IGFM informiert Geflüchtete über Coronavirus

Al-Rasho: In den nordirakischen Lagern muss ein Massensterben befürchtet werden – Schutzmaßnahmen unerlässlich

Die Informationslage zu Corona und möglichen Präventivmaßnahmen in Flüchtlingslagern im Norden Iraks ist unzureichend und kann die Verbreitung des Virus begünstigen. Bei einer Verbreitung des Virus in den Lagern muss ein Massensterben befürchtet werden“, erklärt Khalil Al-Rasho, Leiter des IGFM-Referats Humanitäre Hilfe im Nahen Osten der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die IGFM leistet Aufklärungsarbeit um den Lagerbewohnern zu zeigen, wie sie sich effektiv vor einer Infektion schützen können. Dafür nutzt die IGFM verschiedene Social Media-Kanäle wie Facebook und WhatsApp.

Seit dem Jahr 2014 unterstützt die IGFM die Flüchtlingslager im Norden des Iraks durch medizinische und humanitäre Hilfe, sowie durch Fortbildung der Geflüchteten. Da aufgrund der Corona-Pandemie für die in Deutschland lebenden IGFM-Mitarbeiter keine Möglichkeit besteht in den Nordirak zu reisen, wendet sich Khalil Al-Rasho über Soziale Medien an die dort lebenden Menschen. Zuvor kam es zu Unverständnis und Unruhe vieler Geflüchteter im Lager Qadian, nachdem Polizei und Sicherheitsdienste Löcher im Zaun flickten und das Lager zum Teil umstellten. Damit sollte verhindert werden, dass sich Insassen unbefugt vom Lager entfernen und so womöglich sich oder andere mit dem Virus infizieren.

In einem fast 10-minütigen Video appelliert er daher an die Bewohner, das Virus ernst zu nehmen und leistet damit wichtige Aufklärungsarbeit in den Lagern. „Viele Bewohner der Flüchtlingslager nehmen das Thema solange nicht ernst, bis sie selbst davon betroffen sind.“, beklagt Al-Rasho. In den Flüchtlingslagern wird nicht auf das Corona-Virus getestet. Einzig und allein Fiebermessungen werden durchgeführt, weil dies als Symptom des Virus bekannt ist. Sobald bei Personen Fieber festgestellt wurde, werden diese in das Krankenhaus in Shekhan gebracht und dort isoliert. Allerdings ist es fast unmöglich vorige Kontaktpersonen ausfindig zu machen und diese ebenfalls zu isolieren. Zusätzlich zur Aufklärungsarbeit leistet die IGFM auch direkte Hilfe, in Nähwerkstätten werden Tausende Schutzmasken genäht und in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt an Lagerbewohner verteilt.

Die Schutzmasken-Hilfsaktion der IGFM in den Flüchtlingslagern

Bereits vor der Corona-Pandemie war die gesundheitliche Situation in den Flüchtlingslagern im Nordirak prekär. In den 27 Lagern mit jeweils 8.000-23.000 Bewohnern leben die Menschen auf engstem Raum zusammen. Betrachtet man die aktuelle Gefahr durch das Coronavirus, droht nun die Ansteckung der Masse, wenn die empfohlenen Präventionsmaßnahmen nicht eingehalten werden.

„Weder Reichtum, noch der gesellschaftliche Rang sind in der momentanen Situation wichtig – das Virus macht keinen Unterschied zwischen den Menschen“, so Khalil Al-Rasho. Mehrmals jährlich bereitet er humanitäre Hilfstransporte vor und reist selbst in die verschiedenen Camps im Nordirak, um vor Ort zu helfen. Dort veranstaltet die IGFM diverse Seminare, darunter Alphabetisierungs-, Englisch-, Näh- und PC-Kurse.

Veröffentlicht: April 2020

Der IGFM-Mitarbeiter Khalil Al-Rasho hat auf seinem Facebookaccount ein Video zur Aufklärung über das Coronavirus gepostet.

Khalil Al-Rasho wandte sich in einem Video an Geflüchtete und lieferte Aufklärung über das Coronavirus

Khalil Al-Rasho bei einer Reise im Nordirak im Februar 2020.

Khalil Al-Rasho bei einer Reise im Nordirak im Februar 2020.

Seit dem Überfall des IS auf Shingal im August 2014 ist die IGFM mit Hilfsprojekten im nordirakischen Kurdistan aktiv. Die IGFM unterstützt in den dortigen Flüchtlingslagern Alphabetisierungs-, Englisch- und PC-Kurse, Erste-Hilfe- und Brandschutzkurse bis hin zur Sport- und Musikförderung.

Ein kleiner Junge am Zaun eines nordirakischen Flüchtlingslagers

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