Ehrung von Katrin Bornmüller 

Margarita Kola

Bei  einer Feierstunde am 4. Juni 2025 im Stadthaus Wittlich ehrte die IGFM mit Bürgermeister Joachim Rodenkirch, Ehrenvorsitzende Katrin Bornmüller für ihr überragendes humanitäres Engagement. Foto: IGFM

Am Morgen des 4. Juni feierte die IGFM Katrin Bornmüller, Ehrenvorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und Gründerin/Leiterin der Arbeitsgruppe Wittlich. Die Laudatio verlas IGFM-Vorstandsmitglied Carmen Jondral-Schuler, die die Leitung der AG Wittlich übernommen hat.

Carmen Jondral-Schuler während der Laudatio  Foto: IGFM

Laudatio von Carmen Jondral-Schuler auf Katrin Bornmüller:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Rodenkirch, meine liebe Katrin, 

sehr geehrter Präsident des Internationalen Rates der IGFM Prof. Thomas Schirrmacher, lieber Matthias Boehning, Generalsekretär des Int. Rates, lieber Valerio Krüger als Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes und Vorstandssprecher der IGFM Deutsche Sektion, 

liebe Freunde und Helfer der IGFM Arbeitsgruppe Wittlich, 

heute habe ich die Ehre, eine „lebende Legende“ zu würdigen, denn das ist Katrin Bornmüller. Laut Künstlicher Intelligenz von Google bedeutet der Ausdruck „lebende Legende“, dass eine Person bereits zu Lebzeiten so berühmt und bedeutend ist, dass sie wie eine Legende behandelt wird, so dass ihr Leben und ihre Leistungen nicht nur von der heutigen Generation, sondern auch von zukünftigen Generationen geschätzt und darüber erzählt wird. Fragen Sie mal in Wittlich nach Katrin Bornmüller- sie ist durch ihr jahrzehntelanges politisches und humanitäres Engagement in der Stadt Wittlich salopp gesagt bekannt „wie ein bunter Hund“. 

Was 1980 mit dem Eintritt von Katrin Bornmüller in die damalige Gesellschaft für Menschenrechte begann, entwickelte sich in 45 Jahren Einsatz für die Menschenrechte zu einem Lebenswerk, das in 44 Jahren Teamarbeit der IGFM Arbeitsgruppe Wittlich zu bisher 587 Sattelschleppern voll mit humanitären Hilfsgütern geführt hat, wodurch mehrere Generationen von notleidenden Menschen nachhaltig mit dem Nötigsten versorgt wurden und Hoffnung schöpfen durften. Dass du, liebe Katrin, heute die Leitung der Arbeitsgruppe Wittlich an mich abgibst, bedeutet, dass noch weitere Generationen davon profitieren und über Dein Engagement sprechen werden. Besonders möchte ich in dem Zusammenhang ein nachhaltiges Projekt von Nähkursen in den Flüchtlingslagern in Kurdistan-Irak erwähnen. Durch Spendengelder konnten Nähmaschinen erworben werden, so dass viele Frauen sich mit dem Nähen eine eigene Existenz aufbauen können, von der wieder die nächste Generation profitiert. 

Die vom Journalisten Gerhard Loewenthal moderierte ZDF-Sendung „Hilferufe von Drüben“ motivierte dich für diese Arbeit. Mit einer kleinen Gruppe Helfenden, damals noch in einer Garage im Forsthaus in Wittlich, hast du 10 Jahre lang Tausende Hilfspakete gepackt und zu 100 politischen Häftlingen in die damalige DDR, nach Rumänien, nach Polen zu Solidanosc und in die CSSR zu Charta 77-Mitgliedern und verfolgten Christen geschickt. „Daneben“ hast du für Menschenrechte protestiert, Infostände organisiert, Spendenbriefe verfasst an Rotary, Lions und andere, dich auch mal als Protest an Botschaftszäune gekettet, vornehmlich die der Sowjetunion- oder der DDR-Vertretungen, hast an Mahnwachen teilgenommen, Vorträge über Menschenrechtsverletzungen gehalten, bist über Barrikaden geklettert um den ersten demokratisch gewählten Präsidenten Litauens, Vytautas Landbergis im litauischen Parlament zu treffen, nachdem du dich bei polnischen Grenzbeamten zur Einreise nach Litauen durchgesetzt hast, warst als Vertreterin der IGFM bei 10 KSZE Konferenzen in Madrid, Ottawa, Wien, Paris, Kopenhagen, Bern, Belgrad und Helsinki, wurdest von KGB, der Stasi und der Securitate beobachtet, mehrere Stasi-Akten sind gefüllt- auch mit so einem spannenden Detail, dass du am liebsten Spaghetti mit Tomatensauce isst, hast 1990 die IGFM Sektion Litauen gegründet, 1991 die Sektion in Lettland und 1993 in Kroatien, warst 9 Jahre Vorsitzende der IGFM, seit 2014 bist du ihre Ehrenvorsitzende, warst in vielen Ländern unterwegs- oftmals in Begleitung deines Mannes und eines deiner Kinder, 2015 besuchten wir gemeinsam türkische Flüchtlingslager an der syrischen Grenze, du warst allein 17 Mal in den Flüchtlingslagern in Kurdistan-Irak, wo du auch mal auf Betonboden übernachtet hast, du hast dort 300 Interviews mit ezidischen Frauen und Mädchen nach ihrer IS-Gefangenschaft geführt – die Liste deines Engagements ist sehr, sehr lang und nicht alles kann ich hier und heute aufzählen. Ich verweise auf das Buch Glaube-Liebe-Sattelschlepper, das nicht nur deine Arbeit beschreibt, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte ist- die des sog. Kalten Krieges zwischen Ost und West. 

Carmen Jondral-Schuler während der Laudatio Foto: IGFM

Katrin Bornmüller hat sich auch in ganz besonderem Maße um den Aufbau des Internationalen Rates der IGFM und die Zusammenarbeit der Sektionen verdient gemacht: Jährlich lud sie alle Vorsitzenden der Sektionen, denen die Arbeitsgruppe Wittlich humanitäre Hilfstransporte schickte, oder mit denen sie auf der politischen Bühne zusammenarbeitete, nach Wittlich ein. Und dann saßen sie alle an einem Tisch, die Vertreterin aus Wien, die aus der Schweiz, die aus Kroatien, die aus Rumänien, die aus Albanien, die aus Litauen, der Vertreter aus Lettland, aus Frankreich, Bosnien-Herzegowina, der Tschechoslowakei und überlegten, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Eine besonders tiefe Freundschaft bis heute verbindet sie mit Jadranka Cigelj aus Prijedor, der Katrin ganz privat ermöglichte, die an ihr begangenen Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawienkrieg im Buch „Apartment 102“ für die Nachwelt und als Beweise für die Kriegsverbrecherprozesse in Den Haag festzuhalten.  

Die humanitäre Hilfe wurde ab 1990 ein wesentliches Standbein deiner Tätigkeit und dein Team der Arbeitsgruppe Wittlich hat wie bereits erwähnt in 44 Jahren bis heute 587 Sattelschlepper mit Hilfsgütern beladen, die nach Litauen, Lettland, Kroatien, Bosnien, Nord-Irak, Rumänien, Albanien, in den Libanon, nach Syrien und sogar in die Rep. Kongo gingen. Das sind bei 587 Transporten insgesamt rund 7000 Tonnen Hilfsgüter vom Kleidungs- bis zum Möbelstück. Eine Spitzenleistung des ganzen Teams von ehrenamtlich Helfenden. Von Anfang an wurde deine Arbeit von den Bürgermeistern der Stadt Wittlich unterstützt, bis heute durch Bürgermeister Rodenkirch. Du hast nicht nur Menschenrechtsarbeit gemacht, sondern einem weiteren Leitgedanken der IGFM Rechnung getragen, durch Humanitäre Hilfe mit Paketaktionen und Hilfsgütertransporten zur Lösung humanitärer Probleme beizutragen und damit zur Verwirklichung der Menschenrechte. 

Für Dein Engagement wurden dir das Bundesverdienst 1. Klasse, sowie Staatsorden aus Litauen, Lettland und Kroatien verliehen. Das alles schafft man als 4-fache Mutter nur, wenn man einen starken Rückhalt hatte und mit einem motivierten Team mit vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfenden an der Seite. Dein Hermann stand voll hinter deiner Arbeit, hat dich immer unterstützt und war auch für viele Dinge Ideengeber. Dein christlicher Glaube, die Liebe zu deinem Hermann und die Hoffnung mit humanitärer Hilfe für eine bessere Welt zu sorgen, haben dich in 45 Jahren angetrieben. Du bist ein großes Vorbild. Deine größten Eigenschaften sind Mut, Ausdauer und Motivationsfähigkeit. Jeder, der einen Verein erfolgreich führen möchte, sollte diese Fähigkeiten besitzen. 

Aus datenschutzrechtlichen Gründen benötigt YouTube Ihre Einwilligung um geladen zu werden. Mehr Informationen finden Sie unter Datenschutzerklärung.

Katrin Bornmüller im Kurz-Interview

Aus datenschutzrechtlichen Gründen benötigt YouTube Ihre Einwilligung um geladen zu werden. Mehr Informationen finden Sie unter Datenschutzerklärung.

Ansprache von Bürgermeister Joachim Rodenkirch

Wir kennen uns schon 53 Jahre. Als 10-jährige Schülerin, befreundet mit deiner Tochter Beate kam ich mit dir in Kontakt. Später half meine Mutter Edith Jondral in der Arbeitsgruppe mit, so dass ich deine Arbeit nie aus dem Blick verlor. Eine Geburtstagsfeier meiner Mutter war der Anlass, dass wir uns über dein Engagement unterhielten und das hat mich so fasziniert, dass ich nun seit 12 Jahren aktiv an deiner Seite bin. Du hast mich motiviert, für den IGFM Vorstand der Deutschen Sektion zu kandidieren, dem ich nun seit 11 Jahren angehöre. Du hast schon vor 12 Jahren gesagt, ich würde deine Nachfolgerin, als ich noch gar nicht daran dachte. Etwas in jemandem zu sehen, das die betreffende Person noch nicht in sich sieht, das zeichnet eine gute Leiterin aus.  

Liebe Katrin, mit Dankbarkeit und Stolz übernehme ich heute die Leitung der IGFM Arbeitsgruppe Wittlich aus deinen Händen. Wie dich treibt auch mich der Gedanke der christlichen Nächstenliebe an. Ich freue mich, dass du im Hintergrund weiterwirkst und dass ein so tolles Team an meiner Seite ist wie die Arbeitsgruppe Wittlich, ohne die diese Arbeit nicht möglich wäre. Ich freue mich mit Euch gemeinsam die IGFM Arbeitsgruppe Wittlich weiterzuführen. 

Liebe Katrin, bleib noch lange gesund und von Gott behütet. 

Vielen Dank. 

Weitere Bilder von der Veranstaltung

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben