Mehdi Yarrahi

Mehdi Yarrahi

Der Komponist und Sänger wurde im August 2023 auf Anordnung der Teheraner Staatsanwaltschaft verhaftet. Der Grund dafür war seine jüngste Veröffentlichung „Roosarito“, im dem er die mutigen Frauen, die ihre Hijabs niederlegen, thematisiert. Dem Sänger war aufgrund seiner politischen Aussagen mehrmals ein Arbeitsverbot auferlegt worden, zuletzt im April 2022.

Mehdi Yarrahi
Geboren am: 14. November 1981

Verhaftet: 28. August 2023

Anklage: „Propaganda gegen das Regime“

„Anstiftung der Korruption“

„Erstellung und Veröffentlichung von Inhalten, die gegen die Moral und das öffentliche Anstandsgefühl verstoßen“

„Ermutigung und Anstiftung zu Verbrechen gegen die Keuschheit über die sozialen Medien“

Urteil: Zwei Jahre und acht Monate Haft und 74 Peitschenhiebe, davon ein Jahr vollstreckbar

Wegen „illegalem“ Lied angeklagt

Der ehemalige FDP-Landtagsabgeordnete Martin Hagen übernahm die Patenschaft für Mehdi Yarrahi.

Verhaftung und Verurteilung

Aufgrund seiner jüngsten Veröffentlichung „Roosarito“ wurde der Komponist und Sänger Mehdi Yarrahi am 28. August 2023 auf Anordnung der Teheraner Staatsanwaltschaft verhaftet. In dem Lied geht es um die mutigen Frauen im Iran, die ihre Hijabs ablegen. Nach seiner Verhaftung wurde Mehdi Yarrahi ins Evin-Gefängnis gebracht. Am 18. September 2023 teilte seine Anwältin mit, dass Mehdi wegen „Propaganda gegen das Regime“, „Anstiftung zur Korruption“, „Erstellung und Veröffentlichungen von Inhalten, die gegen die Moral und das öffentliche Anstandsgefühl verstoßen“ und „Ermutigung und Anstiftung zu Verbrechen gegen die Keuschheit über die sozialen Medien“ angeklagt wird. Nach dem ersten dreistündigen Verhandlungstag am 17. Oktober 2023 teilte die Anwältin von Mehdi Yarrahi mit, dass er gegen Kaution bis auf Weiteres freigelassen wurde.

Zahra Minoui, die Anwältin von Mehdi Yarahi, berichtete am 9. Januar 2024, dass ihr Mandant von der 26. Abteilung des Revolutionsgerichts in Teheran unter dem Vorsitz von Richter Iman Afshari zu insgesamt zwei Jahren und acht Monaten Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Sollte dieses Urteil in der Berufung bestätigt werden, würde die Höchststrafe von einem Jahr Haft vollstreckt.

Musik als Sprachrohr

Mehdi Yarrahi wurde in Ahvaz geboren und interessierte sich schon früh für Musik. Er brachte sich selbst bei, Klavier und Gitarre zu spielen. Bisher veröffentlichte er vier Alben und zahlreiche Singles. In seinen Werken verarbeitet er gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen im Iran, was in der Vergangenheit schon zu Verboten und Einschränkungen seiner künstlerischen Tätigkeit sowie zu zahlreichen gerichtlichen Maßnahmen gegen ihn geführt hat. Aufgrund seiner Solidarität mit regimekritischen Protestierenden ist ihm im Iran jegliche künstlerische Tätigkeit untersagt.

Nach den landesweiten Protesten im Jahr 2019 kritisierte Mehdi bereits das Vorgehen des Regimes in scharfen Tönen – was zu rechtlichen Konsequenzen führte. Seit dem Mord an Jina Mahsa Amini werden Yarrahis Lieder im Iran für die Proteste verwendet. Im Oktober sowie November 2022 nutzte er abermals seine Kunst als Form der Solidarisierung: er veröffentlichte das Lied „Sorud-e Zan“ (Hymne der Frauen“) und „Sorud-e Zendegi“ („Hymne des Lebens“).

„Nimm dein Kopftuch ab“

Das neue Lied „Roosarito“ (Übersetzt: Nimm dein Kopftuch ab) von Mehdi Yarrahi stuften die iranischen Behörden als „illegal“ ein. Nachrichtenagenturen des Regimes kritisierten, Mehdi hätte mit dem Lied „gegen die Werte und Normen der islamischen Gesellschaft“ verstoßen. Darin singt Yarrahi zum Beispiel „Leg dein Kopftuch ab, lass dein Haar frei“ und solidarisiert sich so mit der „Frau-Leben-Freiheit“-Bewegung, die sich am 16. September 2023 zum Todestag von Jina-Mahsa Amini zum ersten Mal jährt. Am Anfang des dreiminütigen Musikvideos schreibt Yarrahi, dass er das Lied „den tapferen iranischen Frauen“ widme, die sich gegen die repressive Politik des Regimes stellen. Nach seiner Festnahme am 28. August 2023 wurde sein Instagram-Account mit mehr als einer Million Follower deaktiviert bzw. gelöscht.

Zahlreiche Festnahmen vor Jahrestag

Die Verhaftung von Mehdi Yarrahi ist ein weiterer Fall der zunehmenden Verhaftungen und Razzien, die das iranische Regime im Vorfeld des ersten Todestages von Jina Mahsa Amini sowie des Jahrestages der „Frau-Leben-Freiheit“-Revolution durchgeführt hat. Seine Festnahme zeigt die Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und die gewaltsame Vorgehensweise des Regimes.

Stand: Januar 2024

So können Sie Mehdi helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte der IGFM: „Schreibt Briefe, schreibt an die politischen Gefangenen. Sie freuen sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder, wenn sie Post bekommen, man kann es sich kaum vorstellen. Es ist enorm wichtig. Nehmt Euch vor: Einmal in der Woche schreibt jeder eine Karte, damit die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen werden“

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Mehdi Yarrahi.

To

Mehdi Yarrahi

Evin Prison

Tir Kola

Mazandaran Province

Islamic Republic of Iran

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Islamischen Republik Iran und den Justizchef in Teheran, Gholamhossein Mohseni-Ejei. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gefangenen:

Iranische Botschaft in Deutschland
Botschafter: Herr Majid Nili Ahmadabadi
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Iranischer Justizchef 
Chief Justice Gholamhossein Mohseni-Ejei
The judiciary
Valiasr Avenue, Pastor Avenue, In front of Jami police station
Tehran
Islamic Republic of Iran

Sehr geehrter Herr Botschafter,

mit diesem Schreiben bringe ich meine Besorgnis über die mir vorliegenden Berichte zur Verhaftung des Sängers Mehdi Yarrahi zum Ausdruck.

Der Komponist und Sänger wurde für seine jüngste Veröffentlichung „Roosarito“, im dem es sich um die mutigen Frauen dreht, die ihre Hijabs niederlegen, auf Anordnung der Teheraner Staatsanwaltschaft verhaftet und ins Evin-Gefängnis gebracht. Justizsprecher Masud Setayeshi gab am 12. September bekannt, dass der Fall Mehdi Yarrahi wegen „Störung der öffentlichen Meinung“, „Propaganda gegen das Regime“ und „Produktion von Filmen, die gegen die öffentlichen Sitten verstoßen“ vor Gericht gestellt wurde. Am 9. Januar 2024 wurde Mehdi Yarahi von der 26. Abteilung des Revolutionsgerichts in Teheran unter dem Vorsitz von Richter Iman Afshari zu insgesamt zwei Jahren und acht Monaten Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde. Sollte dieses Urteil in der Berufung bestätigt werden, würde die Höchststrafe von einem Jahr Haft vollstreckt.

Mit größter Sorge bewegen mich die zahllosen Berichte über Verhaftungen und das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften, die bei mir große Zweifel an der Rechtstaatlichkeit der Justizverfahren aufkommen lassen. Die Fall von Mehdi Yarrahi zeigt die Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und die gewaltsame Vorgehensweise des Regimes.

Ich appelliere an Sie, das Urteil gegen Mehdi Yarrahi umgehend aufzuheben. Nach internationalen Rechtsstandards hat er in keiner Weise eine strafbare Handlung begangen. Mehdis Verurteilung ist willkürlich.

Außerdem appelliere ich an Sie, die Haftbedingungen in einem transparenten Verfahren zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ich bitte Sie herzlich, mir zu schreiben, was Sie unternommen haben.

Hochachtungsvoll

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