Ehemaliger IS-Richter festgenommen

Der im Lager Al-Hol festgenommene irakische Staatsbürger wurde am 5. April 2021 von Spezialeinheiten der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) verhaftet.

Ehemaliger IS-Richter in syrischem Internierungslager festgenommen. Laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) weisen Indizien auf Verbindung zum in Frankfurt am Main angeklagten IS-Unterstützer hin.

Ehemaliger IS-Richter in syrischem Internierungslager festgenommen

IGFM: Indizien weisen auf Verbindung zum in Frankfurt am Main angeklagten IS-Unterstützer hin

 

Frankfurt/ al-Hasaka, 15. April 2021 – Bei groß angelegten Suchaktionen im Flüchtlings- und Internierungslager Al-Hol im Nordosten Syriens wurde das hochrangige IS-Mitglied Abu Muhammad al-Jumaili festgenommen. Der 62-jährige irakische Staatsbürger war Scharia-Richter der Terrormiliz Islamischer Staat. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) vermutet eine familiäre Verbindung zum in Frankfurt am Main am Oberlandesgericht verhandelten Prozess gegen einen IS-Unterstützer, dem Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Die IGFM macht auf die prekäre Situation der in dem überwiegend für IS-Kämpfer und ihren Angehörigen bewohnten Flüchtlingslager Al-Hol auf die weiterhin dort festgehaltenen jesidischen Frauen und deren Kindern aufmerksam und erneuert die Forderung nach der Errichtung eines IS-Tribunals.

Der im Lager Al-Hol festgenommene irakische Staatsbürger wurde am 5. April 2021 von Spezialeinheiten der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) verhaftet. Der 1959 geborene Abu Muhammad al-Jumaili ist ehemaliger Scharia-Richter der Terrormiliz IS und war auch im Lager Al-Hol als Richter tätig. Die Festnahme des hochrangigen IS-Funktionärs ist ein wichtiges Zeichen für die Aufarbeitung des islamistischen Terrors. Gleichermaßen belegt die Festnahme, dass die IS-Strukturen weiterhin existieren und dass von Ihnen weiterhin eine große Gefahr ausgeht.

Verbindung zu Iraker, der mutmaßlich jesidisches Mädchen verdursten ließ

Die IGFM schließt aufgrund der gleichen Nachnamen auf dieselbe Stammeszugehörigkeit von IS-Richter Abu Muhammad al-Jumaili und dem am Oberlandesgericht Frankfurt am Main angeklagten Iraker Taha al-J. Dieser Nachname gehört zu einem großen Familienstamm in und um die irakische Millionenstadt Falludscha. Dem in Frankfurt angeklagten Iraker Taha al-J. wird vorgeworfen, dass er 2015 ein vom IS gefangen genommenes fünfjähriges jesidisches Mädchen angekettet vor den Augen der Mutter qualvoll verdursten ließ.

Für die familiäre Verbindung spricht auch die Tatsache, dass Taha al-J., nachdem er im Jahr 2015 den Leichnam des jungen jesidischen Mädchens zum Krankenhaus brachte, nur eine geringe Strafe erhielt. So tauchte Taha al-J. für eine Woche unter, um danach mit verändertem Aussehen ohne die IS-uniforme Kleidung wieder zu erscheinen. Er trug zivile Kleidung. Sein neuer kurzer Haarschnitt deutete auf eine Bestrafung hin.

Schicksal jesidischer Frauen in Flüchtlings- und Internierungslagern

In dem von der syrischen PKK geführten Camp al-Hol, ca. 45 Kilometer östlich der Distrikthauptstadt al-Hasaka an der irakisch-syrischen Grenze, sind zurzeit über 60.000 IS-Anhänger interniert. Unter diesen sind zwischen 400 bis 500 jesidische Frauen und Kinder, die entweder dorthin verschleppt wurden oder ihren IS-Ehemännern gefolgt sind. Die IGFM fordert, dass diese Frauen identifiziert und befreit werden müssen, um sie auf neutralem Boden zu befragen, ob sie bei ihren IS-Männern bleiben oder zu der jesidischen Gemeinschaft zurückkehren wollen, ohne dass IS-Leute oder ihre IS-Ehemänner Druck auf sie ausüben können.

Schaffung eines regionalen Ad-hoc-Tribunals

Die IGFM bekräftigt die Forderung, die grausamen Verbrechen der Terrormiliz Islamischer Staat systematisch aufzuarbeiten und unterstützt die Forderung des Generalsekretärs der irakischen Volkspartei, Faiq Sheikh Ali, an die Vereinten Nationen, den Internationalen Strafgerichtshof damit zu betrauen.

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