowie notwendige medizinische Versorgung sicher (einschließlich Zugang zu erforderlichen Medikamenten), und überprüfen Sie die Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung. Ohne eine legitime Rechtsgrundlage fordere ich seine unverzügliche Freilassung.

Hochachtungsvoll,

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Weitere ukrainische Zivilgefangene

Oleh Platschkow

Oleh Platschkow wurde am 25. September 2023 zusammen mit seiner, in der Gefangenschaft verstorbenen, Frau in Melitopol von russischen Kräften verschleppt. Seitdem wird der Zivilist ohne offiziellen Rechtsstatus oder Kontakt zur Außenwelt festgehalten, wobei sein aktueller Aufenthaltsort im Untersuchungsgefängnis Nr. 8 auf der Krim vermutet wird.

Ljudmila Kolesnikowa

Ljudmila Kolesnikowa wurde im Juni 2024 nach der Beerdigung ihrer an Krebs verstorbenen Mutter auf der besetzten Krim festgenommen. Ein russisches Besatzungsgericht verurteilte die ukrainische Zivilistin wegen angeblichen Hochverrats zu 17 Jahren Haft.

Bohdan Ziza

Bohdan Ziza wurde am 16. Mai 2022 wegen seiner proukrainischen Haltung gefangen genommen. Er bespritzte das Rathaus von Jewpatorija mit gelber und blauer Farbe als symbolischen Protest gegen den Krieg, unter Einsatz seiner Freiheit. Bohdan wurde zu 15 Jahren Haft in einer Hochsicherheitsstraflager verurteilt.

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