China: Bischof übt Druck auf Katholiken aus

Der Druck auf Gläubige der chinesischen Untergrundkirchen durch die Führung der diktatorisch regierenden Kommunistischen Partei steiget weiter an. Der Bischof Joseph Han Zhi-hai fordert alle katholischen Geistlichen in China auf, sich bei der Regierung registrieren zu lassen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte kritisiert das Abkommen des Vatikans mit der VR China über die Ernennung von Bischöfen sowie die Aussage des Bischofs. Bild: Wallpapercave.Inc.; Zuma Press.Inc 

„Einheit über Glaubensfreiheit“

KP-treuer Bischof fordert katholische Geistliche auf, sich bei chinesischer Regierung registrieren zu lassen

Lanzhou /Peking /Frankfurt am Main, 14. April 2023 – Anlässlich der nicht mit dem Vatikan abgesprochenen Versetzung des chinesischen Bischofs Shen Bin nach Shanghai und der Aufforderung von Bischof Joseph Han Zhi-hai, dass sich alle katholischen Geistlichen in China bei der Regierung registrieren lassen sollen, kritisiert die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erneut das Abkommen des Vatikans mit der VR China über die Ernennung von Bischöfen sowie die Aussage des „staatshörigen Bischofs“ Joseph Han Zhi-hai aufs Schärfste. Der Druck auf Gläubige der chinesischen Untergrundkirchen durch die Führung der diktatorisch regierenden Kommunistischen Partei steige weiter stark an. Die Menschenrechtsexperten fordern die Achtung der Religionsfreiheit und die freie Ausübung des Glaubens im kommunistischen China.

China wird von der KP totalitär geführt und kontrolliert. Das trifft besonders gläubige Menschen. Die sogenannte ‚Sinisierung‘ dient der Gleichschaltung aller Glaubensgemeinschaften. Christen, buddhistische Tibeter oder muslimische Uiguren sind gleichermaßen Opfer dieser Sinisierungspolitik. Das war auch im Vatikan bekannt“, erklärt der Vorstandssprecher der IGFM Martin Lessenthin und fügt hinzu, dass die rund 12 Millionen Katholiken in China in staatlich sanktionierte und Untergrundkirchen aufgeteilt sind. Lessenthin weiter: „Jetzt sind KP-kritische Katholiken auch noch dem Druck KP-naher Bischöfe ausgesetzt, die ‚Einheit über die Glaubensfreiheit‘ stellen“.

KP-nahe Bischöfe üben Druck auf Katholiken aus
Bischof Joseph Han Zhi-hai von Lanzhou in der Provinz Gansu in Nord-Zentral-China, der sowohl vom Staat als auch vom Vatikan anerkannt ist, fordert, dass sich alle katholischen Geistlichen in China bei der Regierung registrieren lassen sollten, um „die Spaltung zwischen ihnen in staatlich sanktionierten Kirchen und Untergrundkirchen zu beenden“. Dies äußerte er in einem Brief, den er anlässlich des 20. Jahrestages seiner Bischofsweihe an die vatikanische Agentur Fides geschickt und den diese am 20. März veröffentlicht hatte. Laut Han gebe „eine neue Situation, die sich in vielerlei Hinsicht von der früherer Jahrzehnte unterscheidet, als es nichts gab und etwas zu entstehen begann“. Deshalb glaube er, dass „wir die Gesetze unseres Landes respektieren und unser apostolisches Werk der Verkündigung des Evangeliums im Rahmen der in unserem Land geltenden Gesetzgebung durchführen müssen“.

Bischof Han wurde 2003 geweiht und suchte 2017 die Anerkennung durch die chinesische Regierung. Sein Vorgänger, Bischof Philip Yang Libai, der 1981 heimlich geweiht wurde und die Kirche bis zu seinem Tod im Jahr 1998 leitete, war eine Schlüsselfigur der 1989 gegründeten Untergrund-Bischofskonferenz. Er wurde jahrzehntelang inhaftiert und misshandelt.

Alle Katholiken sollen staatlich kontrolliert werden
Das Abkommen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China regelt die Ernennung von Bischöfen und Bistumsgrenzen. Zwar werden Details geheim gehalten, aber Berichten zufolge erlaubt die Vereinbarung sowohl China als auch dem Vatikan, einen Bischofskandidaten zu akzeptieren oder abzulehnen. „Es war zu erwarten, dass die Kommunistische Partei Chinas auf die Dauer den aus dem Abkommen resultierenden Verpflichtungen nicht nachkommen werde. Von Beginn an kritisierten Menschenrechtsexperten, die Vereinbarung des Vatikans mit der KP-Führung werde dazu missbraucht, Druck auf die Gläubigen der chinesischen Untergrundkirche auszuüben, sich der staatlich kontrollierten Chinesisch-Katholisch-Patriotischen Vereinigung anzuschließen“, kritisiert die IGFM.

Kritik an Vatikan-China-Abkommen
Die Vereinbarung wurde im Oktober 2018 für zwei Jahre unterzeichnet und 2020 sowie 2022 jeweils um zwei Jahre verlängert. Das Abkommen war von an Anfang an umstritten und wurde besonders von Menschenrechtsexperten stark kritisiert. „Der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun sowie Priester und Bischöfe der Untergrundkirche und die katholische Kirche Taiwans hatten hinlänglich gewarnt. Vor dem Abkommen genoss die Untergrundkirche noch mehr interne religiöse Freiheit, wenn auch unter hohem Risiko“, so die IGFM weiter. Seit der Unterzeichnung des Abkommens sollen in China sechs Bischöfe mit staatlicher und vatikanischer Genehmigung geweiht worden sein.

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