Ljudmila Kolesnikowa

Ljudmila Kolesnikowa wurde im Juni 2024 nach der Beerdigung ihrer an Krebs verstorbenen Mutter auf der besetzten Krim von Mitarbeitern des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB festgenommen. Grundlage der Anklage war eine angebliche Spende in Höhe von 25 Euro zugunsten der ukrainischen Streitkräfte. Am 5. Juni 2025 wurde sie wegen „Hochverrats“ zu 17 Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt.
Wegen angeblichen Hochverrats zu 17 Jahren Haft verurteilt

Politischer Pate: Oberbürgermeister der Stadt Gießen Frank-Thilo Becher (SPD)
Ljudmila Kolesnikowa lebte seit 2022 in Irland, wo sie sich nach ihrer Flucht von der besetzten Krim ein neues ziviles Leben aufbaute. Im Juni 2024 kehrte sie ausschließlich zurück, um ihre an Krebs verstorbene Mutter zu beerdigen. Kurz nach der Beisetzung wurde sie von Mitarbeitern des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB festgenommen. Grundlage der Verfolgung ist der Vorwurf des „Hochverrats“ wegen einer angeblichen Spende in Höhe von 25 Euro zugunsten der Ukraine.
Verschleppung
Nach der Beerdigung ihrer Mutter am 27. Juni 2024 wurde Ljudmila in Jalta auf der besetzten Krim von FSB-Mitarbeitern festgenommen. Zunächst wurde gegen sie ein konstruiertes Verwaltungsverfahren eingeleitet: Sie wurde wegen angeblichen Fluchens in der Öffentlichkeit zu 12 Tagen Arrest verurteilt – eine gängige Praxis, um politische Verfolgung zu verschleiern.
Nach Verbüßung dieser Strafe wurde Ljudmila ohne Ausweisdokumente entlassen und faktisch an der Ausreise aus der Krim gehindert. Wenige Wochen später verschwand sie vollständig aus dem Kontakt mit ihrer Familie. Erst später wurde bekannt, dass sie im Untersuchungsgefängnis Nr. 2 in Simferopol festgehalten wird.
Von Juli bis Oktober 2024 wurde Ljudmila ohne formellen Status, ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand und vollständig isoliert festgehalten. Erst am 3. Oktober 2024 leiteten die russischen Behörden offiziell ein Strafverfahren gegen sie ein.
Ihr wird vorgeworfen, im Jahr 2022 zwei sogenannte NFT-Briefmarken im Wert von insgesamt 25 Euro gekauft zu haben, deren Erlös angeblich für Drohnen der ukrainischen Streitkräfte bestimmt gewesen sein soll. Beweise für die Existenz dieser Briefmarken liegen nicht vor; als einziges „Beweismittel“ dient ein Ausdruck einer Online-Banktransaktion.
Am 5. Juni 2025 verurteilte ein russisches Besatzungsgericht auf der Krim Ljudmila Kolesnikowa wegen angeblichen Hochverrats nach Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation zu 17 Jahren Haft in einer Strafkolonie des allgemeinen Vollzugs. Das Verfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und erfüllte keinerlei rechtsstaatliche Mindeststandards.
Die Menschenrechtsorganisation Memorial erkennt Ljudmila Kolesnikowa als politische Gefangene an. Ihr Fall steht exemplarisch für die zunehmende Repression in Russland und auf den besetzten ukrainischen Gebieten, bei der selbst geringfügige humanitäre oder symbolische Unterstützung für die Ukraine mit extremen Haftstrafen geahndet wird.
Gesundheit
Über den aktuellen Gesundheitszustand von Ljudmila Kolesnikowa liegen nur begrenzte Informationen vor, da sie über Monate hinweg vollständig isoliert festgehalten wurde und der Kontakt zu Angehörigen stark eingeschränkt ist. Bekannt ist jedoch, dass ihre monatelange Inhaftierung ohne formellen Status, der fehlende Zugang zu medizinischer Versorgung sowie die lange Isolation erhebliche gesundheitliche Risiken darstellen.
Während der Zeit ihrer inoffiziellen Haft von Juli bis Oktober 2024 hatte Ljudmila keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, zu ihrer Familie oder zu unabhängiger medizinischer Betreuung. Berichten zufolge wurde sie unter entwürdigenden und belastenden Bedingungen festgehalten. Die psychischen Folgen dieser Isolation, insbesondere nach der Rückkehr zur Beerdigung ihrer Mutter, sind nicht absehbar.
Stand: Februar 2026



